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Schlagwort-Archive: Buchbranche

buchmesse leipzig, günter keil, moderation, lesungen, literaturblog Ja: Das Hotelzimmer ist total überteuert. Ja: In den Hallen ist es eng, stickig und laut. Ja: Es gibt schönere Orte als das Messegelände Leipzig.

Und dennoch: Schön, dass es morgen wieder losgeht! Ich freue mich auf das große Frühjahresklassentreffen aller Literaturbegeisterten. Auf Gespräche, Treffen, Interviews, Moderationen, Anregungen, Kontakte, Lesungen…

Bücher? Mal sehen. Mal überraschen lassen. Die meisten Neuerscheinungen habe ich ja schon. Zum Glück. Aber irgendjemand steckt mir immer im Vorbeigehen noch etwas Interessantes zu – „Hast du das schon gelesen?“ Hm. Kann nicht widerstehen, schleppe am Sonntag vier Kilo mehr nach Hause.

Am Messewochenende ist für mich am meisten los – ich moderiere Veranstaltungen mit Sebastian Fitzek, Tilman Röhrig, Michael Tsokos, Petra Oelker und Michael Lösch. Direkt auf der Messe, bei Leipzig liest!, in der Alten Nikolaischule und bei Lehmanns Media. Ich hoffe, wir sehen uns!

münchner bücherschau junior, stadtmuseum, günter keilDa sind sie: „Die Gedichter“! Fünf junge Poetry-Slammerinnen, die mit mir die 11. Münchner Bücherschau Junior eröffneten. Ein Buchfestival, das Kinder und Jugendliche begeistert. Eines, das mich darauf hoffen lässt, dass Literatur nie ausstirbt. Dass das Lesen uns auch in Zukunft ein bisschen sozialer, gebildeter, bunter und offener macht.

Wie wichtig es ist, das frühe Lesen zu fördern, zeigt auch der US-Präsident: Donald Trump saß als Kind nur vor der Glotze, liest heute noch nicht, versteht die Welt nicht, hat keine Empathie, agiert durchweg unsozial. Die Münchner Bücherschau Junior (noch bis 19. März im Stadtmuseum) wirkt genau andersrum: sie entführt Kinder und Jugendliche in fantastische und alltägliche Welten, erklärt ihnen das Leben, spielt und bastelt mit ihnen, regt sie an, baut sie auf. Für mich ist es eine große Freude, als Moderator dabei zu sein. Vielen Dank an Birgit Franz und ihr Team in München und alle anderen, die ähnliche Festivals organisieren!

Mehr Infos zum Programm hier.

literatur, tutzing, tagung, blog, rezension, feuilleton, günter keil, sigrid löffler Wie steht es um den Einfluss der Literatur? Welche Macht haben wichtige Werke in Zeiten von Youtube, Facebook, Twitter & Co.? Verflacht die Literaturkritik? Um diese Fragen drehte sich eine spannende Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing, auf der ein Dutzend Publizisten, Schriftsteller, Verlagsleute und Wissenschaftler diskutierten. Ich war mit dabei – hier mein Feature über „Resonanzräume der Literatur im 21. Jahrhundert“:

Das gedruckte Wort ist nach wie vor gefährlich!“ Kritikerin Sigrid Löffler war sich ganz sicher: ein grundsätzlicher Bedeutungsverlust der Literatur sei nicht festzustellen. Man müsse nur in die Türkei schauen, nach Osteuropa, in viele weitere Länder der Welt, in denen sich Autokraten von Schriftstellern und ihren Werken bedroht fühlten. „Zudem ist die Literatur in Bewegung wie selten zuvor. Durch Migranten ist eine neue Weltliteratur entstanden, eine neue, nicht-westliche Erzählform.“ Diese Entwicklung, so Löffler, gebe ihr Hoffnung.

Dass die Literatur im Sturm von Konzentration, Digitalisierung und Globalisierung ihre Macht verloren hat, steht für den Kölner Journalisten Oliver Jungen fest: „Ihre soziale und politische Relevanz hat in Deutschland definitiv nachgelassen.“ In den Feuilletons gebe es immer weniger tiefschürfende Rezensionen, eine klare Tendenz zur unterhaltenden Berichterstattung. „Auch bei der Vergabe des Deutschen Buchpreises nimmt die Unterhaltung an Bedeutung zu. Die Werke der meisten Preisträger geben doch höchstens ein bisschen Geschichtsnachhilfe und sie bewegen unterhaltsam, statt zu wirken!“

Kein Grund zur Panik – Literatur lebt! Diese These vertrat Stephan Poromka, Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin. „Als sich im 15. Jahrhundert der Buchdruck ausbreitete, gab es auch jede Menge Warner – sie fürchteten sich davor, dass jeder veröffentlichen könne, was er wolle. Heute gibt es ähnliche Vorbehalte gegen Social Media, dabei sehe ich gerade dort eine neue Lebendigkeit im Umgang mit Literatur.“ Viele kleine literarische Öffentlichkeiten entstünden und neue Narrative würden erfunden. „Ich plädiere dafür, nicht ständig nach Symptomen für eine negative Entwicklung zu suchen, sondern aufmerksam neue Effekte wahrzunehmen“, so Poromka. 

Zigtausend Kundenrezensionen auf Amazon, hunderte Literaturblogs, digitale Lesekreise. Literaturkritik findet schon lange nicht mehr nur in den Feuilletons der Printmedien statt. „Man kann aber nicht ernsthaft Literatur kritisieren, wenn man nicht die entsprechende Leseerfahrung hat! Kritik lebt vom Vergleich!“ warnte Sigrid Löffler. Auch der Schriftsteller Ulrich Peltzer zeigte sich angesichts der neuen Rezeptionsstrukturen skeptisch: „Vieles, was da rezensiert wird, hat doch gar nichts mit Literatur zu tun. Im Übrigen handelt es sich hier um Kundenbewertungen wie für Staubsauger, nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung.“ Eine Einschätzung, die Alexander Nebrig vom Institut für deutsche Literatur an der Berliner Humboldt Universität nicht teilt. Er differenziert: „Wir stellen eine deutliche Professionalisierung der Laienkritik fest, zudem entstehen kleine höherwertige Kritikernetzwerke. Ähnlich wie bei Wikipedia verändert sich das Angebot, und genauso wird sich die Beurteilung ändern.“

Es gibt sie also weiterhin, die Resonanzräume. Zwar sehen sie anders aus als früher, und sie klingen anders. „Die geistige Selbstverständigung über den Zustand der Welt funktioniert nur über das gedruckte Wort“ meinte Sigrid Löffler. Kein Widerspruch bei den Teilnehmern der Tagung. Denn gedruckt wird das Wort ja auch digital. Oder? Was meint Ihr? 

eceWann? Wo? Wie? Als Freiberufler weiß ich nie genau, wie sich ein neues Jahr entwickeln wird. Es gibt Phasen, in denen ich rund um die Uhr schreibe, interviewe, recherchiere, moderiere. Unterbrochen von Phasen, in denen ich Luft hole, nachdenke, plane, neue Projekte starte – und hoffe, dass es bald wieder richtig los geht.

Für 2017 steht jetzt schon fest: Ich werde in den nächsten Monaten mit vielen großartigen Autoren auf der Bühne stehen. Simon Beckett, Sebastian Fitzek, Rita Falk, Marc Elsberg, Michael Tsokos, Nicola Föhr, Petra Oelker, Tilman Röhrig, Michael Lösch – und, besonders spannend: Mira Magén aus Israel, Ece Temelkuran aus der Türkei (siehe Foto von unserer Lesung in Frankfurt 2015). Außerdem moderiere ich die Eröffnung der Münchner Bücherschau junior. Zu Interviews treffe ich u.a. Jussi Adler-Olsen und Georg M. Oswald – beide veröffentlichen im März ihre neuen Romane.

Natürlich schreibe ich auch weiter für zahlreiche Medien, und ich bin seit Anfang des Jahres wieder verantwortlich für die Buchseite des Playboy. In der aktuellen Ausgabe rezensiere ich dort T.C. Boyle, Michael Connelly, Fil Tägert und Dennis Lehane. Damit auch in Männermagazinen die Literatur lebt!

paul mcveigh, lesung, literaturblog, günter keilStille. Absolute Stille. 200 Zuschauer hören gebannt Paul McVeigh zu. Ich sitze neben dem nordirischen Schriftsteller auf der Bühne in Olpe und bin einfach nur dankbar. Für diesen Job. Für dieses Publikum. Für diese Literatur, die live noch lebendiger, greifbarer wird. McVeigh beantwortet meine Fragen nach seiner Kindheit inmitten des Bürgerkriegs in Belfast. Der 48-jährige spricht über die Angst, die er und seine sieben Geschwister hatten, über den Humor, den sie als Schutzschild und Waffe benutzten, über Bomben und Schüsse, die Armut seiner Familie, das Zusammenleben von einem Dutzend Menschen in zwei Zimmern. All dies floss in Pauls Roman „Guter Junge“ ein – ein Buch, mit dem der Ire einer Generation eine Stimme geben will, die unter Alpträumen und Schlaflosigkeit gelitten hat.

Natürlich sprechen wir auch über Whiskey, Irish Dance, Kilts. Und über alles, was das Leben ausmacht. Über Liebe und Leidenschaft, Krankheit und Tod. Ist das nicht wunderbar? Literatur führt Menschen zusammen, bewegt, immer wieder. Besonders dann, wenn Autoren auf Leser treffen. Dass ich diese Abende mit meiner Moderation mitgestalten kann, freut mich jedes Mal aufs Neue.

In den vergangenen zwei Monaten war ich wieder in ganz Deutschland unterwegs – mit Simon Beckett, Arne Dahl, Petros Markaris & Esmahan Aykol, Garry Disher und vielen anderen Künstlern. Und immer gab es einen oder mehrere magische Momente. Vielen Dank an alle, die das möglich machen: Autoren wie Paul McVeigh und ihre Verlage, Veranstalter wie Georg Spielmann von der Dreimann Buchhandlung, Menschen, die sich auf das Live-Abenteuer Lesung einlassen.

buchmesse frankfurt, literaturblog, günter keil Hallo Frankfurt! Hallo Buchwelt!

Okay. Es geht los. Hab´ ich auch alles dabei? Aspirin, Aufnahmegerät, Powerriegel, Visitenkarten, Halsbonbons, Smartphone… Hab´ ich alle Termine? Weiß ich, auf welchen Bühnen, in welchen Hallen, zu welchen Themen ich moderieren werde? Wann ich wo Autoren und Kollegen treffe und interviewe? Ja. Glaub´ schon.

Na dann. Rein in den größten Literaturzirkus der Welt! Ich freue mich auf den niederländischen Literaten Adriaan van Dis genauso wie auf DJ Bobo, auf Thrillerstar Jo Nesbö und die Kluftinger-Erfinder Klüpfel & Kobr, auf die österreichische Autorin Judith W. Taschler genauso wie auf den Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos. Mit allen werde ich auf der Bühne stehen – irgendwo, irgendwann in den nächsten Tagen. Ach ja, und dann moderiere ich noch eine Diskussion über den Erfolg deutscher Krimis in Großbritannien fürs Goethe Institut. Auf der arte-Bühne. Am Samstag. Um 14.00 Uhr.

Und sonst? Mal sehen. Es wird sicher wieder genial. Und anregend. Und anstrengend. Und alles. Wir sehen uns.

sprache oder inhalt, jury, literaturblog, günter keilMünchen, vor zwei Tagen. Bei einer Jurysitzung für den Tukan-Preis entwickelte sich eine Grundsatzdiskussion. Welche Faktoren führen dazu, dass wir Juroren einen Roman positiv oder negativ bewerten? Ist es der Autor, die Sprache, der Plot oder das Kernthema? Oder alles zusammen? Oder etwas Vages, ein Lesegefühl, eine Stimmung? Anlass war der Kommentar einer Kollegin zu einer Neuerscheinung, man habe all das schon einmal gelesen, der Inhalt sei nicht neu. „Aber die Sprache ist doch das Wesentliche!“ gab eine andere Kollegin zu bedenken – und schon waren wir mitten im Austausch.

Für mich gibt es nur wenige Grundsätze bei der Bewertung eines Romans: Zwar interessieren mich bestimmte Themen mehr oder weniger, und den Stil bestimmter Autoren mag ich mehr oder weniger. Trotzdem kann mich – unabhängig davon – jedes neue Buch begeistern oder enttäuschen. Bei der Lektüre der ersten Zeilen beginnt alles von vorn. Bei Null. Je mehr ich dann lese, umso mehr beeinflusst mich die Sprache oder zumindest die Atmosphäre, die sie erzeugt. Großartige Prosa kann mich für nahezu jeden Inhalt einnehmen (wenngleich sie mehr bieten sollte als nur schönen Schein). Umgekehrt funktioniert das bei mir nicht – der kreativst konstruierte Plot oder das wichtigste Thema berühren mich nicht, wenn die Sprache nicht stimmt. Und wann „stimmt“ die Sprache? Gute Frage. Keine leichte Antwort. Denn dieses Urteil ist fast immer subjektiv und individuell. Was man allein schon daran merkt, dass es zu nahezu jedem „wichtigen“ aktuellen Roman sehr widersprüchliche Kritiken gibt.