Neuerscheinung · Rezension · Romane

Smith swingt

zadie smith, swing time, rezension, blog, günter keilFred Astaire, Michael Jackson: Ihre Idole. Zwei Mädchen schwärmen vom Steppen und Tanzen. Die namenlose Erzählerin wird später Assistentin einer berühmten Popsängerin und Tracey, die andere, schafft es auf die Bühne im Londoner Westend. Zadie Smith, früher selbst Stepptänzerin und Jazzsängerin, erzählt in „Swing Time“ (Kiepenheuer & Witsch) von einer Mädchen- und Frauenfreundschaft mit Brüchen. Sie untersucht, wie sich Herkunft, Hautfarbe und Bildung auf das Leben ihrer Protagonisten auswirken.

Als „braun“ gelten Tracey und ihre Freundin, da sie aus gemischten Familien stammen. Sie wachsen in Sozialwohnungen im Nordwesten Londons auf. Die Erzählerin ist neidisch auf Tracey, denn deren weiße, ungebildete Mutter serviert den Kindern Pizza und Pfannkuchen. Sie ist stolz auf ihre Tochter und möchte ihr den Traum vom Tanzen erfüllen. Ein starker Kontrast zur anderen Mutter: die schwarze Feministin kocht nur Gesundes und trichtert ihrem Kind ein, wie wichtig Ernsthaftigkeit und Emanzipation sind. Ihre Tochter entflieht diesem intellektuellen Korsett. Sie stürzt sich in die Partystimmung des „Cool Britannia“, steigt auf zur Assistentin des größten Popstars dieser Zeit.

Nach mehr als zehn Jahren fühlt sie sich allerdings ausgebrannt und allein. Träume zerbrechen auch anderswo. Traceys kurze Karriere als Tänzerin endet abrupt, und sie schlägt sich mühsam als alleinerziehende Mutter durch. Wie in ihren vier vorherigen Romanen lotet Zadie Smith aus, woher wir stammen und welche Möglichkeiten sich bieten, das eigene Milieu hinter sich zu lassen. Getragen wird diese eindrucksvolle Geschichte vom bewährten Smith-Sound: er ist klar, klug und lebensnah.

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Sozialstudie einer Sprachakrobatin

zadieStarker Start ins Jahr 2014, Zadie Smith! Morgen erscheint „London NW“ (Kiepenheuer & Witsch) – und die britische Schriftstellerin geht darin aufs Ganze. Sprachakrobatik, Stilbrüche, Spannung: alles inklusive. Schauplatz ist der Nordwesten Londons. Smith zeigt die karibisch und indisch geprägten Stadtteile Kilburn, Willesden und Kingsbury, die fernab von Touristenströmen und Bankenvierteln liegen. Die meisten Bewohner haben unsichere Jobs oder sind arbeitslos. Sie kämpfen sich durch den Alltag und scheitern daran, ihre Träume zu verwirklichen. Mittendrin: die gebildete Leah, Smiths Hauptfigur. Nachdem die 37jährige von einer Bettlerin betrogen wird, stellt sie ihr Leben in diesem multikulturellen Stadtteil in Frage. Und nicht nur das: sie zweifelt an ihren Zielen, ihrer Zukunft. „London NW“ ist eine aufregende, spannende Sozialstudie. Literarisch anspruchsvoll. Ein starkes Buch über das, was Menschen aus ihrem Leben machen wollen. Und was letztlich das Leben aus ihnen macht.