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jussi adler-olsen, selfies, interview, günter keil, literaturblogZwei Jahre Pause, das gab es bei Jussi Adler-Olsen noch nie. Nun erscheint „Selfies“ (dtv), der siebte Fall für den Kopenhagener Polizisten Carl Mørck und seine Sondereinheit Q. Ich habe Adler-Olsen, dessen Bücher in 40 Ländern erscheinen, interviewt – hier Auszüge unseres Gesprächs:

In Ihrem neuen Buch spielt ein Selfie eine entscheidende Rolle bei einer Mordermittlung. Basiert dies auf einem wahren Fall? In gewisser Weise schon. Vor ein paar Jahren habe ich mit einer Anwältin gesprochen, die für das Kopenhagener Stadtparlament arbeitete. Sie war frustriert und verärgert, da sie bei ihrer Arbeit zunehmend mit absurden Situationen konfrontiert wurde, gegen die sie nichts unternehmen konnte. Schuld daran waren die starren Regeln, die an die Vergabe von Fördermitteln geknüpft sind. Aus dem, was mir diese Anwältin erzählte, entwickelte ich den Fall, in den meine Figur Anne-Li verwickelt wird. Mehr kann ich leider nicht verraten – außer, dass ein Selfie die entscheidende Wendung bringt.

Vor zehn Jahren erschien in Dänemark Ihr erster Thriller mit Carl Mørck. Wie hat sich die Beziehung zu Ihrer Hauptfigur verändert? Carl ist seitdem immer bei mir. Ich werde diesen Typen einfach nicht mehr los! Er hat sich in diesen zehn Jahren schon verändert, aber nicht in einer Weise, die mich überrascht hätte. Eigentlich haben wir uns beide ziemlich ähnlich weiterentwickelt, sind älter und weiser geworden. (Lacht) Und wir sind immer noch dicke Freunde!

An Ihren Romanen fällt auf, dass Sie viele weibliche Nebenfiguren einsetzen. Ihr Ermittler Carl Mørck muss sich diesmal gleich mit einer ganzen Clique junger Frauen auseinandersetzen. Was reizt Sie an Protagonistinnen? Frauen sind grundsätzlich interessanter, und ich schreibe tatsächlich lieber über sie. Männer tendieren dazu, sehr konstant und vorhersehbar in allem zu sein was sie tun. Frauen sind dagegen eher schwieriger einzuschätzen und man weiß nie wirklich genau, was sie als nächstes tun. Genau das ist der springende Punkt, der das Schreiben über Frauen so ergiebig macht: Je unvorhersehbarer die Situation ist, desto mehr Drama entsteht.

Sie sind mit drei älteren Schwestern aufgewachsen. Hat Ihnen das bei „Selfies“ besonders geholfen? Ich habe ganz sicher sehr viel von meinen Schwestern gelernt, und mein frühes Wissen über Frauen habe ich schon öfter in meinen Romanen verwendet. Die Clique mit Michelle, Denise und Jazmine, über die ich in „Selfies“ schreibe, ist allerdings ganz anders als meine Schwestern. Das sind schrille Mädchen, die von Sozialhilfe leben und sich gerne im Reality TV zeigen. Und genau dort habe ich über sie recherchiert.

jussiFast schon unheimlich, dieser Erfolg: Jussi Adler-Olsen steht wieder auf Platz 1 der Bestsellerlisten – mit „Verheißung“ (dtv), seinem neuen Thriller. Allein in Deutschland hat der 64jährige mehr als fünf Millionen Bücher verkauft – hier Auszüge aus unserem Gespräch:

In Ihrem neuen Roman passieren Verbrechen in einer transzendentalen Organisation. Haben Sie sich durch eigene Erfahrungen zu diesem Plot inspirieren lassen? Nein. Meine einzige Verbindung zur esoterischen Szene besteht darin, ihr im Fernsehen zuzugucken.

Wie meinen Sie das? Mehrere Monate pro Jahr lebe ich mit meiner Frau in Barcelona. In unserer dortigen Wohnung können wir keine anspruchsvollen Programme empfangen, vor allem spät abends und nachts nicht. Also gucke ich manchmal schrägen Moderatoren zu, die Tarotkarten legen und ihren Zuschauern sofortige Heilung versprechen. Auch Schamanen, Pendelexperten und viele andere esoterische Anbieter treten auf. Um drei Uhr nachts glauben die Leute alles.

Sie nicht? Nein. Aber ich mache mich darüber nicht lustig. Ich respektiere, dass einsame oder kranke Menschen Hilfe suchen und einen vielleicht speziellen Glauben entwickeln. Wenn dieser ihnen Entlastung bringt, ist das völlig okay. Mein neuer Roman soll keinesfalls die spirituelle Szene pauschal in ein schlechtes Licht rücken. Ich beschreibe darin allerdings, wie sinnsuchende Leute mit esoterischen Telefonhotlines abgezockt werden.

In „Verheißung“ kommt außerdem ein Guru vor, der auf ziemlich brutale Weise seine Macht missbraucht. Stimmt – ich habe ja schon öfter über Machtmissbrauch geschrieben: beim Militär, in der Politik, unter Ärzten, in Heimen. Wer seine Macht dazu nutzt, um Schwächere zu demütigen oder egoistische Ziele zu verfolgen, den verachte ich. Seitdem Spiritualität ein so großes Geschäft geworden ist, gibt es natürlich auch dort schwarze Schafe. Besonders perfide am Machtmissbrauch im Esoterik-Umfeld ist, dass Menschen darunter leiden, die sowieso schon schwach sind. Sie hoffen darauf, dass sich etwas in ihrem Leben ändert und vertrauen sich anderen an – und genau dann werden sie auch noch ausgenutzt.

In Ihrem Buch trifft es vor allem Frauen. Lassen sich Männer nicht so leicht von charismatischen Gurus blenden? Ich glaube nicht, dass Frauen leichtgläubiger sind. Allerdings stehen sie meist viel mehr zu ihren Schwächen und sind eher bereit, daran zu arbeiten. Die meisten Männer schämen sich davor, im Kreis einer Gruppe von ihren Problemen zu sprechen. Auch aus diesem Grund stellen Frauen die große Mehrheit der Teilnehmer spiritueller Kurse. Das macht sie häufiger zu Opfern.

Wie gehen Sie mit Ihrer eigenen Macht als Bestsellerautor um? Ich mag Macht, wenn sie gut gehandhabt wird. Macht ist sogar sehr wichtig, um die Welt in einem positiven Sinne zu verändern. Ich selbst genieße den Einfluss, den ich habe und gehe sehr verantwortungsvoll damit um. Meinen Lesern versuche ich immer auf Augenhöhe zu begegnen; ich bin nicht besser als sie, und ich bin kein Blender.

jussiDer dänische Thriller-Superstar Jussi Adler-Olsen ist ein Phänomen: er hat innerhalb weniger Jahre mehr als 4 Millionen Bücher in Deutschland verkauft und steht heute auf Platz 5 der SPIEGEL-Bestsellerliste („Das Washington Dekret„). Was nur wenige über ihn wissen: Adler-Olsen ist ein echter Frauen-Experte. Das hat er mir bei unserem Interview (siehe Foto) erzählt. Hier ein kleiner Auszug:

 Machen Ihnen Frauen ab und zu Angst? Es ist zwar gefährlich und dumm, keine Angst vor Frauen zu haben, aber ich habe trotzdem keine. Das liegt wohl daran, dass ich alles über Frauen weiß.               Wie bitte? Das ist nicht Ihr Ernst. Doch. Ich bin mit drei älteren Schwestern aufgewachsen. Die Jüngste ist vier Jähre älter als ich, die größte 14 Jahre. Ich habe ich zugehört, wenn sie über Menstruationsprobleme und Zungenküsse sprachen. Ich sah zu, wie sie neue BHs und Slips ausprobierten oder Parfüms testeten. Manchmal habe ich mehr erfahren, als ich wollte.                             In Ihren Büchern werden Frauen nicht selten gedemütigt. Ihre Form von Rache?                     Nein, ich liebe Frauen! Meine Frauenfiguren müssen zwar manchmal leiden, aber dann nehmen sie ihr Leben in die Hand und lassen es nicht zu, dass sie länger unterdrückt werden, vor allem von Männern. Das möchte ich zeigen – und wie stark Frauen sein können.