Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension · Romane

Sakari & Kimmo

wagner, sakari, rezension, günter keil In dem Sommer, in dem Marisa den Mond vermessen möchte, betritt Kimmo Joentaa den Raum, in dem das Meer zu Hause ist. Sanna schwimmt im Sonnensee. Petri läuft zwischen den Bäumen, auf der Flucht vor sich selbst. David löscht die Sonne aus.“

Schon klar: Wenn ein Kriminalroman so beginnt, muss es ein besonderer sein. Einer von Jan Costin Wagner. „Sakari lernt, durch Wände zu gehen“ (Galiani Berlin) ist ein höchst dramatisches Buch, das jedoch ruhig, bisweilen poetisch erzählt und von einem stillen, feinfühligen Ermittler bestimmt wird. Kimmo Joentaa heißt dieser Mann, ein finnischer Polizist. „Papa ist manchmal ein großer Nachdenker“ sagt seine Tochter Sanna über ihn. Und tatsächlich: er denkt und fühlt viel, bevor er handelt. Weswegen er genau der richtige ist, um herauszufinden, warum sich Sakari nackt und mit einem Messer auf dem Marktplatz von Turku gezeigt hat. Und warum der junge Mann daraufhin von Joentaas Kollege Petri Grönholm erschossen wurde.

Jan Costin Wagner schreibt zarte, traurige Sätze. In einer leise lodernden Sprache. Er erschafft weite Räume für die Gefühle seiner Figuren, die zu offenen Räumen für die Vorstellungskraft seiner Leser werden. Die melancholische Atmosphäre seiner Romane ist fast noch wichtiger als seine Plots.

Wagner schildert, wie Joentaa in Sakaris Leben eintaucht. Bedächtig und doch bestimmt. Der Polizist findet heraus, dass Sakari vor vier Jahren einen Motorradunfall hatte, bei dem seine Freundin starb. Ein traumatischer Vorfall, der zwei Familien aus ihren Welten gerissen hat. Bei Wagner geht es immer um Trauer und Verlust; seine Figuren suchen nach Halt, Trost und Gewissheit nach furchtbaren Erlebnissen. Kimmo Koentaa ist der Mann, der auch diesmal, in seinem sechsten Fall, trösten kann. Eine unfassbar traurige, wunderbare Geschichte.

6 Kommentare zu „Sakari & Kimmo

  1. Welch wunderbare Worte für dieses so besonders anrührende Buch. Ich lese Jan Costin Wagner seit seinem ersten Roman und bin jedes Mal gefangen und berührt.

    1. Das freut mich! Ich finde, dass dies nicht primär ein Kriminalroman ist – obwohl es natürlich einen „Fall“ und Ermittlungen gibt. Du könntest zur Sicherheit auch erstmal die früheren Krimis von Wagner testen; die gibt es als Taschenbuch 😉

  2. Schönen guten Abend,

    wie schön, eine Rezension zu diesem Buch zu lesen. Das Buch ließ mich schon aufhorchen, als ich die Neuerscheinungen für meinen Blog heraussuchte, ich bin allerdings noch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

    Aber nach dieser Rezension würde ich sagen, das sollte ich schnellstmöglich tun.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

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