Lesungen · Literaturblog

Literatur = Unterhaltung, Bildung, Spannung

Was für ein Anblick! Vor kurzem moderierte ich in einem der schönsten Räume, die es für eine Lesung geben kann: der historischen Juristischen Bibliothek im Rathaus München. 1906 prunkvoll gestaltet, zehn Meter hoch, mit vergoldeten schmiedeeisernen Wendeltreppen. Im floralen Münchner Jugendstil. Ein Traum!

In diesem edlen Ambiente las Wolfram Fleischhauer aus seinem neuen Umwelt-Thriller „Das Meer“ (Droemer) – ein packender Roman über illegale Fischerei, die machtlosen EU-Behörden und eine Aktivistengruppe, die der Fischereimafia mit einer riskanten Aktion das Handwerk legen will. Beeindruckend ist dabei, wie Fleischhauer jede Menge Fachinformationen in seinen Plot packt, ohne zu langweilen. Das liegt an seinem Konzept und seiner Grundüberzeugung, wie er mir sagte:

Literatur sollte alle Aspekte verbinden: Sach- und Fachinformationen, Unterhaltung und Spannung. Im Idealfall lernt man etwas dabei und wird für ein brisantes Thema sensibilisiert. Mir war es wichtig, über die skandalösen Vorgänge auf den Meeren zu berichten, und ich freue mich über jeden Leser, der auf diese Weise etwas Neues erfährt und sich daraufhin vielleicht sogar engagiert.“

(Fotos: Krimifestival München)

Lesungen · Moderation

On stage mit Stars

Jojo Moyes, Oliver Bottini, Nicole Krauss, Nicola Förg, Jens Henrik Jensen, Iny Lorentz… In den vergangenen Wochen stand ich wieder mit zahlreichen Bestsellerautoren auf der Bühne.

Die größte Halle füllte Jojo Moyes (links) – vor 600 Zuschauern im Kupfersaal Leipzig versicherte mir die Britin, dass sie immer auf dem Boden bleiben würde, trotz 31 Millionen verkaufter Bücher weltweit. Der Grund: „Ich hatte so viele Flops mit meinen früheren Romanen, das hat mich dankbar und realistisch gemacht.“

Große Ehre. Beim Stuttgarter Krimipreis, bei dem ich in der Jury bin, hielt ich die Laudatio auf Oliver Bottini und seinen aktuellen Roman „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“. Sein Krimi ist lehrreich, ohne belehrend zu sein, politisch ohne Propaganda zu verbreiten, spannend, ohne übermäßig zu dramatisieren. Nach der Verleihung plauderte ich mit Oliver Bottini, der ebenfalls ausgezeichneten Simone Buchholz und Wolfgang Schorlau. Ein Sofa-Gespräch auf höchstem Krimi-Niveau (Foto rechts).

Nicole Krauss („Waldes Dunkel“) kam aus Brooklyn und erzählte mir im Literaturhaus München, dass Literatur für sie eine Einladung an Leser sei, sich neuen Welten und Perspektiven zu öffnen: „Lesen und Schreiben erweitern den Horizont. Wir lernen in diesen Parallelwelten, uns selbst in einer anderen Sphäre zu erleben und uns besser kennenzulernen. Das hat eine spirituelle Dimension für mich. Fiktion und Fantasie sind mindestens so wichtig wie die Realität!“ Auf dem Foto links: Krauss mit Schauspielerin Sunnyi Melles, die deutsche Passagen aus „Waldes Dunkel“ las.

Bilder-/Kinderbuch · Buchbranche · Kinderbuch · Moderation

Kinderleseschlaraffenland

Wie schön, wie lustig: Gestern durfte ich mal wieder mit Kindern und für Kinder moderieren. Wie jedes Jahr zur Eröffnung der Münchner Bücherschau Junior. Ein wunderbares Lesefestival mit Kreativwerkstätten, Lesehütten, Illustrationsausstellunge, Schmökerinseln und jeder Menge Lesungen. 5.000 Medien von mehr als 100 Verlagen liegen, stehen und hängen in den Räumen im Münchner Stadtmuseum. „Neugierig auf die Welt“ lautet das Motto – und es ist toll zu sehen, wie neugierig sich Kinder und Jugendliche auf die Bücher stürzen. Es wird also noch gelesen. Sogar voller Begeisterung. Doch wir alle wissen: das Lesen ist trotzdem gefährdet. Umso wichtiger, dass es es Festivals wie dieses gibt, die Kinderleseschlaraffenländer erschaffen.Vielen Dank an die Organisatorinnen! Und an meine beiden Co-Moderatoren Emelie und Peer – ihr wart klasse!

Buchbranche · Lesungen · Moderation

Lockt Literatur nur die Alten?

Der historische Saal im Alten Rathaus Göttingen, vor ein paar Tagen. Ich sitze mit der türkischen Schriftstellerin und Journalistin Ece Temelkuran auf der Bühne. Wir diskutieren über Erdogan, Trump, inhaftierte Künstler, Populismus, die Einflussmöglichkeiten von Literatur und Temelkurans neuen Roman „Stumme Schwäne“ (Hoffmann und Campe). Eine Lesung, wie ich sie liebe: Aktuell, spannend, politisch, abwechslungsreich.

Im Publikum: überwiegend junge Leute, viele Studenten, höchstens zwanzig Prozent älter als 35 Jahre. Der beste Beweis, dass nicht nur Bildungsbürger 55 plus zu anspruchsvollen Lesungen kommen. Nicht dass ich etwas gegen ältere Zuschauer hätte (die außer bei Festivals tatsächlich oft die Mehrheit stellen) – aber es motiviert mich und alle Beteiligten, wenn sich auch literaturbegeisterter Nachwuchs zeigt. „Wow! Das war außergewöhnlich!“ meinte Ece Temelkuran, die sich bei ihren internationalen Auftritten manchmal wie auf einem Seniorentreff vorkommt. In der Türkei hat sie viele junge Fans, doch dort wird sie länger nicht mehr auftreten, aus Sicherheitsgründen. Die 43-jährige lebt inzwischen in Zagreb im Exil. Mein spannendes Interview mit Ece demnächst hier im Blog…

Ein dickes Dankeschön für diesen Abend an Anja Johannsen vom Literarischen Zentrum Göttingen und ihr Team!

Bilder-/Kinderbuch · Buchbranche · Moderation

Kinder! Literatur! Begeistert!

münchner bücherschau junior, stadtmuseum, günter keilDa sind sie: „Die Gedichter“! Fünf junge Poetry-Slammerinnen, die mit mir die 11. Münchner Bücherschau Junior eröffneten. Ein Buchfestival, das Kinder und Jugendliche begeistert. Eines, das mich darauf hoffen lässt, dass Literatur nie ausstirbt. Dass das Lesen uns auch in Zukunft ein bisschen sozialer, gebildeter, bunter und offener macht.

Wie wichtig es ist, das frühe Lesen zu fördern, zeigt auch der US-Präsident: Donald Trump saß als Kind nur vor der Glotze, liest heute noch nicht, versteht die Welt nicht, hat keine Empathie, agiert durchweg unsozial. Die Münchner Bücherschau Junior (noch bis 19. März im Stadtmuseum) wirkt genau andersrum: sie entführt Kinder und Jugendliche in fantastische und alltägliche Welten, erklärt ihnen das Leben, spielt und bastelt mit ihnen, regt sie an, baut sie auf. Für mich ist es eine große Freude, als Moderator dabei zu sein. Vielen Dank an Birgit Franz und ihr Team in München und alle anderen, die ähnliche Festivals organisieren!

Mehr Infos zum Programm hier.

Interview · Krimis & Thriller · Moderation

„Provinz“, ein Schimpfwort?

rita falk, günter keil, interview„Provinzkrimi“ steht auf den Eberhofer-Romanen von Rita Falk. Fünf Millionen Mal haben sie sich bis jetzt verkauft (aktuell: „Weißwurstconnection“). Vor 20 Jahren undenkbar – Provinz? Krimi? Fünf Millionen? Never ever. 

„Das hat sich total verändert – aber nicht für mich“ hat mir Rita Falk bei unserem Auftritt in Olpe (Foto) erzählt. „Ich fand es in der Provinz immer schon viel lebenswerter als in der Großstadt, und das Wort empfand ich grundsätzlich nicht als abwertend. Mich in eine U-Bahn quetschen oder im Stau auf Stadtautobahnen stehen zu müssen, ist für mich der Horror!“ Die 52-jährige hat aus ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen Provinzkrimis gebastlelt – ihre Oma war tatsächlich ein bisschen so wie die Oma in den Büchern, und ihr Ehemann war 30 Jahre lang Streifenpolizist wie ihre Hauptfigur Franz Eberhofer. „Meinen Erfolg habe ich der Provinz zu verdanken!“ sagt Falk und lacht. „Und ich werde auch nie mehr vom Land wegziehen!“ Ganz egal, wie man über Provinzkrimis denkt: Dass aus dem Schimpfwort ein Markenzeichen geworden ist, beeindruckt.

Über mich

Worauf ich mich 2017 freue

eceWann? Wo? Wie? Als Freiberufler weiß ich nie genau, wie sich ein neues Jahr entwickeln wird. Es gibt Phasen, in denen ich rund um die Uhr schreibe, interviewe, recherchiere, moderiere. Unterbrochen von Phasen, in denen ich Luft hole, nachdenke, plane, neue Projekte starte – und hoffe, dass es bald wieder richtig los geht.

Für 2017 steht jetzt schon fest: Ich werde in den nächsten Monaten mit vielen großartigen Autoren auf der Bühne stehen. Simon Beckett, Sebastian Fitzek, Rita Falk, Marc Elsberg, Michael Tsokos, Nicola Föhr, Petra Oelker, Tilman Röhrig, Michael Lösch – und, besonders spannend: Mira Magén aus Israel, Ece Temelkuran aus der Türkei (siehe Foto von unserer Lesung in Frankfurt 2015). Außerdem moderiere ich die Eröffnung der Münchner Bücherschau junior. Zu Interviews treffe ich u.a. Jussi Adler-Olsen und Georg M. Oswald – beide veröffentlichen im März ihre neuen Romane.

Natürlich schreibe ich auch weiter für zahlreiche Medien, und ich bin seit Anfang des Jahres wieder verantwortlich für die Buchseite des Playboy. In der aktuellen Ausgabe rezensiere ich dort T.C. Boyle, Michael Connelly, Fil Tägert und Dennis Lehane. Damit auch in Männermagazinen die Literatur lebt!