Musikalisch, vielfältig, schwer… finnisch!

leena2Kaum zu glauben: Im Alter von 12 Jahren veröffentlichte Leena Lehtolainen ihr erstes Buch. Heute, knapp 20 Romane später, zählt sie zu den international erfolgreichsten Autorinnen Finnlands. Soeben ist ihr neuer Krimi „Wer ohen Schade ist“ (Kindler) erschienen. Ich habe die 50jährige schon vor der Buchmesse zum Interview getroffen:

Ihre Eltern waren Finnisch-Lehrer. Mussten Sie daheim immer ganz korrekt sprechen? Ja. Wenn meine Schwester und ich mal einen grammatikalischen Fehler machten, wurde dieser sofort korrigiert. Das klingt streng, aber andererseits erlaubten sie uns Jugendslang und den regionalen Dialekt. In unserer Familie hatten wir einen sehr spielerischen Umgang mit Sprache. Um einzelne Formulierungen gab es allerdings immer wieder Diskussionen.

Bitte nennen Sie ein Beispiel. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter Wert darauf legte, mit „Äiti“ angesprochen zu werden, das ist das exakte finnische Wort für „Mutter“. Das umgangssprachliche „Mutsi“ mochte sie hingegen gar nicht, genauso wenig wie „Äet“ im savo-karelischen Dialekt.

Was ist das Besondere an der finnischen Sprache? Sie ist nicht die leichteste Sprache der Welt, denn wir beugen unsere Wörter auf 16 verschiedene Arten und haben viele Synonyme. Für eine Autorin sind das allerdings gute Werkzeuge. Für mich als Krimiautorin ist es außerdem praktisch, dass wir nur ein Personalpronomen haben, „hän“. Das kann in einem Text also sowohl eine weibliche als auch eine männliche Figur beschreiben. Wir haben auch eine komplexe Vokalharmonie und Stufenwechsel im Finnischen, sodass die Sprache sehr musikalisch klingen kann.

Zurzeit erscheinen unzählige Bücher finnischer Autoren auf Deutsch. Man könnte fast meinen, jeder zweite Finne sei ein Autor. Es ist tatsächlich so, dass viele Finnen Autoren werden wollen, auch junge Leute. Vielleicht liegt es daran, dass jede Menge qualitativ hochwertige Bücher für Kinder und Jugendliche erscheinen. Sogar unsere Lyrik ist durchs Internet und durch Poetry Slams zu neuem Leben erwacht. Die finnische Literatur ist vielfältiger und internationaler denn je.

Aber wird sie auch im eigenen Land gelesen? Obwohl viele Leute Englisch-sprachige Bücher im Original lesen, sind auch finnische Autoren sehr beliebt. Auch Schwedische Kriminalromane sind populär. Sehr bedauerlich ist, dass wir nur wenige Übersetzungen aus dem Deutschen, Französischen oder Spanischen auf dem Markt haben. Nur die ganz großen weltweiten Bestseller werden ins Finnische übersetzt.

Am 11.10. moderiere ich die „Finnische Nacht“ bei Europas größtem Krimifestival „Mord am Hellweg“. Mit dabei: Leena Lehtolainen, Kati Hiekkapelto und Taavi Soininvaara.

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