Die Bagage, Teil 2

Ein Mann mit Beinprothese, der Bücher liebt, mehr alles andere.

Ein Kriegsopfer-Erholungsheim in den Bergen mit einer verborgenen Bibliothek.

Eine Frau, die nicht mehr aufsteht und sich nicht mehr wäscht.

Eine Tochter, die das merkwürdige Leben ihres Vaters einzuordnen versucht.

Zwei frisch gewaschene Kopfkissen, die noch nach den verstorbenen Eltern riechen.

Die wundersame Wärme der Waldränder.

Die Farben der Tschengla: Lilienweiß, Enzianblau und Erdbeerrot.

Der scheinheilige Wind.

Die Enge und Armut in der Südtirolersiedlung.

Das ist der Inhalt von Monika Helfers „Vati“ (Hanser) in Kurzform. Der Roman ist eine Art Fortsetzung oder Ergänzung ihres herausragenden Romans „Die Bagage“. Erneut autobiografisch angelegt, erneut in ihrer eigenen, speziellen Art zu schreiben – beim Lesen glaubt man sie sprechen zu hören. Helfer ist die Ich-Erzählerin dieser Geschichte, in dessen Mittelpunkt ihr Vater Josef steht, ein Literaturbegeisterter, ein Vorleser, ein Flüchtender, ein Außenseiter, ein Städter vom Land. Eine tragische Figur. In einem ruhigen, tastenden Ton nähert sich Helfer der Inventur seines Lebens, und sie untersucht, wie und warum er so war wie er war, früher und später. Heraus kommen dabei Grauzonen und Zwischentöne, und auch Helfer selbst scheint sich nicht festlegen zu wollen, ob sie ihren Vater nun bedauert, bewundert oder einfach nur neutral beschreibt. Ein Buch, das bewegt – nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch dazu, sofort wieder „Die Bagage“ zum direkten Vergleich zu verschlingen.

Ich stelle das Buch in meiner Literatursendung am 13. Februar auf egoFM vor. Zur Show hier.