Bilder-/Kinderbuch · Literaturblog

Literatur = Integration

lesen, integration, literatur, blog, günter keil Vor ein paar Monaten lebte Aram noch in einem Flüchtlings- lager. Und vor zwei Jahren im Irak. Jetzt hat seine Familie eine Wohnung in München. Und sie lernt fleißig Deutsch.

Warum ich mit Aram auf dem Sofa sitze? Weil ich in den Sommerferien jede Woche eine Stunde mit ihm lese – damit sein Deutsch bis zum Schulbeginn nicht einrostet. Für mich eine wunderbare ehrenamtliche Aufgabe: Mit dazu beizutragen, wie sich Literatur in Integration verwandelt. Das kann ich auch allen AfD- und CSU- Sympathisanten empfehlen: Wenn ihr euch so sehr sorgt, dass Flüchtlinge sich nicht integrieren, dann helft doch einfach mit, dass es gar nicht dazu kommt. Ihr werdet sehen: es macht Spaß.

Und was sind Arams Lieblingsbücher? Alle, in denen Piraten, Autos und Fußball eine Rolle spielen – klingt schon ziemlich deutsch. Oder universell, ganz wie man es nimmt. Zum Vorlesen kam ich übrigens nicht zufällig – schon seit ein paar Jahren bin ich aktiv bei den Lesefüchsen. Dieser gemeinnützige Verein organisiert bundesweit Lesestunden.

Bilder-/Kinderbuch · Buchbranche · Moderation

Kinder! Literatur! Begeistert!

münchner bücherschau junior, stadtmuseum, günter keilDa sind sie: „Die Gedichter“! Fünf junge Poetry-Slammerinnen, die mit mir die 11. Münchner Bücherschau Junior eröffneten. Ein Buchfestival, das Kinder und Jugendliche begeistert. Eines, das mich darauf hoffen lässt, dass Literatur nie ausstirbt. Dass das Lesen uns auch in Zukunft ein bisschen sozialer, gebildeter, bunter und offener macht.

Wie wichtig es ist, das frühe Lesen zu fördern, zeigt auch der US-Präsident: Donald Trump saß als Kind nur vor der Glotze, liest heute noch nicht, versteht die Welt nicht, hat keine Empathie, agiert durchweg unsozial. Die Münchner Bücherschau Junior (noch bis 19. März im Stadtmuseum) wirkt genau andersrum: sie entführt Kinder und Jugendliche in fantastische und alltägliche Welten, erklärt ihnen das Leben, spielt und bastelt mit ihnen, regt sie an, baut sie auf. Für mich ist es eine große Freude, als Moderator dabei zu sein. Vielen Dank an Birgit Franz und ihr Team in München und alle anderen, die ähnliche Festivals organisieren!

Mehr Infos zum Programm hier.

Bilder-/Kinderbuch · Neuerscheinung · Rezension

Warum Mauritius in die Tiefsee flüchtet

ulrich fasshauer, das u-boot-auf dem berg, rezension, günter keil, literaturblog Sein Name: Mauritius. Seine Leidenschaft: Fische.

Sein Beziehungsstatus: Verliebt in Mieke. Sein Spitzname: Blobfisch. Seine Traumwelt: Die Tiefsee.

Tja, Mauritius hat´s nicht leicht. Die schüchterne Hauptfigur aus dem wunderbaren Kinderroman „Das U-Boot auf dem Berg“ (Tulipan, ab 10 Jahren) von Ulrich Fasshauer flüchtet in ihre Traumwelt unter Wasser. Dort in der Tiefsee wird aus einer 5 im Zeugnis eine ganz normale Zahl. In der Realität ist das nicht ganz so einfach – außer für Mauritius´ Onkel Christoph, der bei seiner Familie einzieht. Der tätowierte Mann pfeift auf Regeln und zeigt Mauritius, wie man Spaß im Leben hat. Und siehe da: Zum Geburtstag bekommt der fisch-verrückte Mauritius ein U-Boot. Ulrich Fasshauer hat eine herrlich originelle und empathische Geschichte geschrieben – einerseits klassisch, da aus einem Außenseiter ein Held wird. Andererseits ungewöhnlich, da Fasshauers Sprache deutlich über dem Mainstream liegt. Er gibt Mauritius eine Stimme, die von unwiderstehlich leichter Tiefe getragen wird.

Bilder-/Kinderbuch · Neuerscheinung · Rezension

Vorsicht! Hier kommt Oma!

Hier kommt Oma, Stefan Boonen, Melvin, Rezension, Literaturblog, Günter KeilNanu? Ein Bilderbuch? Im Literaturblog? Selbstverständlich. Ein- oder zweimal pro Jahr picke ich ein besonders gelungenes Kinderbuch heraus. Diesmal warne ich: Diese Geschichte rumpelt, knallt, stinkt. Ist wild und würzig. Laut und lustig. Ich bin begeistert von „Hier kommt Oma“ (Arena) von Stefan Boonen mit Illustrationen von Melvin.

Die Hauptfigur ist mutiger und verspielter als alle Kinder. Sie macht Blödsinn und pfeift auf Verbote. So eine Großmutter hat die Kinderbuchwelt noch nicht gesehen. Und die Realität erst recht nicht. Ihre zehn Enkel holt die verrückte Oma mit ihrem Klapperbus ab. Dann fährt sie die muntere Bande tief in den Wald, zum Haus des Riesen, in dem sie wohnen wird. Dass die Kinder rülpsen, furzen, schnarchen oder in der Nase popeln, stört Oma überhaupt nicht. Mit Wucht und Lebensfreude sucht die aus dem Niederländischen übersetzte Geschichte den direkten Weg in Kinderherzen. Und findet sie. Die Abenteuer im Wald zeigen Oma & Kids beim Feuertanz, bei der Suche nach dem Waldschwein, beim Sprung vom Wackelbaum. In einer orange-blau illustrierten Welt.

Ab und zu greift Stefan Boonen zur Comicsprache, um den Partycharakter seines Buches zu unterstreichen. Leise Szenen federn Omas enorme Energie ab. „Hier kommt Oma“ ist ein lautes, anarchisches Plädoyer für Freiheit und Freude. Doch hinter seiner grellen Fassade überzeugt es auch mit einem liebe- und verständnisvollen Ton.

Kinderbuch · Neuerscheinung · Rezension

Unterwegs mit den Superhelden

superBieder, langweilig, lehrreich: Bücher für so genannte Erstleser (6-7-Jährige) sind oft zum Gähnen. Weil sie vor allem pädagogisch wertvoll sein wollen. Das kann man aber auch anders: frecher, frischer, moderner. Wie in „Die Superhelden und der blaue Honk“, soeben im Tulipan Verlag erschienen. In dieser kurzen Geschichte erzählt Autorin Sylvia Heinlein ganz locker und sehr witzig von drei Jungs. Und drei Superhelden. Und einem Comicladen. Und dem blauen Honk. Und von einem spannenden Abenteuer. Und… ach, man muss dieses liebenswert-schräge Buch einfach mögen. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht jeder Oma pädagogisch wertvoll erscheint. Zu Heinleins wunderbar entspanntem Plauderton passen die knallbunten, lustigen Illustrationen von Sabine Wiemers. Ein Buch, das Spaß macht. In dem auch Erwachsenen noch etwas lernen können, etwa: „Wenn Superhelden nicht ständig etwas Spannendes zu tun haben, werden sie quengelig“ oder „Wenn man Pizza isst, kann man besonders gut nachdenken“. Gut, das wir das jetzt endlich wissen!

Kinderbuch · Rezension

Traurig sein macht glücklich

UnknownDas kleine Mädchen ist traurig. So unendlich traurig, dass sich über ihr eine Regenwolke bildet, aus der es pausenlos schüttet. Das ist die Grundkonstellation von „Das Regenmädchen“ (Pattloch), einem wunderbaren neuen Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren. Johanna Lindemann wagt sich damit an ein wichtiges Thema, das in Kinderbüchern oft zu einfach und schnell aufgelöst wird: das Traurigsein. Lucie Göpfert, eine für ihre schrägen, fantasievollen Figuren bekannte Illustratorin aus Halle, zeigt die Hauptfigur mit tiefdunklen Haaren und dunklem Kleid. Doch ihre Bäckchen sind rosa, auf dem Kleid fliegen weiße Wolken umher – und man spürt, dass das Mädchen eine starke Persönlichkeit besitzt. Das Regenmädchen wird berühmt, und es fliegt nach Afrika. Über dem Flugzeug schwebt eine Regenwolke. Bei ihrer Ankunft wird die Traurige herzlich begrüßt, schließlich sorgt sie für Regen. Johanna Lindemann gelingt das Kunststück, mit der Traurigkeit eine positive Entwicklung zu verbinden. Insofern ist „Das Regenmädchen“ ein wertvolles Buch in einer Zeit, in der permanent vermittelt wird, dass jeder gut drauf sein soll. Lucie Göpferts unkonventionelle Illustrationen machen die Geschichte zu einem optischen Erlebnis: ihr bunter, liebevoller Blick auf die Welt des Regenmädchens ist einmalig.