Die Macht von Büchern und Bibliotheken

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In diesem fantastischen „Wolkenkuckucksland“ (C.H. Beck) beschreibt Anthony Doerr eine Macht, die Jahrhunderte anhält, Kriege und Katastrophen überlebt und alle Zeiten und Orte miteinander verbindet. Es ist eine Kraft, die aus Buchstaben, Worten und Sätzen besteht, und die schließlich in Geschichten und Büchern mündet. Der US-Schriftsteller Anthony Doerr stellt diese Macht anhand von drei miteinander verbundenen Plots dar, die an drei unterschiedlichen Orten und Zeiten spielen: In Konstantinopel 1453, im amerikanischen Lakeport 2020 und im Weltall in etwa 60 Jahren.

Auf diesen Zeitebenen entdecken Kinder den Zauber von Büchern und Bibliotheken – in Konstantinopel ist es die Waise Anna, die in einem Kloster aufwächst und heimlich mit altgriechischen Klassikern das Lesen lernt. In den USA ist es eine Gruppe von Schülern, die ein Werk von Antonios Diogenes auf der Bühne aufführt, und in der Zukunft ist es Konstance, die in einem Raumschiff durch die größte virtuelle Bibliothek der Welt schwebt.

Die Figuren blicken über ihre Welten hinaus, sie wollen verstehen und Mauern überwinden, und dabei hilft ihnen das Lesen. Anthony Doerr verklärt jedoch nicht die Magie des Wortes, im Gegenteil; er erzählt von der Eroberung Konstantinopels, bei der ein Großteil alter Manuskripte verloren ging. Von einem in letzter Sekunde vereitelten Bombenanschlag, der die Bibliothek von Lakeport in Schutt und Asche gelegt hätte. Und von der aussichtlosen Mission im All, die die letzten überlebenden Menschen auf einen anderen Planeten bringen soll.

Können die Menschen also ihre Geschichten bewahren? Werden die Bibliotheken die Klimakrise überleben? Alles ist in Gefahr, suggeriert Anthony Doerr, wenn der Wert des Wortes nicht geschätzt wird. Auch die digitale Speicherung von Wissen und Weltliteratur ändert an der Bedrohung nichts, denn die vorgebliche dauerhafte Sicherheit kann sich schon beim nächsten Blackout der Stromnetze als trügerisch erweisen. Annas Lehrer Licinius warnt: „Auch Bücher sterben, wie Menschen. Werden sie nicht geschützt, verlassen sie diese Welt, und wenn sie das tun, stirbt die Erinnerung ein zweites Mal.“

Anthony Doerr überzeugt als leidenschaftlicher Erzähler, der Genregrenzen überschreitet und philosophische Fragen transportiert. Auf diese Weise erschafft er ein kunstvolles, verblüffendes Werk über den unschätzbaren Wert von Büchern.

Mein Interview mit Anthony Doerr hört ihr in meiner Literatursendung auf egoFM. Zur Show hier. 

2 Gedanken zu “Die Macht von Büchern und Bibliotheken

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