Interview · Neuerscheinung

Weihnachtsinterview mit Jo Nesbø

Jo Nesbø, Interview, Harry Hole, Günter Keil, Doktor Proktor, Literaturblog2017 wird ein besonderes Jahr für Jo Nesbø: Nach längerer Pause erscheinen zwei neue Romane aus seinen Serien um den Spezialermittler Harry Hole und den verrückten Erfinder Doktor Proktor. Außerdem wird die Verfilmung von “Der Schneemann” ins Kino kommen. Ich habe mit Norwegens erfolgreichstem Autor über seine Kindheit und die Feiertage geplaudert…

Wie feiern Sie Weihnachten? Normalerweise ganz traditionell mit norwegischen Spezialitäten und Getränken, zusammen mit meiner Tochter. Aber nicht unbedingt in Norwegen – manchmal flüchten wir in die Wärme, nach Asien oder in den Süden. Als Kind war der Weinachtsabend der schönste Tag des Jahres für mich – ich habe diese Zeit geliebt!

Erinnern Sie sich an ein Geschenk, das Sie sich immer wünschten, aber nie bekommen haben? Ich wollte unbedingt eine Zeitmaschine. Dass ich sie nicht bekam, machte mich total traurig. Aber irgendwann bekam ich sie dann doch: ich schlief ein und träumte von ihr. Später habe ich dann Doktor Proktor eine Zeitbadewanne erfinden lassen – da wurde mein Wunsch schon wieder wahr.

Wie feiert Doktor Proktor? Bei ihm ist die Hölle los: er lädt einen Haufen anderer verrückter Erfinder ein, und die machen sich dann einen schön verrückten Abend. Aber vielleicht muss Doktor Proktor auch arbeiten. In meinem nächsten Kinderbuch, das im Herbst 2017 erscheinen wird, rettet er das Weihnachtsfest, indem er es von einem bösen Mann zurückholt, der sich die Rechte daran gesichert hat.

Und wie verbringt Harry Hole den Heiligen Abend? Schwer zu sagen. Kommt ganz darauf an, ob es ein gutes oder schlechtes Jahr für ihn war. Ich kann das schwer einschätzen – Harry ist unberechenbar.

Als Thrillerautor machen Sie Ihren Lesern Angst. Wovor haben Sie sich als Kind gefürchtet? Vor allem vor dem gelben Troll im Keller. Er saß da unten und wartete auf die Kinder, die von ihren Müttern zum Kartoffelnholen fürs Abendessen geschickt wurden.

Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Nor Noir von Jo Nesbø

joIch glaubte weder an Träume noch an Götter: ich glaubte eher an die Liebe eines Junkies zu seinem Dope als an die Liebe der Menschen zueinander. Ich glaubte an den Tod. Ein Versprechen, das immer eingehalten wurde, wie ich wusste. Ich glaubte an eine Neun-Millimeter-Kugel mit einer Geschwindigkeit von tausend Kilometern in der Stunde.“

Ulf, ein ehemaliger Eintreiber und Expedient (Auftragskiller), macht sich keine Illusionen. Die Hauptfigur in Jo Nesbøs Nor Noir „Blood on Snow – Das Versteck“ (Ullstein) flüchtet in die Finnmarksvidda, eine weite, leere Hochebene im Norden Norwegens. Außer Rentieren und ein paar Dorfbewohnern gibt es dort nichts. Perfekt für Ulf, der sich in einer kleinen Hütte verschanzt und auf die Ankunft seiner Verfolger wartet.

In seinem lakonisch und lässig erzählten Kurzkrimi versammelt Jo Nesbø eine bunte Truppe, die aus einer Westernkomödie stammen könnte: den einsamen, sympathischen Sünder Ulf, den komischen Schnapsbrenner Mattis, die wortkarge Witwe Lea, den aufgedrehten Jungen Knut und den humorlosen Prediger Jakob Sara. Zwischen diesen Figuren knistert und knackt es, und das romantische Finale wirkt fast wie eine Parodie auf das Noir-Genre.

Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Der kürzeste Jo Nesbø aller Zeiten

jo Na sowas. Ein Jo Nesbø-Roman mit nicht einmal 200 Seiten – sehr ungewöhnlich für Norwegens erfolgreichsten Kriminalschriftsteller. „Blood on Snow. Der Auftrag“ (Ullstein) ist das bisher kürzeste Nesbø-Werk. Seine Harry-Hole-Reihe lag meist zwischen 400 und 650 Seiten, und eines ihrer Markenzeichen waren die komplexen Plots. Auch Nesbøs standalones (zuletzt „Der Sohn“) zeichneten sich neben der Spannung durch Länge und Tiefe aus.

Der neue kurze Roman spielt 1977 in Oslo. Ich-Erzähler Olav, ein sensibler Profikiller, arbeitet für den größten Drogendealer Norwegens. Normalerweise erledigt Olav seine Aufträge schnell. Doch diesmal kommt er ins Grübeln – er soll die Ehefrau seines Bosses töten. Prompt verliebt er sich in sie und gerät selbst ins Fadenkreuz. Eine knappe, knackige Dreiecks-Geschichte, lakonisch erzählt. Scheint so, als orientiere sich Jo Nesbø neuerdings an den Klassikern der US-Hardboiled-Literatur. Schon im Februar kommt der nächste Kurze – als eigenständiger Teil dieser Miniserie. Übrigens, auch das Aussehen des Paperbacks ist ungewöhnlich: von außen wirkt das Werk, als sei es auf schwarzen Seiten geschrieben.