„Was Stieg Larsson kann, können wir auch!“

erikaxlPunkmusiker, Gefängnis-Bibliothekar, Fotograf, Videokünstler: Die schwedischen Autoren Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist hatten schon viele verschiedene Jobs. Nun sind sie unter dem Pseudonym Erik Axl Sund die Stars der europäischen Thriller-Szene. Der erste Teil ihrer Trilogie, „Krähenmädchen“ (Goldmann), steht seit Wochen in den TOP 10. Ich habe Jerker und Håkan in Stockholm interviewt – gemeinsam mit der Journalistin Andrea Tholl (www.andrea-tholl.de).

Wie wurdet Ihr von Punkmusikern zu Autoren? Jerker: Mit unserer Band tourten wir in Polen, Weißrussland und der Ukraine. Oft saßen wir lange Zeit im Zug und machten kreatives Brainstorming. Dabei haben wir eine Homepage um eine fiktive Musikszene in den USA konzipiert, in der sich die Musiker umbringen, jeder auf eine andere Art. Für all diese Figuren erfanden wir Geschichten – das hat so viel Spaß gemacht, dass wir uns vornahmen, irgendwann zusammen einen Roman zu schreiben.

Warum habt Ihr damit erst 2008 begonnen? Håkan: Wir brauchten wohl einen Anlass. Damals wurden wir beide innerhalb weniger Wochen von unseren Partnerinnen verlassen. Da meine Exfrau die Sängerin unserer Band war, war Musik für mich erstmal gestorben. Wir waren beide total gefrustet. Das war aber genau die richtige Stimmung, um sie in einem Roman zu verarbeiten.

Mit Hilfe von professionellen Autoren? Håkan: Nein. Wir lieben es, auf unsere ganz eigene Art kreativ zu sein. Wir sind Autodidakten, und „Do it yourself“ ist unser Motto. Zuerst haben wir zusammen Musik gemacht, dann Kunstwerke und Videos. Ein Buch zu schreiben war ein neuer Weg, uns künstlerisch auszudrücken. Anfangs dachten wir sogar: Was Stieg Larsson kann, können wir auch. – Jerker: Dabei ist es harte Arbeit, ein Buch zu schreiben. Mit Anfang 20 fiel mir das leichter. Damals habe ich nur für mich einen surrealen Roman verfasst, in dem der längste Satz der Welt steckt. Er ist elf Seiten lang, aber grammatikalisch korrekt.

In „Krähenmädchen“ tauchen schwer misshandelte Jungenleichen in Stockholm auf. Basiert das auf einem wahren Fall? Håkan: Ja. Als wir die Handlung konstruierten, verschwanden in Schweden jedes Jahr etwa 1.500 Kinder aus Flüchtlingslagern. Sie waren mit 15 Dollar und einem gefälschten Pass eingereist und 24 Stunden später spurlos verschwunden. In unserem Buch schnappt sich jemand, der gerne Kinder quält, diese Flüchtlinge. Eine Polizistin und eine Psychologin versuchen, den Fall zu lösen.

Eure beiden Hauptfiguren sind Frauen. Könnt Ihr überhaupt realistisch aus deren Perspektive schreiben? Håkan: Ich glaube schon. Unser Freundeskreis besteht überwiegend aus Frauen, wir kennen deren Probleme also sehr gut. Und ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu meiner Schwester. Insofern mussten wir uns nicht in eine völlig fremde Welt hineinversetzen. Übrigens: Wären wir Frauen, würde uns niemand die Frage stellen, ob wir aus Männersicht schreiben können.

Was haltet Ihr von der schwedischen Monarchie? Håkan: Ich hasse das monarchistische System. Es ist nicht zeitgemäß. König Carl Gustav ist nicht besonders intelligent. Außerdem bevorzugt er es, Elche zu schießen, statt seinen königlichen Pflichten nachzugehen. Königin Silvia lebt schon Jahrzehnte in Schweden, beherrscht aber die Sprache immer noch nicht. Sie gibt nur Phrasen wieder. Das ist peinlich. – Jerker: Und Silvia lächelt immer. Selbst wenn sie traurig ist, sieht sie aus wie der Joker aus Batman.

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