Heimat. Flucht. Sprache: Stanišić

„Dass ich heute mit Sprache arbeiten, dass ich literarisch schreiben kann, ist ein Privileg. Ich weiß noch, wie es sich anfühlt, für etwas keine Sprache zu haben.“

Saša Stanišić hat seine Heimat Jugoslawien verloren. In „Herkunft“ (Luchterhand) schreibt er darüber, wie das war. Als aus Nachbarn plötzlich Feinde wurden, 1992, und als er nach Deutschland kam. Erst nach Heidelberg, später Hamburg. Ohne die richtige Sprache. Ohne Ahnung von der deutschen Gründlichkeit. Stanišić erzählt davon, wie schwierig es mit seinem Namen war, eine Mietwohnung zu bekommen – und wie leicht, nachdem er mit Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Er blickt aber auch weiter zurück, in seine Kindheit in einer kleinen Stadt am Fluss Drina. Stanišić zählt auf, was er dort hatte:

„Eine Sammlung von Katzenaugen, abgeschraubt von Autokennzeichen. Das einzige Mal geschlagen worden von den Eltern deswegen. Eine Großmutter, die mir das Alphabet der Nierenbohnen beherrschte und die mir riet, dass ich mich an Worte halten sollte, ein Leben lang, dann werde zwar trotzdem nicht alles gutgehen, aber einiges lasse sich besser ertragen.“

Das besondere an diesem Buch ist seine Vielseitigkeit und Genauigkeit. Sein Blick für skurrile Momente und liebevolle Verwandte. Und die Abwesenheit von Wut, Rechtfertigung oder einer Abrechnung. Stanišić erzählt persönlich und bewegend, spielerisch und künstlerisch. Er ist nicht auf Pointen fixiert wie Wladimir Kaminer, sondern hat den Mut, ambivalente Erinnerungen stehen zu lassen, sozialistische Lieder zu zitieren, stille und laute Familienmomente zu beschreiben. Und gleichzeitig nie oberflächlich zu sein.

Mit der deutschen Sprache arbeiten, das kann der heute 41-jährige nun schon lange. Sogar um einiges besser als so mancher Muttersprachler. „Herkunft“ versammelt Geschichten, die den Weg von einem Sprach- und Lebensraum zum nächsten verdeutlichen. Vom Abschied und Anfang.

Fantasievolle Wundertütenliteratur

Das hier ist Kunst. Keine gut gemachte Unterhaltung, sondern noch besser gemachte Literatur.

Eine einzigartige Erzählung. 218 Seiten kurz. Wunderschön und verstörend. Still und schillernd. Aufregend und unberechenbar. Nachdenklich und intelligent. So ähnlich wie schon Max Porters Debüt „Trauer ist das Ding mit Federn“, und doch anders.

„Lanny“ (Kein und Aber) handelt von zwei Sonderlingen in einem englischen Dorf. Lanny, ein Junge, der lieber allein im Wald spielt als mit Freunden, und Pete, ein einst erfolgreicher Künstler, der Lanny das Zeichnen beibringt. Max Porter erzählt aus verschiedenen Perspektiven von dieser Verbindung, dieser Freundschaft, die dem Erkunden der Natur, dem Erkennen von Farben und Gerüchen, dem Leben jenseits von Konsum, Medien und Gruppenzwang dient. Das wirkt verdächtig auf die Dorfbewohner. Lannys Eltern und Lehrer machen sich Sorgen ums Kindeswohl, und als der Junge eines Tages verschwunden ist, bricht Panik aus.

Mit unheimlicher Ruhe und Mut fürs Unkonventionelle fängt Max Porter den Zauber einer Freundschaft ein. Zwischendurch gestattet der 37-jährige einer lauten, archaischen Figur diverse Auftritte: Altvater Schuppenwurz, ein Waldwesen und ein Symbol für die Ängste und Hoffnungen, die in den Menschen schlummern. Er schleudert seine Halbsätze mitten in den Roman – nun, und jetzt ist klar, warum ich diesen Post „Fantasievolle Wundertütenliteratur“ genannt habe, oder?

Im ICE

„Mietskasernen, Kriegerdenkmäler. Kreisverkehre. Rehe.“

Das ist die Welt draußen, hinter Glas. Drinnen, im ICE, eine ältere Frau. Sie lebt in Zügen. Mit einer Bahncard 100, einer Tasche mit dem Nötigsten. Albrecht Selge nimmt in „Fliegen“ (Rowohlt) den besonderen Blick der Bahnfrau auf, und er sieht mit ihr auf Deutschland. Auf Freundlichkeit und Feindseligkeit.

Dabei ist eine rasante literarische Reise ohne Ziel herausgekommen, ein fliegender, funkelnder Roman. Kurz und prägnant, voller schneller Eindrücke, genauer Beobachtungen. Momentaufnahmen einer Außenseiterin, die immer mittendrin sitzt im Großraumabteil. Fährt sie ihrem Leben davon? Oder hinterher? Sieht sie mehr von der Welt, von sich, als wir? Diese Fragen stellt man sich beim Lesen, denn Albrecht Selge wertet nicht. Er zeigt sie nur, die Frau, die früher einmal eine Wohnung hatte, einen Beruf, einen Mann. Die Frau, die sich abgrenzt und gelegentlich ausgegrenzt wird. Sie schaut hinaus in die Landschaft, und hinaus ins eigene Leben, und es ist faszinierend, mit ihr zu reisen.

„Auf einmal das ganze Großraumabteil am Kauen, lauter Wiederkäuer auf einer Zugweide.“

Mitreißendes Psycho-Rätsel

„Ich hatte ein Rätsel gelöst, nur um gleich auf das nächste zu stoßen.“

Eugene Chirovici hat es schon einmal getan: Seine Leser in eine mysteriöse Dreiecksgeschichte gestoßen, in ein brillantes literarisches Rätsel. „Das Buch der Spiegel“ hieß der raffinierte Roman von 2017, und Chirovicis neues Werk, „Das Echo der Wahrheit“ (Goldmann), orientiert sich vom Aufbau eindeutig daran.

Ich-Erzähler ist der New Yorker Psychiater Dr. James Cobb. Er wird von einem reichen Mann, Josh Fleischer, um eine Privatbehandlung mit Hypnose gebeten. Der Grund: Fleischer möchte endlich wissen, was in einer verhängnisvollen Nacht des Jahres 1976 passiert ist. Fleischer war damals als Student mit seinem Kumpel Abe und seiner Freundin Simone in einem Hotelzimmer in Paris; am nächsten Morgen lag Simone tot in der Badewanne, und Abe war verschwunden. Panisch flüchtete Fleischer aus Paris, und seitdem quälen die unvollständigen Erinnerungen den Millionär.

Also versetzt Cobb Fleischer in Trance, mehrfach und intensiv. Das Protokoll der Hypnosesitzungen gestaltet Eugene Chirovici so mitreißend und rätselhaft, dass man als Leser selbst vom Ermittlungsfieber gepackt wird. Auch Cobb, der Psychiater, will endlich Klarheit über die Nacht. Doch die Sachlage wird immer komplizierter. Cobb befragt Freunde und Bekannte von Fleischer und Abe, und immer neue Versionen der Nacht tauchen auf. Nichts ist gewiss. Und alles ist möglich. Das macht diesen Roman so ungeheuer spannend, obwohl nichts passiert.

„Unser Bewusstsein agiert wie ein Regisseur, schneidet Szenen aus seinem Film, wie es ihm gefällt, und verbindet andere miteinander, um ihnen einen bestimmten Sinn zu verleihen.“

Eugene Chirovici bestätigt seinen Ruf als Meister der doppelbödigen Dreiecksgeschichte. Ach was: Drei-, vier-, fünfbödig ist sie. Ein erstaunlicher Roman über fehlerhafte Wahrnehmungen, halluzinatorische Verzerrungen und irrtümliche Überzeugungen – kurz: über unsere Psyche und unser Gedächtnis.

 

New York, 1978

„Kann die Vergangenheit als Versteck für die Gegenwart dienen? Ist dieses Buch, das Sie gerade lesen, meine Suche nach einem Ziel, das Damals heißt?“

Berechtigte Frage, Siri Hustvedt. Denn in „Damals“ (Rowohlt) erkundet die große Schriftstellerin ein entscheidendes Jahr ihres eigenen Lebens. Es ist 1978, als die 28-jährige S.H., wie sie sich im Buch nennt, aus der Provinz nach New York kommt. Auf einer literarischen Mission: Denn die junge Frau will ihr erstes Buch schreiben, einen Krimi. Was gar nicht so leicht ist in dieser lauten, heißen, fremden, faszinierenden Stadt.

Um das Ankommen und Fußfassen auf besondere Art einzufangen, wählt Hustvedt einen bewährten Trick: Sie erzählt von ihrem früheren Selbst aus der Perspektive einer 61-jährigen Schriftstellerin (in der Realität ist sie 63), die ihre alten Tagebücher liest und staunt. Über ihre Begeisterung, ihren Ehrgeiz, ihre zahlreichen Liebhaber, durchgetanzte Nächte und – vor allem – über eine laute Nachbarin. Lucy Brite heißt sie, und durch die dünnen Wände ihres schäbigen Apartments hört S.H. sie von mysteriösen, gefährlichen Dingen sprechen.

Elegant gleitet Siri Hustvedt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und der Romanhandlung des damals geplanten Krimis. Sie lädt ihre Leser auf eine abwechslungsreiche Reise zurück ein. Hustvedt sinniert zudem klug übers Erinnern und Älterwerden. Dass dabei auch Marcel Duchamp, Sherlock Holmes, Donald Trump und Masturbationsfantasien eine Rolle spielen, steigert den gehobenen Unterhaltungsfaktor zusätzlich. Ebenso wie eigene Zeichnungen der Schriftstellerin. Dass Hustvedts Prosa bisweilen etwas ausufernd und langatmig daherkommt, verzeiht man ihr gerne.

„Wir alle sind von Wünschen beseelte Geschöpfe, die auch rückwärts wünschen, nicht nur vorwärts, und dadurch die seltsame, bröckelnde Architektur des Gedächtnisses in leichter bewohnbare Stätten umbauen.“

 

Ein wirklich erstaunliches Ding

Das ist eines der besten Romandebüts der vergangenen Jahre. Der erfolgreiche Vlogger und Youtuber Hank Green legt mit „Ein wirklich erstaunliches Ding“ (dtv bold) ein – jawohl! – wirklich erstaunliches Ding vor. Eine furiose, flinke, spannende Geschichte über die Chancen und Risiken des Internets, übers plötzliche Berühmtwerden und das Lebensgefühl der Digital Natives.

Im Mittelpunkt steht die 23-jährige Grafikdesignerin April May. Die New Yorkerin wird über Nacht zum Star, weil sie mit ihrem besten Freund Andy ein Video dreht und ins Netz stellt. Darauf zu sehen: April, wie sie eine mysteriöse, riesige Roboter-Skulptur zeigt, die einfach so in Manhattan herumsteht. April nennt das Ding Carl. Am nächsten Tag berichten die Medien, dass in 64 weiteren Städten auf allen Kontinenten ein Carl steht. Niemand weiß, warum. Und die Carls tun nichts anderes als anwesend zu sein. Da April als Carl-Expertin gilt, stürzen sich die Medien auf sie, und ihr Video wird das meistgeklickte aller Zeiten.

In hohem Tempo und in kreativer Sprache erzählt Hank Green von den medialen Turbulenzen rund um die Carls. Und von Aprils neuem Leben als Promi. Die junge Frau erlebt das Interesse an ihrer Person wie einen Rausch, und sie stürzt sich mit Freude in die Social-Media-Welt. April postet auf allen Kanälen, wird zum gefragten Talkshowgast, veröffentlicht ein Buch, genießt Ruhm und Geld. Doch ihre These, dass die Carls friedliche Botschafter aus einer anderen Welt sind, wird zunehmend in Frage gestellt. Blogger und Youtuber verbreiten Hass und schüren Angst vor den Carls, und die persönlichen Angriffe auf April im Netz nehmen zu.

Hank Green dreht seinen Plot im letzten Drittel gelegentlich ins Absurde, und er streut Rätsel und Rankings in seine dennoch überwiegend glaubhafte Geschichte. Hinter der lässigen Plauderfassade steckt ein intelligenter, reflektierter Blick auf die Radikalisierung im Internet sowie die emotionalen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen der sozialen Medien. „Ein wirklich erstaunliches Ding“ ist ein moderner Abenteuerroman, den man auch als Parabel auf Fremdenhass und als Mediensatire lesen kann. Fantasievoll, schnell und originell. Ein umwerfendes Debüt.

Gegen die Gier

Es gibt sie also doch. Mainstream-Thriller, die brisante aktuelle Themen aufgreifen und tatsächlich Denkanstöße liefern können. „Gier“ (Blanvalet) von Marc Elsberg ist das beste Beispiel. Der österreichische Bestsellerautor, bekannt geworden mit seinen Longsellern „Zero“ und „Blackout“, widmet sich nun der Schere zwischen Arm und Reich und einem neuen Wirtschaftsmodell.

Das Szenario: Auf dem Höhepunkt einer neuen Weltwirtschaftskrise demonstrieren in Berlin hunderttausende Menschen gegen Sozialkürzungen und die Macht der Konzerne. Parallel trifft sich die Politik- und Finanzelite zu einem Sondergipfel auf Schloss Charlottenburg. Doch einer der dort vorgesehenen Redner wird auf dem Weg zum Galadinner ermordet: Nobelpreisträger Herbert Thompson. Wie sich herausstellt, hatte er mit einem Kollegen eine mathematische Formel gefunden, mit der Wohlstand für alle möglich ist. Das Brisante daran: Das daraus abgeleitete Wirtschaftsmodell baut nicht auf Egoismus und Konkurrenz, sondern auf Kooperation und Solidarität. Kein Wunder, dass mächtige Kreise Thompsons Rede verhindern wollten. Nach dem Mord beginnt die Jagd auf die verschwundenen Dokumente.

In seinen rasanten Ökonomie-Thriller packt Marc Elsberg eine Barschlägerei, eine Flucht über die Dächer Berlins, mehrere Verfolgungsjagden – und jede Menge Infos über die neue Formel, die auf dem realen Kelly-Kriterium basiert, schon heute oft Grundlage für Investmentstrategien. „Gier“ liefert einen längst fälligen Denkanstoß, unser angeblich alternativloses Wirtschaftssystem in Frage zu stellen.

Lieben und Leiden

Schon die ersten zwei Sätze zeigen, worauf Julian Barnes in seinem neuen Roman „Die einzige Geschichte“ (Kiepenheuer & Witsch) hinaus will:

„Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.“

Um diese Frage beantworten zu können, erzählt Barnes Protagonist Paul die Geschichte seiner ersten Liebe. Paul ist inzwischen 70 Jahre alt, und er blickt zurück. Beschwingt, voller Zärtlichkeit und Begeisterung schildert er, wie er sich als 19-jähriger in die Beziehung mit der 48-jährigen Susan stürzt.

„Ich lieferte mich der ersten Liebe einfach in all ihren Erscheinungsformen aus, von Schmetterlingsküssen bis hin zum Absolutismus. Alles andere zählte nicht.“

Doch bestimmt die Stärke des Gefühls das Ausmaß des Glücks? Das fragt sich Paul viele Jahre später. Julian Barnes ist ein großartiger Erzähler, der weiß, wie man Neugier weckt und stillt, wie man Identifikation mit Figuren herstellt, wie man zum Nachdenken anregt, zu Tränen rührt. Letzteres geschieht im zweiten Teil häufig, denn die Liebe zwischen Paul und Susan gerät in Gefahr. Durch Alkohol. Durch die Unmöglichkeit, das Leben im Gleichgewicht zu halten. Durch Mut und Feigheit. Durch die Traurigkeit des Lebens. Von alldem erzählt Barnes klug und reflektierend, rührend und realistisch.

In „Die einzige Geschichte“ wird sich jeder wieder erkennen, der schon einmal von der Liebe herumgewirbelt worden ist. Es ist ein feinsinniges Buch darüber, „…was es bedeutet, wenn einem das Herz bricht, und wie genau ein Herz bricht, und was dann noch davon übrig ist.“

Philosophische Beziehungsbetrachtungen rund um die Frage, wie uns die eine Liebe für den Rest des Lebens prägt. Ein Meisterwerk.

Cowboy vs. Model

Ein zugemüllter Pick-up rumpelt durch die kalifornische Provinz. Am Steuer: Charles, ein wortkarger Detektiv, fast ein Cowboy. Neben ihm: Phoebe, eine launische Journalistin, fast ein Model. Das explosive Paar aus Jonathan Lethems „Der wilde Detektiv“ (Tropen) sucht auf seinem Road-Trip eine vermisste junge Frau. Und es kommt sich selbst gefährlich nah, trotz aller Widersprüche.

„Ich sah uns als zwei Kontinente, aneinander angrenzend, aber innerlich einsam. Aber hey, trotz alledem war es nicht schlecht.“

Der vielfach ausgezeichnete Jonathan Lethem hat einen lässigen Roman im Stile Raymond Chandlers geschrieben, komplett aus Phoebes Perspektive. Ein Mix aus wildem Western und origineller Lovestory, kreativ formuliert, mit umwerfenden Metaphern:

„Das Wüstengestrüpp tüpfelte den staubigen, geschundenen Boden mit der Kraftlosigkeit von Achselhöhlengrün oder Teenagerschamhaaren.“

Unterwegs im Pick-up, versuchen Charles und Phoebe der aggressiven Donald-Trump-Stimmung zu entkommen. Tatsächlich treffen sie auf Gleichgesinnte: Freaks und Aussteiger, die sich vor der derzeitigen USA verstecken. In Tunnels, auf Bergen, in der Wüste. Ein lakonisch erzählter, präzise beobachteter Roman, so stimmungsvoll wie ein David-Lynch-Film.

Der alte Psychiater

„Jahre der Übung halfen mir, an den richtigen Stellen zu brummen, ohne tatsächlich zuzuhören.“

Ein alter Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Noch 5 Monate, 22 Wochen, 800 Gespräche. Dann ist Schluss, endlich. Und bis dahin tut er eben nur so, als höre er seinen Patienten zu. Eigentlich unverschämt, was sich die Hauptfigur in Anne Cathrine Bomanns kurzem Roman „Agathe“ (Hanser Blau) leistet. Doch man verzeiht dem alten Franzosen, der weder Freunde noch Verwandte hat. Der Psychiater hakt gedankenversunken und von Angst vor der Einsamkeit, dem Tod, seine Tage ab. Ohne Freude am Leben, ohne Anteilnahme an den Schicksalen seiner Patienten.

Bis eines Tages eine seltsame Deutsche auf seinem grünen Diwan sitzt. Die angeblich selbstmordgefährdete, herb wirkende Frau weckt langsam das Interesse des Psychiaters. Er hört ihr fasziniert zu, genießt den Duft ihres Parfums (nach Äpfeln mit Zimt, im Ofen gebacken, so wie es seine Mutter immer gebacken hat) und besucht sie zu Hause. Aus dieser freundschaftlichen Nähe entsteht Zuversicht, und die düsteren Gedanken verschwinden.

Anne Cathrine Bomann, selbst Psychologin, hat eine liebens- und lesenswerte Erzählung geschrieben. Voller Ruhe und mit feinem Gespür für menschliche Bedürfnisse.