Kaputte Kunst, köstliche Satire

Die Kunst ist genauso kaputt wie die Gesellschaft. Genauso am Ende wie die EU und die Demokratie. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass alles gleichzeitig zum Teufel gegangen ist, zu der Zeit, als die Leute angefangen haben, nicht mehr in die Welt zu sehen, sondern nur noch auf ihre Telefone? Früher war man sozial. Heute ist man social media.“

Dieses Zitat stammt von KD Pratz, einem weltberühmten Künstler aus Kristof Magnussons Roman „Ein Mann der Kunst“ (Kunstmann). KD Pratz lebt zurückgezogen auf einer Burg am Rhein. Mit der Welt, vor allem der Kunstwelt, will er nichts zu tun haben. Er verachtet Galeristen, Kunstmessen, Sammler und Kulturmenschen. Als ein Frankfurter Museum seinen Neubau exklusiv mit seinen Werken bestücken will, willigt der schlecht gelaunte Maler jedoch einem Treffen mit dem Förderverein ein.

Und so kommt zusammen, was nicht zusammenpasst: Eine Gruppe kunstbeflissener Bildungsbürger macht sich auf den Weg zur Burg von KD Pratz. Dass dieses Treffen auf eine Katastrophe zusteuert, ist klar. Denn der große, umstrittene Künstler und seine naiven Bewunderer leben in zwei Welten, und sie verstehen etwas völlig anderes unter Kunst. Diese Gegensätze arbeitet der Berliner Autor Kristof Magnusson mit feiner Ironie und treffsicherer Situationskomik heraus. Sein Roman spielt gekonnt mit den Eitelkeiten und Skurrilitäten der Branche, und er thematisiert spannende Fragen: Wer definiert eigentlich, was große Kunst ist? Was sollte ein wichtiges Werk bewirken? Welche Machtspiele laufen hinter den Kulissen der Museen? Was kann passieren, wenn man seinem Lieblingskünstler ein Denkmal setzt? Die höchst vergnügliche Kunstsatire steuert auf ein furioses Finale zu.

Kristof Magnusson erzählt seine heitere Geschichte aus der Perspektive eines Architekten, dessen Mutter Ingeborg die Vorsitzende des Fördervereins ist: „Für Kunst ließ meine Mutter alles stehen. Ich war in Galerien und Museen aufgewachsen, mit dem Kinder-Audioguide als ständigem Begleiter.“ Dieser Mann ist also gleichzeitig Insider und Außenseiter, und er schildert die turbulenten Ereignisse beim Treffen der Kunstfreunde mit KD Pratz. Gut, dass sich Kristof Magnusson nicht für eine harte Abrechnung mit dem Kulturbetrieb entschieden hat, sondern für eine Prosa des verständnisvollen Augenzwinkerns. Eine rundum gelungene Bildungsbürgerbespaßung – wie im Roman.

Am 12. September stelle ich das Buch in meiner Literatursendung auf egoFM vor. Zur Show hier.

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