Über mich · Buchbranche

Worauf ich mich 2018 freue

Wie schön: Ich weiß jetzt schon, dass es ein wunderbares Jahr wird. Als Freiberufler kann ich zwar nie für 12 Monate vorhersagen, was wann passiert. Wie viele Aufträge reinkommen. Welche Stars ich treffe. Aber das kann ich schon verraten:

Im Kupfersaal Leipzig moderiere ich am 15. März eine Lesung mit der britischen Bestsellerautorin Jojo Moyes (rechts).

Mitte Januar treffe ich Schauspieler Moritz Bleibtreu in Berlin zum Interview über seinen neuen Film „Nur Gott kann mich richten“. 

Mit US-Autor Nickolas Butler (rechts) gehe ich Ende Februar auf Lesereise. Start im English Theater Berlin am 19.2.

Die Psychologin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl (unten) stellt am 27. Februar auf Litlounge.tv im Gespräch mit mir ihr neues Sachbuch „Jeder ist beziehungsfähig“ vor.

Beim Krimifestival München moderiere ich den Abend mit dem dänischen Starautor Jens Henrik Jensen (neuer Thriller „Der dunkle Mann“). Termin: 13.3.

Außerdem habe ich Veranstaltungen mit Arne Dahl (beim Festival Mord am Hellweg), Rita Falk, Lea Coplin, Wolfram Fleischhauer, Nicola Förg und vielen anderen. Mehr Details bald…

Und auf welche Bücher freue ich mich am meisten? Den neuen Haruki Marukami natürlich, Peter Stamms „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“, Bernhard Schlinks „Olga“, „Strafe“ von Ferdinand von Schirach, Paul Austers „Das rote Notizbuch“, Roberto Savianos „Der Clan der Kinder“ sowie neue Romane von Kathrin Weßling, Gianrico Carofiglio, Heinrich Steinfest, Lilian Loke, Max Scharnigg

 

 

Über mich · Buchbranche · Moderation

Mein persönlicher Jahresrückblick

Besuch bei Ai Weiwei in seinem Berliner Atelier – eine der vielen besonderen Begegnungen mit Künstlern dieses Jahr

Es war ein Risiko. Aber seit diesem Jahr weiß ich: es hat sich gelohnt, es einzugehen.

Vor etwa acht Jahren habe ich beschlossen, mich voll und ganz der Literatur zu widmen. Bücher zu rezensieren, Autoren zu interviewen, Lesungen zu moderieren. All das hatte ich vorher auch schon getan – aber eher nebenbei, da ich auch noch viele andere Jobs für Radio- und TV-Sender hatte.

Damit machte ich Schluss. Konzentrierte mich auf das, was mir wirklich wichtig war. Eine gewagte Entscheidung, denn in den Medien (und besonders für uns Freiberufler) gilt: Am schlechtesten wird im Kulturbereich bezahlt. Kein Wunder also, dass es zähe, harte Jahre wurden, bis ich Redaktionen gefunden hatte, die meine Texte kauften. Ähnlich schleppend entwickelte sich meine Auftragslage für Lesungsmoderationen. Jahrelang war ich mir nicht sicher, ob ich davon leben könnte. Aber ich blieb dran. Startete diesen Blog. Machte weiter. Und ganz langsam entwickelte sich etwas.

Jetzt, nach einem erfüllenden und erfolgreichen Jahr, weiß ich: es klappt. 2017 hatte ich großartige Begegnungen und tolle Aufträge. Interviews und Moderationen mit T.C. Boyle (links), Ken Follett, Arundhati Roy (oben), Jo Nesbø, Jostein Gaarder (unten)… Außerdem traf ich den chinesischen Künstler Ai Weiwei und Hollywoodstar Bryan Cranston („Braking Bad“). Ich schreibe für jede Menge Medien und moderiere für fast alle großen Verlage und wichtigen Literaturfestivals.

Die Honorare in unserer Branche sind zwar nach wie vor oft unterirdisch. Skandalös schlecht. Ich verdiene bei weitem nicht so viel wie früher. Aber das ist mir egal – etwas tun zu können, das ich wirklich will und das sinnvoll ist, bedeutet mir mehr. Zum Glück habe ich inzwischen genug Auftraggeber, die Kultur schätzen – und meine Arbeit. Das motiviert. Und macht dankbar.

Vielen Dank auch an Euch alle – ich weiß, Ihr liebt Bücher, Filme und andere Kunstwerke genauso wie ich!

Machen wir einfach weiter – denn eine Welt ohne Kultur (und ohne Medien, die darüber berichten) ist nicht lebenswert.

 

 

 

 

 

 

Buchbranche · Lesungen

Auf Lesereise mit Ken Follett

Vier Tage, vier Städte, zwei Länder. Hamburg, Berlin, München, Wien.

Letzte Woche war ich unterwegs mit Ken Follett. Mr. 160-Millionen-Weltauflage. Follett und sein Team (seine Ehefrau Barbara und zwei Assistenten) wollten diesmal alles ganz anders: keine Moderatoren und keine Schauspieler auf der Bühne, sondern nur den Autor selbst. Und ein moderativ-zusammenfassender Übersetzer in der ersten Reihe – meine Wenigkeit.

Ein völlig neues Lesungskonzept also, und entsprechend gespannt waren alle Beteiligten. Würde es inhaltlich klappen? Technisch? Menschlich?

Es klappte. Sehr gut sogar. Zunächst lief ein 14-minütiges Making-Of des neuen Follett-Bestsellers „Das Fundament der Ewigkeit“ (Lübbe). Darin sah man den 68-jährigen bei der Recherche in London, Paris, Sevilla, Orleans und Amsterdam. Anschließend betrat Follett die Bühne, erzählte aus seiner Kindheit, von Shakespeare und Ian Fleming, von seiner Faszination für historische Stoffe. Ich hielt Augenkontakt zu ihm, wir verständigten uns mit einem Nicken oder Zwinkern, kurze Übersetzung, wieder Englisch, ein fließender Übergang. Höchste Konzentration. Spannend. Präzise. 

Nach etwa 15 Minuten bat Follett sein Publikum, Fragen zu stellen – direkt. Und das taten seine Fans dann auch. Ein munterer Dialog entstand, in den ich wieder als Übersetzer eingebunden wurde. Nach einer guten Stunde war Schluss, zumindest für mich. Ken Follett signierte noch bis zu zwei Stunden lang. Während ich mich freute, ein Teil dieses höchst professionellen, britisch-höflichen Teams gewesen zu sein.

Buchbranche · Buchmesse

Für die Buchmesse gewappnet…

buchmesse 2017…bin ich diesmal besonders gut. Denn aus der hintersten Ecke meines Buchregals zog ich dieses Werk aus dem Jahr 1950. Ein Erbstück von meiner Großtante. „Kleines Wörterbuch für literarische Gespräche“, ja, das kann ich für die Messetage gut gebrauchen. Erklärt und ironisch beleuchtet werden darin alle wichtigen Begriffe – von Dialektik, Dichtung, Drama über Reim, Rhythmus bis zu Schriftsteller, Talent und Witz. Kleine Kostproben?

Im Roman pflegt der Mensch von heute Literatur zu sich zu nehmen.“

Verleger nennt man jene merkwürdigen Leute, die einen Beruf daraus machen, Bücher nicht zu schreiben, sondern zu drucken, und das mit einer Leidenschaft, die zuweilen stärker ist als die der Menschen, die die Bücher schreiben.“

Der Kitsch ist eines der Grundprobleme alles künstlerischen Schaffens.“

Kritik ist die erste Brücke zwischen Werk und Allgemeinheit, Leistung und Publikum. Sie bestimmt das Gerede, nicht den Erfolg.“

Also: Nicht wundern, wenn ich in Frankfurt besonders schlau daherrede.

Buchmesse · Moderation

Ja, Ja, Ja, Leipzig

buchmesse leipzig, günter keil, moderation, lesungen, literaturblog Ja: Das Hotelzimmer ist total überteuert. Ja: In den Hallen ist es eng, stickig und laut. Ja: Es gibt schönere Orte als das Messegelände Leipzig.

Und dennoch: Schön, dass es morgen wieder losgeht! Ich freue mich auf das große Frühjahresklassentreffen aller Literaturbegeisterten. Auf Gespräche, Treffen, Interviews, Moderationen, Anregungen, Kontakte, Lesungen…

Bücher? Mal sehen. Mal überraschen lassen. Die meisten Neuerscheinungen habe ich ja schon. Zum Glück. Aber irgendjemand steckt mir immer im Vorbeigehen noch etwas Interessantes zu – „Hast du das schon gelesen?“ Hm. Kann nicht widerstehen, schleppe am Sonntag vier Kilo mehr nach Hause.

Am Messewochenende ist für mich am meisten los – ich moderiere Veranstaltungen mit Sebastian Fitzek, Tilman Röhrig, Michael Tsokos, Petra Oelker und Michael Lösch. Direkt auf der Messe, bei Leipzig liest!, in der Alten Nikolaischule und bei Lehmanns Media. Ich hoffe, wir sehen uns!

Bilder-/Kinderbuch · Buchbranche · Moderation

Kinder! Literatur! Begeistert!

münchner bücherschau junior, stadtmuseum, günter keilDa sind sie: „Die Gedichter“! Fünf junge Poetry-Slammerinnen, die mit mir die 11. Münchner Bücherschau Junior eröffneten. Ein Buchfestival, das Kinder und Jugendliche begeistert. Eines, das mich darauf hoffen lässt, dass Literatur nie ausstirbt. Dass das Lesen uns auch in Zukunft ein bisschen sozialer, gebildeter, bunter und offener macht.

Wie wichtig es ist, das frühe Lesen zu fördern, zeigt auch der US-Präsident: Donald Trump saß als Kind nur vor der Glotze, liest heute noch nicht, versteht die Welt nicht, hat keine Empathie, agiert durchweg unsozial. Die Münchner Bücherschau Junior (noch bis 19. März im Stadtmuseum) wirkt genau andersrum: sie entführt Kinder und Jugendliche in fantastische und alltägliche Welten, erklärt ihnen das Leben, spielt und bastelt mit ihnen, regt sie an, baut sie auf. Für mich ist es eine große Freude, als Moderator dabei zu sein. Vielen Dank an Birgit Franz und ihr Team in München und alle anderen, die ähnliche Festivals organisieren!

Mehr Infos zum Programm hier.

Buchbranche

„Die Literatur hat ihre Macht verloren!“

literatur, tutzing, tagung, blog, rezension, feuilleton, günter keil, sigrid löffler Wie steht es um den Einfluss der Literatur? Welche Macht haben wichtige Werke in Zeiten von Youtube, Facebook, Twitter & Co.? Verflacht die Literaturkritik? Um diese Fragen drehte sich eine spannende Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing, auf der ein Dutzend Publizisten, Schriftsteller, Verlagsleute und Wissenschaftler diskutierten. Ich war mit dabei – hier mein Feature über „Resonanzräume der Literatur im 21. Jahrhundert“:

Das gedruckte Wort ist nach wie vor gefährlich!“ Kritikerin Sigrid Löffler war sich ganz sicher: ein grundsätzlicher Bedeutungsverlust der Literatur sei nicht festzustellen. Man müsse nur in die Türkei schauen, nach Osteuropa, in viele weitere Länder der Welt, in denen sich Autokraten von Schriftstellern und ihren Werken bedroht fühlten. „Zudem ist die Literatur in Bewegung wie selten zuvor. Durch Migranten ist eine neue Weltliteratur entstanden, eine neue, nicht-westliche Erzählform.“ Diese Entwicklung, so Löffler, gebe ihr Hoffnung.

Dass die Literatur im Sturm von Konzentration, Digitalisierung und Globalisierung ihre Macht verloren hat, steht für den Kölner Journalisten Oliver Jungen fest: „Ihre soziale und politische Relevanz hat in Deutschland definitiv nachgelassen.“ In den Feuilletons gebe es immer weniger tiefschürfende Rezensionen, eine klare Tendenz zur unterhaltenden Berichterstattung. „Auch bei der Vergabe des Deutschen Buchpreises nimmt die Unterhaltung an Bedeutung zu. Die Werke der meisten Preisträger geben doch höchstens ein bisschen Geschichtsnachhilfe und sie bewegen unterhaltsam, statt zu wirken!“

Kein Grund zur Panik – Literatur lebt! Diese These vertrat Stephan Poromka, Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin. „Als sich im 15. Jahrhundert der Buchdruck ausbreitete, gab es auch jede Menge Warner – sie fürchteten sich davor, dass jeder veröffentlichen könne, was er wolle. Heute gibt es ähnliche Vorbehalte gegen Social Media, dabei sehe ich gerade dort eine neue Lebendigkeit im Umgang mit Literatur.“ Viele kleine literarische Öffentlichkeiten entstünden und neue Narrative würden erfunden. „Ich plädiere dafür, nicht ständig nach Symptomen für eine negative Entwicklung zu suchen, sondern aufmerksam neue Effekte wahrzunehmen“, so Poromka. 

Zigtausend Kundenrezensionen auf Amazon, hunderte Literaturblogs, digitale Lesekreise. Literaturkritik findet schon lange nicht mehr nur in den Feuilletons der Printmedien statt. „Man kann aber nicht ernsthaft Literatur kritisieren, wenn man nicht die entsprechende Leseerfahrung hat! Kritik lebt vom Vergleich!“ warnte Sigrid Löffler. Auch der Schriftsteller Ulrich Peltzer zeigte sich angesichts der neuen Rezeptionsstrukturen skeptisch: „Vieles, was da rezensiert wird, hat doch gar nichts mit Literatur zu tun. Im Übrigen handelt es sich hier um Kundenbewertungen wie für Staubsauger, nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung.“ Eine Einschätzung, die Alexander Nebrig vom Institut für deutsche Literatur an der Berliner Humboldt Universität nicht teilt. Er differenziert: „Wir stellen eine deutliche Professionalisierung der Laienkritik fest, zudem entstehen kleine höherwertige Kritikernetzwerke. Ähnlich wie bei Wikipedia verändert sich das Angebot, und genauso wird sich die Beurteilung ändern.“

Es gibt sie also weiterhin, die Resonanzräume. Zwar sehen sie anders aus als früher, und sie klingen anders. „Die geistige Selbstverständigung über den Zustand der Welt funktioniert nur über das gedruckte Wort“ meinte Sigrid Löffler. Kein Widerspruch bei den Teilnehmern der Tagung. Denn gedruckt wird das Wort ja auch digital. Oder? Was meint Ihr?