Neuerscheinung · Rezension · Romane

Bester Migrationsroman des Jahres

mohsin hamid, exit west, rezension, günter keil, literaturblogWir sind alle Migranten in der Zeit.“

In „Exit West“ (DuMont) erzählt Mohsin Hamid die bewegende Geschichte von Nadia und Saeed. Ein junges Paar in einem nicht genannten muslimischen Land, das im Bürgerkrieg versinkt und der Machtübernahme von Extremisten ausgeliefert ist. Alles, was das Leben ausmacht, verschwinde: Normalität, Freiheit, Freude, Menschlichkeit und Würde. Nadia und Saeed beschließen zu flüchten. Grenzen gibt es in Hamids Roman nicht, nur Türen. Durch diese muss man schreiten, zunächst ins Dunkel, um danach in anderen Ländern wieder aufzutauchen. Dieser Vorgang und Hamids reine, poetische Prosa geben dem Buch etwas Märchenhaftes.

Nadia und Saeed landen in Griechenland, später in Großbritannien und in den USA. Mohsin Hamid behält die beiden fest im Blick, und er untersucht ihre Reaktionen: Was macht Flucht aus einem Paar? Wie unterschiedlich reagieren Frau und Mann, wie passen sich an? Hamid beschreibt eine Welt ohne Einheimische und Sesshafte, alle ziehen weiter, sind auf der Flucht oder der Suche nach besseren Jobs: „Ein großer Teil des globalen Südens war unterwegs in Richtung globaler Norden.“ Die reisenden Menschen entfernen sich, nicht nur von Orten, auch von Menschen. Auch zwischen Nadia und Saeed wächst die Kluft, und ihre Wege trennen sich schließlich.

Mohsin Hamid hat eine beeindruckende Liebesgeschichte in Zeiten von Extremismus und Migration verfasst. So erschütternd sein Szenario auch ist – der pakistanisch-amerikanische Autor erzählt eher neutral beobachtend. Ja, die Welt bricht auseinander, und nichts ist mehr sicher. Doch die Welt geht nicht unter, sie verändert sich nur.

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Zwischen Slum und Golfplatz

hamidGleich vorab: Dieses Buch ist eine Sensation! „So wirst du stinkreich im boomenden Asien“ (DuMont) von Mohsin Hamid handelt vom Aufstieg eines armen Jungen aus der Provinz zum Großunternehmer. Eine Wirtschaftssatire, eine Liebesgeschichte, ein Selbsthilfebuch, alles in einem. Hamid ermuntert seine Hauptfigur, sein Leben in die Hand zu nehmen, und betitelt jedes Kapitel mit einem Tipp: Zieh in die Stadt, verschaff dir Bildung, scheue nicht vor Gewalt zurück, freunde dich mit einem Bürokraten an, jongliere mit Schulden, denk an ein Ausstiegsszenario. Das tut der Junge, der inzwischen ein Mann ist und weiß, wie wichtig Kontakte und Korruption sind. Er steigt ins Geschäft mit Trinkwasser ein, betrügt, besticht, expandiert und wird tatsächlich stinkreich. Er heiratet, bekommt einen Sohn, zieht in eine Villa. Der Unternehmer möchte seiner Herkunft entfliehen und hat auf dem Höhepunkt seines Wohlstands doch nur genauso wenig Zeit für seinen Sohn wie seine hart arbeitenden Eltern früher für ihn. Und die Frau, die er wirklich liebte, verliert er aus den Augen. Wenn Mohsin Hamid von von diesem Leben zwischen Slum und Golfplatz erzählt, von Größenwahn und Gier, von Vetternwirtschaft und Globalisierung, dann stockt seinen Lesern der Atem. Besser kann ein moderner Gesellschaftsroman nicht sein! Meine Rezension ist soeben im Magazin PUBLIK veröffentlicht worden.