Der Elefant, der leuchtet

martin suter, elefant, diogenes, rezension, literaturblog, günter keilWie bitte? Ein leuchtender Elefant? Gibt´s doch gar nicht.

Doch. Gibt´s. Vielleicht schon bald in der Realität. Und schon jetzt in Martin Suters neuem Roman „Elefant“ (Diogenes) spielt ein gentechnisch veränderter Elefant die Hauptrolle. Zwanzig Zentimeter groß, niedlich, rosarot schimmernd. Das einzigartige Geschöpf ist ein Wunder der Biochemie, ein begehrtes Luxusspielzeug, kurz: ein Tier, von dem sich viele Menschen viel Geld versprechen. Tierärzte, Zirkusdirektoren, Wissenschaftler und Gentechniker machen Jagd auf das Wesen, das von einer ganz normalen Elefantenmutter eines Zirkus´ zur Welt gebracht wurde. Allerdings im Auftrag eines Biochemie-Konzerns. Suters scheinbar abgedrehte Geschichte ist nach Angaben des Autors durchaus realistisch, und der Schweizer bewältigt gekonnt die Gratwanderung zwischen Komödie und Gentechnik-Roman. Ein charmantes, bestens unterhaltendes Buch, das wieder einmal zeigt, dass Suter über fast alles schreiben kann.

Karriere um jeden Preis

suterSie heißen Tobler, Hottinger, Bäriswil und Stüdeli. Sie sind im mittleren Management. Und sie wollen nur eines: Karriere machen. Das allerdings ist gar nicht so einfach, wie Martin Suter in „Alles im Griff“ (Diogenes) zeigt. Zwischen Intrigen und Arschkriechereien scheitern Tobler & Co. permanent. Sie tappen in Fettnäpfchen und erleben bittere Überraschungen auf ihrem vermeintlichen Weg nach oben. Eine „Business-Soap“ nennt der Verlag diese Sammlung kurzer Kapitel treffend – und zum Glück funktioniert die amüsante Miniserie perfekt. Suter ist ein Meister darin, die Macken der Manager mit einem Augenzwinkern zu porträtieren. Nie seicht. Stattdessen auch mal böse. Eine leichte Satire mit treffsicheren Pointen und köstlichen Stromberg-Momenten. Dass die Texte bereits 2004 als Serie in einer Schweizer Zeitung erschienen, macht gar nichts. Sie sind zeitlos.