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jostein gaarder, ein treuer freund, interview, günter keil„Sofies Welt“ hat Jostein Gaarder berühmt gemacht – sein Bestseller von 1993 wurde in mehr als 60 Sprachen übersetzt. Vor ein paar Tagen hatte ich die Ehre, Gaarders Auftritt im Literaturhaus München zu moderieren (Foto). Anlass: „Ein treuer Freund“ (Hanser), der neue Roman des 65-jährigen Norwegers. In unserem Gespräch ging es natürlich um Philosophie, Gaarders großes Thema. Ich wollte von dem sympathischen Schriftsteller allerdings auch wissen, ob er eine besonders ausgeprägte Fantasie hat, der seine Figuren und Geschichten entspringen. Gaarders Antwort:

„Ich glaube, jeder von uns hat eine große Fantasie und die Fähigkeit zum Geschichtenerzählen. Wir träumen doch auch alle die verrücktesten und schönsten Träume – dann wachen wir auf und fragen uns: War das wirklich ich, der diese Geschichte erfunden hat und auch noch darin vorkam? Das Unterbewusstsein stattet uns mit viel Fantasie aus – nur kommt sie eben nicht immer hervor. Viele schüchterne Menschen blühen in bestimmten Situationen auf, Schauspieler etwa auf der Bühne. Dann werden sie laut und fantasievoll. Die Hauptfigur meines neuen Romans ist ein einsamer, zurückhaltender Mann, der mit einer Handpuppe spricht. Sie verhält sich genau andersherum, ist vorlaut, witzig und offensiv – und all das kommt trotzdem aus dem Mann. Wir sind vielschichtiger und kreativer als wir glauben.“

georg m. oswald, alle, die du liebst, interview, günter keil, literaturblog München, Stadtcafé. Ich diskutiere mit dem Anwalt, Autor und Verleger Georg M. Oswald über seinen neuen Roman „Alle, die du liebst“ (Piper). Der 53-jährige formuliert druckreif und lächelt gerne. Er schrieb Romane, Erzählungen, Essays und Kolumnen. Zudem leitete er von 2013 bis 2016 den Berlin-Verlag. Sein erfolgreichstes Buch „Alles was zählt“ (2010) wurde in zehn Sprachen übersetzt.

Was wollten Sie als Jugendlicher lieber werden: Anwalt, Autor oder Verleger? Ganz klar: Autor. Ich habe mich auch später immer primär als Autor betrachtet, obwohl ich überwiegend in den beiden anderen Bereichen tätig war. Meine ersten beruflichen Schritte gingen auch eher in Richtung Autor – ich schrieb journalistische Texte für Stadtmagazine und Zeitungen. Und im Stillen, ganz für mich, experimentierte ich mit literarischen Stoffen.

Warum haben Sie dann überhaupt Jura studiert? Ich war unglaublich fasziniert von der Sprache der Juristen, wie sie sich ausdrückten, wie sie den Konjunktiv einsetzten. Es gibt ohnehin eine Art natürlicher Nähe zwischen den beiden Feldern Jura und Literatur.

Wie meinen Sie das? Zunächst einmal ist da die Sprache: das Fach Jura hat eine starke Nähe zu ihr – die Sprache bedeutet alles im Studium und der Arbeit. Hinzu kommt: Jemand, der sich für Menschen und die Interaktion zwischen Menschen interessiert, landet schnell bei Jura oder Literatur, und letztlich finden sich unglaublich viele juristische Fragen und Konflikte in der Literatur. georg m. oswald, alle, die du liebst, interview, günter keil, literaturblog

Die Anwaltssprache gilt jedoch keineswegs als literarisch oder kreativ. Aber das stimmt in dieser Pauschalität gar nicht! Ich habe schon viel Spott für meine Behauptung geerntet, dass gut geschriebene Gerichtsurteile sprachlich hochinteressant sind, weil sie ein großes Maß an sprachlicher Präzision zeigen. Stattdessen hält sich hartnäckig das Klischee, Anwälte würden die Sprache verhunzen.

Passiert dies denn nicht? Doch, selbstverständlich. Ich gebe auch gerne zu: gut geschriebene juristische Texte sind eher die Ausnahme, nicht die Regel. Es gibt zahlreiche Anwaltsschriftsätze, die man liest und denkt: Du meine Güte, das ist ja nicht auszuhalten! Die sind trocken, spröde und weltfremd. Das gilt allerdings auch für literarische Texte, wenn man ehrlich ist.

Die Hauptfigur Ihres neuen Romans ist ein erfolgreicher Anwalt, dessen bisheriges Lebensmodell scheitert. Was hat Sie an seinem Absturz gereizt? Ich wollte wissen, was passiert, wenn er von der Sicherheit in die Unsicherheit rutscht. Hartmut Wilke ist ein Mann, der es gewohnt ist seine eigenen Lebensumstände zu bestimmen. Doch wie reagiert er, wenn ihm die Konventionen, die sein Leben absichern, abhanden kommen? Seine Frau droht ihm einen Scheidungskrieg an, er muss seine Kanzlei verlassen, und auf der Reise zu seinem Sohn nach Afrika wird er in eine völlig andere Welt gestoßen.

Indirekt erzählen Sie damit auch etwas über über unsere Gesellschaft. Auf jeden Fall. Denn wir leben zunehmend in einer Welt, in der wir unsere Sicht der Dinge nicht mehr als selbstverständlich betrachten können. Diese Entwicklung verunsichert viele Menschen. Wilkes Afrika-Abenteuer schien mir dafür eine gute Metapher zu sein.

Eine XL-Version dieses Interviews steht in der aktuellen Ausgabe des Magazins Münchner Feuilleton.

 

ece temelkuran, stumme schwäne, interview, günter keil…betrifft auch die Literatur des Landes. Stimmt die Mehrheit beim Referendum mit Ja, bekommt Präsident Erdoğan noch mehr Macht. Journalisten und Schriftsteller müssen dann noch stärker um ihre Freiheit fürchten. Eine der prominentesten Erdoğan-Kritikerinnen ist die 43-jährige Ece Temelkuran. Sie veröffentlichte Sachbücher und Romane, moderierte TV-Sendungen und schrieb für Zeitungen. Ihre Bücher werden in 22 Sprachen übersetzt. Soeben ist Temelkurans neuer Roman „Stumme Schwäne“ (Hoffmann & Campe) erschienen. Hier Auszüge aus meinem Interview:

Wie wird das Referendum ausgehen? Ich habe ein ungutes Gefühl, aber es ist sehr schwer, die Stimmung und das Ergebnis vorherzusagen. Was mich beunruhigt ist, dass einige Regierungsmitglieder ganz offen gesagt haben, dass es Auseinandersetzungen und Gewalt geben wird, wenn die Mehrheit nicht für das Präsidialsystem stimmt. Das klag wie eine Drohung. Ich fürchte, dass die Abstimmung dazu beitragen wird, das Schicksal der Türkei in negativer Weise zu besiegeln.

Sie leben seit kurzem im Exil – sind Sie bedroht worden? Jeder, der wie ich kritisch über die Regierung und den Präsidenten schreibt, wird bedroht. Viele meiner Kollegen sind verhaftet worden. Es geht aber nicht nur darum, eventuell angeklagt zu werden oder ins Gefängnis zu kommen, sondern um ganz alltägliche Einschüchterungen. Jedes Mal, wenn ich nach einer Auslandsreise zurückkam, fürchtete ich, dass man mir meinen Pass abnehmen würde. Als dann auch noch der Moderator einer nationalistischen Fernsehshow ankündigte, dass man dafür sorgen werde, dass meine Stimme aus der Öffentlichkeit verschwinden würde, habe ich Konsequenzen gezogen.

Ihr neuer Roman spielt kurz vor dem Militärputsch von 1980. Hat die damalige politische Situation etwas mit der aktuellen zu tun? Absolut! Das heutige Chaos in der Türkei hat seinen Ursprung in diesem Putsch. Damals wurde das Schicksal des Landes auf verhängnisvolle Weise in eine negative Richtung gedreht. Vor 1980 gab es eine bessere, freiere und fortschrittlichere Türkei – was danach kam, ist bekannt und gipfelt in der Präsidentschaft Erdoğans.

Inwiefern hat der Putsch den konservativen Islamismus gestärkt? Das Militär hat damals den Weg für religiöse Sekten geöffnet und sie unterstützt. Dadurch konnten konservative Parteien wie die AKP erst groß und mächtig werden. Das ist jedoch nicht der einzige Grund. Eine fatale Wirkung hatte auch die Zensur der türkischen Sprache. 1980 wurden hunderte Wörter aus den offiziellen Lexika und dem Sprachgebrauch der staatlichen Medien getilgt. Die Menschen bekamen Angst davor, etwas falsches zu sagen. Heute ist die Türkei ein Reich der Angst und Schizophrenie.

In Ihrem Roman zitiert eine Frau den Dichter Nâzım Hikmet, der einmal sagte: „Wir müssen an die Menschen glauben“. Tun Sie das? Es fällt mir manchmal schwer, aber woran sollte ich sonst glauben? Für mich ist das eine moralische Pflicht – ich habe gar keine andere Wahl. Die Menschen werden wieder aufstehen und die Geschichten ihres Leidens und ihres Widerstands erzählen, davon bin ich überzeugt. Vielleicht dauert es noch, aber es wird der Tag kommen, an dem ein Wind die Fenster aufstößt, hindurchweht und einen kühlen Lufthauch mit sich trägt.

Eine XL-Fassung meines Interviews wird in der Mai-Ausgabe des Magazins Münchner Feuilleton veröffentlicht.

jussi adler-olsen, selfies, interview, günter keil, literaturblogZwei Jahre Pause, das gab es bei Jussi Adler-Olsen noch nie. Nun erscheint „Selfies“ (dtv), der siebte Fall für den Kopenhagener Polizisten Carl Mørck und seine Sondereinheit Q. Ich habe Adler-Olsen, dessen Bücher in 40 Ländern erscheinen, interviewt – hier Auszüge unseres Gesprächs:

In Ihrem neuen Buch spielt ein Selfie eine entscheidende Rolle bei einer Mordermittlung. Basiert dies auf einem wahren Fall? In gewisser Weise schon. Vor ein paar Jahren habe ich mit einer Anwältin gesprochen, die für das Kopenhagener Stadtparlament arbeitete. Sie war frustriert und verärgert, da sie bei ihrer Arbeit zunehmend mit absurden Situationen konfrontiert wurde, gegen die sie nichts unternehmen konnte. Schuld daran waren die starren Regeln, die an die Vergabe von Fördermitteln geknüpft sind. Aus dem, was mir diese Anwältin erzählte, entwickelte ich den Fall, in den meine Figur Anne-Li verwickelt wird. Mehr kann ich leider nicht verraten – außer, dass ein Selfie die entscheidende Wendung bringt.

Vor zehn Jahren erschien in Dänemark Ihr erster Thriller mit Carl Mørck. Wie hat sich die Beziehung zu Ihrer Hauptfigur verändert? Carl ist seitdem immer bei mir. Ich werde diesen Typen einfach nicht mehr los! Er hat sich in diesen zehn Jahren schon verändert, aber nicht in einer Weise, die mich überrascht hätte. Eigentlich haben wir uns beide ziemlich ähnlich weiterentwickelt, sind älter und weiser geworden. (Lacht) Und wir sind immer noch dicke Freunde!

An Ihren Romanen fällt auf, dass Sie viele weibliche Nebenfiguren einsetzen. Ihr Ermittler Carl Mørck muss sich diesmal gleich mit einer ganzen Clique junger Frauen auseinandersetzen. Was reizt Sie an Protagonistinnen? Frauen sind grundsätzlich interessanter, und ich schreibe tatsächlich lieber über sie. Männer tendieren dazu, sehr konstant und vorhersehbar in allem zu sein was sie tun. Frauen sind dagegen eher schwieriger einzuschätzen und man weiß nie wirklich genau, was sie als nächstes tun. Genau das ist der springende Punkt, der das Schreiben über Frauen so ergiebig macht: Je unvorhersehbarer die Situation ist, desto mehr Drama entsteht.

Sie sind mit drei älteren Schwestern aufgewachsen. Hat Ihnen das bei „Selfies“ besonders geholfen? Ich habe ganz sicher sehr viel von meinen Schwestern gelernt, und mein frühes Wissen über Frauen habe ich schon öfter in meinen Romanen verwendet. Die Clique mit Michelle, Denise und Jazmine, über die ich in „Selfies“ schreibe, ist allerdings ganz anders als meine Schwestern. Das sind schrille Mädchen, die von Sozialhilfe leben und sich gerne im Reality TV zeigen. Und genau dort habe ich über sie recherchiert.

rita falk, günter keil, interview„Provinzkrimi“ steht auf den Eberhofer-Romanen von Rita Falk. Fünf Millionen Mal haben sie sich bis jetzt verkauft (aktuell: „Weißwurstconnection“). Vor 20 Jahren undenkbar – Provinz? Krimi? Fünf Millionen? Never ever. 

„Das hat sich total verändert – aber nicht für mich“ hat mir Rita Falk bei unserem Auftritt in Olpe (Foto) erzählt. „Ich fand es in der Provinz immer schon viel lebenswerter als in der Großstadt, und das Wort empfand ich grundsätzlich nicht als abwertend. Mich in eine U-Bahn quetschen oder im Stau auf Stadtautobahnen stehen zu müssen, ist für mich der Horror!“ Die 52-jährige hat aus ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen Provinzkrimis gebastlelt – ihre Oma war tatsächlich ein bisschen so wie die Oma in den Büchern, und ihr Ehemann war 30 Jahre lang Streifenpolizist wie ihre Hauptfigur Franz Eberhofer. „Meinen Erfolg habe ich der Provinz zu verdanken!“ sagt Falk und lacht. „Und ich werde auch nie mehr vom Land wegziehen!“ Ganz egal, wie man über Provinzkrimis denkt: Dass aus dem Schimpfwort ein Markenzeichen geworden ist, beeindruckt.

Jo Nesbø, Interview, Harry Hole, Günter Keil, Doktor Proktor, Literaturblog2017 wird ein besonderes Jahr für Jo Nesbø: Nach längerer Pause erscheinen zwei neue Romane aus seinen Serien um den Spezialermittler Harry Hole und den verrückten Erfinder Doktor Proktor. Außerdem wird die Verfilmung von “Der Schneemann” ins Kino kommen. Ich habe mit Norwegens erfolgreichstem Autor über seine Kindheit und die Feiertage geplaudert…

Wie feiern Sie Weihnachten? Normalerweise ganz traditionell mit norwegischen Spezialitäten und Getränken, zusammen mit meiner Tochter. Aber nicht unbedingt in Norwegen – manchmal flüchten wir in die Wärme, nach Asien oder in den Süden. Als Kind war der Weinachtsabend der schönste Tag des Jahres für mich – ich habe diese Zeit geliebt!

Erinnern Sie sich an ein Geschenk, das Sie sich immer wünschten, aber nie bekommen haben? Ich wollte unbedingt eine Zeitmaschine. Dass ich sie nicht bekam, machte mich total traurig. Aber irgendwann bekam ich sie dann doch: ich schlief ein und träumte von ihr. Später habe ich dann Doktor Proktor eine Zeitbadewanne erfinden lassen – da wurde mein Wunsch schon wieder wahr.

Wie feiert Doktor Proktor? Bei ihm ist die Hölle los: er lädt einen Haufen anderer verrückter Erfinder ein, und die machen sich dann einen schön verrückten Abend. Aber vielleicht muss Doktor Proktor auch arbeiten. In meinem nächsten Kinderbuch, das im Herbst 2017 erscheinen wird, rettet er das Weihnachtsfest, indem er es von einem bösen Mann zurückholt, der sich die Rechte daran gesichert hat.

Und wie verbringt Harry Hole den Heiligen Abend? Schwer zu sagen. Kommt ganz darauf an, ob es ein gutes oder schlechtes Jahr für ihn war. Ich kann das schwer einschätzen – Harry ist unberechenbar.

Als Thrillerautor machen Sie Ihren Lesern Angst. Wovor haben Sie sich als Kind gefürchtet? Vor allem vor dem gelben Troll im Keller. Er saß da unten und wartete auf die Kinder, die von ihren Müttern zum Kartoffelnholen fürs Abendessen geschickt wurden.

simon beckett, interview, totenfang, günter keil, literaturblog, wunderlichSeit Wochen steht Simon Beckett mit „Totenfang (Wunderlich) auf den Spitzenplätzen der Buchcharts. Ich hatte das Glück, die beiden einzigen Lesungen des symaptischen Briten in diesem Herbst moderieren zu dürfen – und habe ihn natürlich auch gleich interviewt. Hier Auszüge unseres Gesprächs:

Warum liegt der Schauplatz Ihres neuen Roman am Meer? Die Backwaters bestehen aus einem Labyrinth von Kanälen und Bächen, die das Marschland durchziehen, bei Ebbe leerlaufen und dann nassen Schlick, Schlamm und Gräben freilegen. Dieses spezielle Wattenmeer schien mir optimal zum neuen Hunter-Fall zu passen, aber es ist fiktional. Die realen Walton Backwaters in Essex haben mich zwar ein bisschen dazu inspiriert, aber sie unterscheiden sich doch von der Gegend im Buch. In gewisser Weise ist das so wie bei meinen Figuren: obwohl sie nicht real sind, möchte ich dass sie sich so anfühlen.

Inwiefern eignet sich das Element Wasser besonders gut für einen Thriller? Einerseits empfinde ich Wasser als sehr erholsam und atmosphärisch, vor allem, wenn ich selbst schwimme oder in der Nähe des Meeres bin. Andererseits umgibt es auch immer ein Gefühl von etwas Geheimnisvollem und einer Bedrohung. Diese Aura hat mich gereizt, und ich wollte schon lange einmal einen Hunter-Roman ums Wasser herum aufbauen – es ging nur noch darum, die richtige Story dafür zu finden.

Das hat offenbar ziemlich lange gedauert: Der letzte Hunter-Fall „Verwesung“ erschien vor knapp fünf Jahren. Es scheint tatsächlich so als ob ich für jeden neuen Band dieser Serie immer noch länger brauche. Das war auch schon vor „Verwesung“ so. Und glauben Sie mir: das ist ein Muster, das ich sehr gerne durchbrechen würde.

Woran liegt es denn, dass Sie so viel Zeit brauchen? Dafür gibt es verschiedene Gründe – oder vielleicht sind es auch Ausreden, wer weiß. Einer ist, dass ich mich natürlich bemühe, jedes Buch anders und besser zu machen als das vorherige. Im Falle von Hunter bedeutet das, dass ich jedes Mal einen völlig neuen Schauplatz und eine andere Besetzung brauche. Und, noch wichtiger: die Story muss ich so drehen und wenden können, dass sie zwar unvorhersehbar, aber doch auch ganz normal und authentisch wirkt. Das alles führt dazu, dass ich mich beim Schreiben unter enormen Druck setze, was nicht immer eine gute Sache ist. „Totenfang“ habe ich mehrmals neu begonnen, immer mit anderen Schauplätzen, und jedes Mal knallte ich nach etwa 20.000 bis 30.000 Wörtern gegen eine Wand. Also hörte ich auf und startete wieder von vorne.

Wie gelang Ihnen schließlich der Durchbruch? Alles veränderte sich, als ich begann darüber nachzudenken, was ich nach diesem Roman schreiben könnte. Mir wurde klar, dass es nicht ein weiterer Hunter sein müsste, sondern irgendein Roman, so wie mein letztes Buch „Der Hof“. Diese Aussicht hat mich gerettet, denn ich glaube, ich hatte mich so auf Hunter fokussiert und in dieses neue Buch verbissen, dass ich aus dem Blick verloren hatte, warum ich ursprünglich anfing zu schreiben: weil ich Spaß daran hatte. Mit dieser Erkenntnis wurde das Buch plötzlich lebendig, ich begann noch einmal von ganz vorne, und schrieb es sehr schnell, einfach nur für mich. Ironischerweise machte mir das dann mehr Spaß als alle anderen Bücher seit „Die Chemie des Todes“. Nach fast fünf Jahren voller vergeblicher Versuche ist das natürlich ein gutes Gefühl.