Danke! Danke! Danke!

dankeWas wäre ein Blog ohne Leser? Ohne andere Blogger? Genau: nichts. Oder eben ein Blog, den keiner liest und keiner braucht. Gähn. Das bleibt mir und meinem Blog zum Glück erspart.

Weil es Euch gibt! Weil Ihr lest, kommentiert, Likes vergebt, mailt, reagiert, abonniert, Feedback gebt. Weil Ihr da seid. Weil Ihr mit dazu beitragt, dass dieser Blog lebt.

Das freut mich. Und ich bin Euch dankbar dafür. Denn genau das war mein Ziel, als ich Ende Januar 2013 diesen Blog startete: ein Forum zu bieten, Reaktionen anzuregen, Literatur noch lebendiger zu machen – kurz: in Interaktion mit Euch zu treten. Dass es auf Anhieb so gut funktioniert hat, ist wunderbar.

Deswegen sage ich laut: Danke!! Und wünsche Euch alles Gute für 2014! 

Meine TOP 10 Romane 2013

topZugegeben: diese Liste ist total subjektiv und kein bisschen repräsentativ.

Unter den gefühlten 500 Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe (tatsächlich dürften es rund 250 gewesen sein), waren viele, die mir gefallen haben. Und diese 10, die ich am besten fand:

Dave Eggers – Hologramm für einen König (Kiepenheuer & Witsch)

Mohsin Hamid – So wirst du stinkreich im boomenden Asien (DuMont)

Marisha Pessl – Die amerikanische Nacht (S. Fischer)

Joel Dicker – Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert (Piper)

Max Scharnigg – Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau (Hoffmann & Campe)

Amy Waldman – Der amerikanische Architekt (Schöffling & Co.)

Kevin Brooks – Bis es dunkel wird (dtv)

Will Wiles – Die nachhaltige Pflege von Holzböden (carl´s books)

Doris Knecht – Besser (Rowohlt)

Kevin Powers – Die Sonne war der ganze Himmel (S. Fischer)

Happening mit Horror-König

kingmiEr war da. Leibhaftig. Stephen King trat erstmals in Deutschland auf. 400 Millionen Bücher hat der Meister des literarischen Grauens bis jetzt verkauft – am Mittwoch stand er auf der Bühne des legendären Cirkus Krone in München (Foto). 2.500 Fans jubelten King zu. Der 66jährige gab sich lässig, schlagfertig und bescheiden – mehr über seine Lesung, die eigentlich mehr ein Happening war, auf meiner Homepage http://www.guenterkeil.de (unter der Rubrik „Texte“) oder hier in meiner Kritik für die Südwest Presse:

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/kultur/Stephen-King-der-fluchende-Koenig;art4308,2315900

Der Literat des politischen Kabaretts ist tot

dieterWas der Tod Dieter Hildebrandts in einem Literaturblog verloren hat? Sehr viel, wie ich finde. Denn für mich war Hildebrandt schon immer der Literat unter den Kabarettisten. Einer, der die deutsche Sprache mit Intelligenz und Wortwitz verdrehte und ironisierte. Und einer, der unglaubliche Schachtelsätze bilden konnte, an deren Ende treffende Pointen saßen. Einer, dessen Live-Auftritte ich am liebsten noch einmal geddruckt nachgelesen hätte, weil sie sprachlich so reich- und nachhaltig waren. Was Hildebrandt sagte oder in seinen Büchern schrieb (Foto: Cover seiner Biografie), hatte Substanz und Wert. Vom nichtssagenden Geplänkel diverser Comedians oder dem eigebildeten Gelaber mancher Kabarett-Unterhalter war er Welten entfernt. Was ihn darüber hinaus für mich zu einem echten Vorbild machte: Dieter Hildebrandt war seine Wut und seine Betroffenheit über politische-gesellschaftliche Entwicklungen oft anzumerken. Daraus entwickelte er große, wichtige Texte. Ich bin dankbar, dass ich zwei Mal beruflich persönlich mit Hildebrandt zu tun haben durfte. Ihn und sein Engagement werde ich vermissen.

Protokoll einer Lesereise

3erSechs Tage, sechs Städte: ich habe gerade eine komplette Lesereise moderiert – mit der schwedischen Thrillerautorin Kristina Ohlsson („Sterntaler“) und Schauspielerin Nina Petri. München, Berlin, Braunschweig, Hamburg, Hannover, Stuttgart. „Wie läuft sowas eigentlich ab?“ werde ich immer wieder gefragt. Hier meine Antwort als Statistik:

Zeit auf der Bühne: 10 Stunden. Zeit in Flugzeugen, Zügen und Taxis: 21 Stunden. Frauenanteil der Zuschauer: 70 Prozent. Mikrophone: Headsets, Standmikros, Handgurken. Hotels: 5. Zuschauer: 1.000. Veranstaltungsorte: Buchhandlungen, Hallen, Galerien. Getrunkenes Wasser auf der Bühne: 3 Liter (pro Person). Handyklingeln während der Lesung: 4. Applaus: 30 Minuten. Bestuhlung der Bühne: Ledersessel, Barhocker, Bürostühle, Designer-Vierbeiner. Durchschnittliche Raumtemperatur: 22 Grad. Sprachen: Deutsch, Englisch, Schwedisch. Lacher im Publikum: 47. Vorredner: 6. Technische Probleme: 1. Essen: Deutsch, Griechisch, Italienisch, Amerikanisch. Verkaufte Bücher: mehrere Hundert. Signierzeit im Anschluss der Lesung: 3 Stunden. Alkoholkonsum: gering. Gelutschte Halsbonbons: 18. Wetter: stürmisch, schön, grau, mild, kalt. Wirkung der Bühnenscheinwerfer: schweißtreibend. Durchschnittlicher Feierabend: 23.40 Uhr. Fazit: sechs spannende, tolle Tage!

Der Bücherherbst-Wahnsinn

werNein, nein, nein. Kein Mensch kann all das lesen. Und kein Literatur- journalist oder Blogger kann all das rezensieren. Jedes Jahr im frühen Herbst beginnt der Bücherwahnsinn. Plötzlich sind sie da, alle auf einmal: die Romane, auf die wir gewartet haben, die Umsatz bringen, die es ziemlich sicher auf die Bestsellerlisten schaffen. Dieses Jahr sind dies zum Beispiel die neuen Werke von T.C. Boyle, Paul Auster, Leon de Winter, Daniel Kehlmann, Jussi Adler-Ohlsen, Michael Robotham, Ferdinand von Schirach, Martin Walser, Wladimir Kaminer, Ian McEwan, Khaled Hosseini, Friedrich Ani und dutzenden Bestsellerautoren mehr. Sie erscheinen im Abstand von ein paar Tagen, manchmal gleichzeitig. Vorher, im Juli und August, war es noch relativ ruhig auf dem Buchmarkt. Aber jetzt? Genau: es tobt der Wahnsinn. Man fragt sich, warum. Klar, es gibt bestimmte traditionelle Vertriebswege, die Frankfurter Buchmesse naht und das Weihnachtsgeschäft kommt auch bald. Aber die extreme Ballung ist gefährlich: viele hervorragende Bücher gehen unter, werden übersehen oder können aus Zeitgründen nicht gelesen werden – denn auch die Tage von Büchermenschen haben nur 24 Stunden…

Lange bevor es woanders steht…

spieg…steht es in diesem Blog. Bestes Beispiel: der Blick auf die aktuelle SPIEGEL-Bestsellerliste. Auf Platz 16 hält sich „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ von Taiye Selasi – mein Post dazu ist zwei Monate alt. Nr. 11: Andrea Sawatzki, vor sieben Wochen hier ein Thema. Zu Jussi Adler-Olsens „Washington Dekret“ (Platz 7) gab´s vor fünf Wochen ein Interview. Und mit Tess Gerritsen, frisch auf Nr. 2 mit „Abendruh“ sprach ich schon vor drei Wochen. In den TOP 10 der Krimizeit-Bestenliste vergnügt sich neuerdings Sara Gran – hier im Blog war sie am 4. März. Das freut mich. Denn mein Ziel ist es, schneller (und besser) zu informieren als woanders. Und früher zu kommunizieren, was ein Thema oder Bestseller wird. 

Vorsicht! Textdiebe!

fingerMehrere tausend Besucher haben seit dem Start Ende Januar diesen Blog besucht – und es kommen immer mehr dazu. Das freut mich. Allerdings: Unter den Lesern sind offenbar auch Textdiebe. Vor ein paar Tagen habe ich meine Rezension von „Der amerikanische Archtiket“ (Post vom 18.2.) fast wortwörtlich in einer bekannten Zeitschrift entdeckt. Die dreisten Piraten handelten illegal, denn: Meine Texte sind urheberrechtlich geschützt. Wer zu faul oder unfähig ist, selbst zu schreiben, kann gerne von uns Journalisten, Autoren, Textern und Bloggern profitieren – aber nur gegen Honorar. Übrigens: Nach Rücksprache mit dem Journalisten-Verband Freischreiber habe ich der betreffenden Zeitschrift juristische Schritte angedroht und ein Honorar gefordert. Woraufhin man sich ganz schnell bei mir entschuldigt und mir eine nachträgliche Bezahlung angeboten hat… Also, liebe Leser und Bloggerkollegen: Augen auf! Geben wir den Textdieben keine Chance! 

Der Italien-Österreich-Slowenien-Krimi

veitGibt es das? Einen Krimi, der dicht, intelligent, politisch, kulinarisch und unterhaltsam ist? Veit Heinichen beweist es erneut. Der neueste Fall „Im eigenen Schatten“ (Zsolnay) aus der Reihe um den Triester Commissario Laurenti hält das hohe Niveau. In 340 Seiten packt Heinichen jede Menge Handlung und Hintergrund. Darum geht´s: Der spektakuläre Raub eines Goldttansporters auf der A4 und der Absturz eines Privatflugzeuges scheinen miteinander zusammen- zuhängen. An Bord der Maschine: ein Milliardär und Ex-Senator. Feingeist Laurentini ermittelt mit seiner ehrgeizigen Assistentin Xenia im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien. Ein stilsicheres Buch, das auch der Finanzkrise und der Geschichte Südtirols viel Raum gibt. „Der Kriminalroman ist ein ideales Mittel, um die moderne Gesellschaft abzubilden“ hat Heinichen mal gesagt – stimmt. Und er kann das besonders gut.

Wirklich witzig!

lehnbergZugegeben: Komödien können mich selten überzeugen. Soeben ist allerdings ein Roman erschienen, der wirklich witzig ist: „Mein Meisterwerk“ (LangenMüller) von Stefan Lehnberg. Er wagt es, ein ganzes Buch darüber zu schreiben, wie er ein Buch schreibt. Wie bitte? Ja, er schildert empört, dass er wieder einmal vom Komitee des Literaturnobelpreises übergangen wurde – und beginnt sein Meisterwerk. Dabei schaut Lehnberg sich selbst über die Schulter: beim Erfinden einer Hauptfigur und Entwickeln einer Handlung. Dieser Plot im Plot ist völlig an den Haaren herbeigezogen, doch das Alter Ego Lehnbergs berauscht sich an der Geschichte. Naiv und größenwahnsinnig fabuliert er vor sich hin, träumt von hohen Auflagen und begeisterten Lesern. Nach 50 amüsanten Seiten fragt man sich, wie die restlichen 200 gefüllt werden sollen. Doch Lehnberg schafft es tatsächlich, sein hohes Humorlevel zu halten – zu Recht bekam er für dieses Buch gerade den Ephraim-Kishon-Literaturpreis. „Mein Meisterwerk“ ist ein Buch im Buch, eine köstliche Satire auf die schweißtreibende Arbeit (und groteske Selbstüberschätzung) eines Autors.