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paul mcveigh, lesung, literaturblog, günter keilStille. Absolute Stille. 200 Zuschauer hören gebannt Paul McVeigh zu. Ich sitze neben dem nordirischen Schriftsteller auf der Bühne in Olpe und bin einfach nur dankbar. Für diesen Job. Für dieses Publikum. Für diese Literatur, die live noch lebendiger, greifbarer wird. McVeigh beantwortet meine Fragen nach seiner Kindheit inmitten des Bürgerkriegs in Belfast. Der 48-jährige spricht über die Angst, die er und seine sieben Geschwister hatten, über den Humor, den sie als Schutzschild und Waffe benutzten, über Bomben und Schüsse, die Armut seiner Familie, das Zusammenleben von einem Dutzend Menschen in zwei Zimmern. All dies floss in Pauls Roman „Guter Junge“ ein – ein Buch, mit dem der Ire einer Generation eine Stimme geben will, die unter Alpträumen und Schlaflosigkeit gelitten hat.

Natürlich sprechen wir auch über Whiskey, Irish Dance, Kilts. Und über alles, was das Leben ausmacht. Über Liebe und Leidenschaft, Krankheit und Tod. Ist das nicht wunderbar? Literatur führt Menschen zusammen, bewegt, immer wieder. Besonders dann, wenn Autoren auf Leser treffen. Dass ich diese Abende mit meiner Moderation mitgestalten kann, freut mich jedes Mal aufs Neue.

In den vergangenen zwei Monaten war ich wieder in ganz Deutschland unterwegs – mit Simon Beckett, Arne Dahl, Petros Markaris & Esmahan Aykol, Garry Disher und vielen anderen Künstlern. Und immer gab es einen oder mehrere magische Momente. Vielen Dank an alle, die das möglich machen: Autoren wie Paul McVeigh und ihre Verlage, Veranstalter wie Georg Spielmann von der Dreimann Buchhandlung, Menschen, die sich auf das Live-Abenteuer Lesung einlassen.

arne dahl. sieben minus eins, günter keil, piper, lesung, moderationNein, ich habe nicht die Jahreszeiten verwechselt. Es ist Sommer. Aber für mich ist auch schon Herbst, seit Wochen, irgendwie. Das liegt nicht am Wetter, sondern an den Planungen von Verlagen und Veranstaltern. Wie jeden Herbst werde ich jede Menge Lesungen moderieren. Und wie jedes Jahr werden dafür schon Monate im Voraus Termine festgemacht. Für mich ist das immer wieder aufs Neue ein spannendes Spiel. Denn ein halbes Jahr vorher weiß ich nicht, wann ich wo mit wem auf einer Bühne stehen werde. Doch dann, fünf, vier, drei Monate vorher, kommen immer mehr Anfragen. Manche überschneiden sich (schade!), manche ergänzen sich (genial!). Für mich heißt das: planen, organisieren, vorbereiten. Schon jetzt Bücher lesen, Autoren kontaktieren, Interviews ausdenken, Reisen organisieren.

Was mich in diesem Herbst besonders freut: Ich moderiere fünf Lesungen mit dem Schweden Arne Dahl (Foto). Sein neuer Thriller „Sieben minus eins“ (Piper) erscheint Anfang September, später sind wir in Göttingen (15.9.), Iserlohn (18.9., Festival „Mord am Hellweg“), Köln (19.9. „Crime Cologne“), Leipzig (21.10.) und München (8.11., Krimifestival). Unterstützt werden wir u.a. von den großartigen Schauspielern Christian Berkel und Gerd Köster.

Sehr gespannt bin ich auch auf die israelische Autorin Dorit Rabinyan (28.9., München), den Iren Paul Mc Veigh (15.11., Olpe) und den Briten Philip Kerr (25.11., München). Bei Europas größtem Krimifestival „Mord am Hellweg“ moderiere ich außerdem Veranstaltungen mit Garry Disher, Petros Markaris und der Türkin Esmahan Aykol.

Ach ja, auf der Buchmesse moderiere ich natürlich auch. Und und und… (mehr dann zeitnah)

koffer314? Oder 341? Oder doch Zimmer 431? 413? Man kann ziemlich durcheinander kommen, wenn man jeden Tag in einem anderen Hotel schläft. Bin ich in Hannover oder in Stuttgart? Bei „Leipzig liest“ oder „lit.Cologne“? Ach so, in München. Beim Krimifestival.

Vorübergehende Orientierungslosigkeit gehört genauso zu einer Lesereise wie Schlaflosigkeit. Neben all den positiven Aspekten: Spannende Auftritte, kreative Schübe, neue Eindrücke, unvergessliche Begegnungen. Spaß. Teamarbeit. Literatur, die lebt. Schön auch, dass jeder Abend anders ist, obwohl die Besetzung auf der Bühne gleich bleibt. Fünf Lesungen in fünf Städten, das bedeutet: Fünf verschiedene Räume mit anderem Licht, Ton, Geruch. Mit Mikrofonen, Stühlen, Tischen, Lampen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gilt auch fürs Publikum: Mal spüre ich sofort eine wunderbare positive Energie, Neugier, Vorfreude. Mal Zurückhaltung, Unsicherheit oder Skepsis – dann drehen wir die Stimmung. Lesereisen sind auch gefüllt von Zeitplänen, Terminen, Ticketnummern, Abfahrtszeiten, Wartezonen, Kofferrollereien. An- und Abreisen.

Vorgestern, auf dem Weg vom Düsseldorfer Flughafen nach Köln, standen das Autorenduo Erik Axl Sund, Nina Petri und ich drei Stunden im Stau. Trotzdem wurde es ein großartiger Abend. Und irgendwann landete ich dann wieder vor einer Zimmertür. 314? Oder 341? Diesmal nicht. Ich war wieder daheim. Aber verdammt nochmal, wo hatte ich nur den Wohnungsschlüssel verstaut?

ellroyEs ist soweit: Für mich beginnt jetzt das Literatur-Live-Frühjahr. In den nächsten sieben Wochen bestimmen jede Menge Moderationen, Lesungen, Interviews und Reisen mein Leben.

Los geht´s heute um 17 Uhr bei der Münchner Bücherschau Junior – ich moderiere die Eröffnung. Bis zum 15. März stehen mehr als 5.000 Kinder- und Jugendmedien im Stadtmuseum zur Verfügung – geniale Leseförderung! Nächsten Dienstag (20.3.) starte ich mit dem schwedischen Autorenduo Erik Axl Sund auf eine Tour: München (Krimifestival), Hannover, Berlin, Leipzig (Leipzig liest), Köln (lit.Cologne). Fast alle Veranstaltungen sind schon ausverkauft. Am 19.3. stehe ich in München mit einer der erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen auf der Bühne: Elisabeth Herrmann. Mit dabei: Ihr neuer Roman „Der Schneegänger“.

Einen Tag später – Tusch – kommt ER: James Ellroy (Foto). Der kompromissloseste US-Krimiautor seit Raymond Chandler. Ellroy gilt als unberechenbarer Gesprächspartner – mal sehen, ob er mich als Moderator akzeptiert (am 20.3. im Amerikahaus München, es gibt noch Restkarten). Schließlich, am 23.3., moderiere ich die Verleihung des Stuttgarter Krimipreises 2015 im Renitenztheater. Ich weiß schon, wer gewinnt, darf aber (noch) nichts verraten. So. Das war der erste Teil. Mehr Termine bald…

mattneuMatt Haig lächelt. Auf meine Frage, was ihm nach ein paar Tagen in Deutschland am meisten auffalle, sagt der englische Autor: „Ob auf der Buchmesse oder auf der lit.Cologne: hier bei euch lassen sich die Leute für Bücher begeistern. Das kenne ich aus England so nicht. Bei uns sind Buchmessen meist langweilige Veranstaltungen, auf denen alte Leute jammern, dass es mit dem Buch bergab geht. Und Lesungen sind oft triste, schlecht besuchte Vortragsabende. Ganz anders in Deutschland! Mir kommt es so vor, als ob ihr Bücher noch richtig als Kulturgut schätzt und Freude daran habt„. Das kann ich nur bestätigen – bei meinen Moderationen in München, Nürnberg, Leipzig und Köln sah ich in den vergangenen 10 Tagen tausende begeisterte Leser. In Leipzig drängten sich die Leute auch spät abends noch in jede Menge Veranstaltungen, etwa rund um die Alte Handesbörse. Gestern in Köln kamen 600 Zuschauer um 21 Uhr auf eine Rheinfähre, um Matt Haig („Ich und die Menschen“, dtv & Hörverlag) und Chrstoph Maria Herbst zu sehen (Herbst spricht auch die Hörbuchfassung). Sieht ganz so aus, als ob Deutschland noch immer ein Leseland ist…

beckettBald kommen sie: die Literatur-Stars. Die Belletristik-Sternchen. Die Geheimtipps. Nachdem sich das literarische Jahr 2014 schon positiv entwickelt hat, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf kommende Lesungen und Festivals. Hauptsache, live! Ich freue mich schon auf spannende Moderationen: mit dem britischen Krimi-Star Simon Beckett eröffne ich Anfang März das Krimifestival München, später treffen wir uns auch in Nürnberg und Leipzig auf der Bühne (das Foto zeigt uns 2011). Außerdem geplant: Auftritte mit Rufus Beck und Christoph Maria Herbst – für Matt Haigs neuem Roman „Ich und die Menschen“. Daneben moderiere ich Veranstaltungen mit Kevin Brooks, Sandra Roth, Dennis Lehane und Lisa Jackson. Los geht´s schon am Mittwoch mit Lucinda Riley und Dennenesch Zoudé: wir präsentieren Rileys neuen Roman „Die Mitternachtsrose“. Erst in Berlin, dann in München. Ja, die Lesungs-Saison kann beginnen!

kingmiEr war da. Leibhaftig. Stephen King trat erstmals in Deutschland auf. 400 Millionen Bücher hat der Meister des literarischen Grauens bis jetzt verkauft – am Mittwoch stand er auf der Bühne des legendären Cirkus Krone in München (Foto). 2.500 Fans jubelten King zu. Der 66jährige gab sich lässig, schlagfertig und bescheiden – mehr über seine Lesung, die eigentlich mehr ein Happening war, auf meiner Homepage http://www.guenterkeil.de (unter der Rubrik „Texte“) oder hier in meiner Kritik für die Südwest Presse:

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/kultur/Stephen-King-der-fluchende-Koenig;art4308,2315900