Interview

Im Interview: Franka Potente

potSie lebt seit Jahren in Los Angeles und hat mit großen Hollywood-Stars gedreht – bei unserem Interview in Berlin kam mir Franka Potente allerdings sehr bodenständig vor. „Allmählich wird es Tag“ (Piper) heißt ihr Debütroman.

Fluchen Sie eigentlich gerne? Ja, vor allem beim Autofahren. Vor meinen Kindern drücke ich mich aber gepflegter aus.

In Ihrem Roman flucht Tim, die Hauptfigur, pausenlos. Der gefeuerte Banker sagt mehr als 50 Mal „Fuck“. Warum? Dieser Mann steckt in einer tiefen Krise. Nach vielen Jahren, in denen es gut bei ihm lief und er nie „Fuck“ gesagt hätte, steht er plötzlich ohne Frau, ohne Job und ohne Kind da. Nun hält er sich nicht mehr zurück. Es hat mir Spaß gemacht, etwas ganz Rohes aus ihm bersten zu lassen; er nimmt Drogen, hat Sex mit fremden Frauen, und lässt es richtig krachen. Im Verlauf des Buches nimmt die Intensität seiner Haltlosigkeit, seiner Flüche sogar noch zu.

Sie erzählen den Plot aus seiner Perspektive. Fiel es Ihnen schwer, sich in einen Mann hineinzuversetzen? Überhaupt nicht. Ich habe eine Affinität zu gebrochenen männlichen Figuren. Ich glaube sogar, dass ein trauriger großer Mann in mir lebt.

Wie kommt das? Ich weiß es nicht genau. Aber das war schon immer so. Uns Frauen wird ja nachgesagt, dass wir Männer genau analysieren, und da ist auch etwas dran. Letztlich ist zwar einiges von mir selbst in das Buch eingeflossen, aber der Roman ist dennoch absolute Fiktion.

Was empfinden Sie beim Schreiben? Schreiben ist wie ein selbst verordneter Zustand, in dem sich alles andere auflöst. Man existiert nur noch in einer Wolke, aus der sich langsam die Geschichte entwickelt. Das ist total faszinierend! Am Anfang gibt es nichts, gar nichts. Dann ist es wie ein Traum, in dem man spazieren geht. Und dabei begegnet man sich in verschiedensten Formen.

Englisch ist seit Jahren Ihre Umgangssprache. Warum haben Sie „Allmählich wird es Tag“ auf Deutsch geschrieben? Obwohl ich inzwischen tatsächlich in 90 Prozent meiner Zeit Englisch spreche, fehlen mir unter literarischen Gesichtspunkten die sprachlichen Möglichkeiten. Ich habe versucht, den Schreibprozess auf Englisch zu beginnen, aber schon bald gemerkt, dass ich auf Deutsch viel besser meine individuelle Textur kreieren kann. Die sprachliche Herkunft ist eben doch sehr wichtig. Es würde mich auch nur nerven, wenn ich ständig nach Wörtern suchen müsste.

Sie schreiben in einem sehr kurzen Stil mit reduzierten Sätzen. Mögen Sie generell die Kürze in der Kommunikation? Eigentlich nicht. Wenn ich mich unterhalte, wird es oft lang und ich verliere mich. Meistens rede ich sprechdenkerisch, ufere aus und mache Schleifen. Beim Schreiben gefällt mir das Kurze, Knappe viel besser. Vor allem bei dieser Geschichte fand ich es sehr passend, dass meine Hauptfigur fragmentarisch auf sich guckt.

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