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paul auster, 4321, rezension, literaturblog, günter keil Okay. Tief Luft holen. 1.264 Seiten.

„4321“ (Rowohlt) ist der längste Roman, den Paul Auster je geschrieben hat. Das reizt mich, eine meiner kürzesten Rezensionen zu verfassen. Reziprok proportional, genau.

„4321“ ist kein normaler Roman. Es sind: vier. Denn Auster erzählt vier Mal die Lebensgeschichte von Archie Ferguson, einem Amerikaner, der 1947 zur Welt kommt – wie Auster selbst. Der Reiz an diesem raffinierten literarischen Spiel besteht darain, dass diese vier Varianten eine gemeinsame Schnittmenge haben. Und dennoch komplett anders verlaufen. Ein Meisterwerk, ja. Über Liebe & Literatur, Schmerz & Trauer, Baseball & JFK. Eine Chronik der USA der 50er- bis 70er Jahre. Keine Seite zu viel.

„4321“ habe ich hier für die ABENDZEITUNG rezensiert – auch im nächsten Playboy stelle ich es vor.

AusterNein, dieses Buch ist keine normale Autobiografie. Das beweist schon der erste Satz: „Du denkst, das wird dir niemals passieren, das kann dir niemals passieren, du seist der einzige Mensch auf der Welt, dem nichts von alldem jemals passieren wird, und dann geht es los, und eins nach dem anderen passiert dir all das genau so, wie es jedem anderen passiert“ schreibt Paul Auster. In seinem „Winterjournal“ (Rowohlt) erzählt er nicht bloß sein Leben, sondern überrascht und berührt. Von Anfang an präsentiert sich hier kein eitler Erfolgsmensch, vielmehr horcht ein bescheidener Mann in sich und blickt ironisch auf sein Tun. Als Rahmenhandlung dient der Winter des Jahres 2011, in dem Auster in seinem Haus in New York über die 64 Jahre seines bisherigen Lebens nachdenkt. Er erinnert sich, ohne diese Gedanken zu ordnen – „Winterjournal“ ist eine der unchronologischsten Autobiografien, die je geschrieben wurden. Und eine der besten. Egal, ob Auster über Partys auf der Junior Highschool 1959 schreibt, seine Liebe zu Siri Hustvedt, über Tripper und Filzläuse, die ersten Worte seiner Tochter oder die Sonnenblume, die so schnell wächst wie er selbst als Kind: er tut dies staunend, liebevoll und fragend. Seine Offenheit und Ehrlichkeit machen ihn als Mensch erlebbar – ein literarischer Hochgenuss.