Bilder-/Kinderbuch · Neuerscheinung

Hütet Euch vor den Krachbacken!

Ist das wuchtig! Und lustig! Das neue Bilderbuch von Stefan Boonen und Melvin „Theo und Mammut. Alles begann an einem Freitag“ (Arena) ist zwar für Kinder ab 8 Jahren gedacht. Hat aber das Potential, alle Altersgruppen zu begeistern. Auch Erwachsene. Weil es fantastisch fantasievoll und irre gut gezeichnet ist. Und eine Art liebevoller Wildheit kultiviert.

Hauptfigur Theo ist mit seinen Eltern in ein neues Haus gezogen. Mit 36 Zimmern. Mama und Papa sind fast nie daheim, dafür die dicke, komische Nannie Beinhaar, die mit Theo Hausaufgaben, Judo, Klavierspielen und Singen übt. Und manchmal mit Holzschwertern kämpft. Der Junge haut immer wieder ab, tief in den Wald, wo die Urzeit beginnt. Wo das schläfrige Mammut lauert und das riesige Säbelzahnkaninchen hoppelt. Wo Theo Marga kennenlernt, ein Mädchen mit Zottelhaaren und Knubbelnase. Sie gehört zum Stamm der Zotteltaler. Eine Spezies, die sich gerne küsst. Und viel friedlicher ist als die wilden Krachbacken, die Theo und Marga auffressen wollen. Werden die beiden entkommen?

Wie schon in ihrem lautstarken Buch „Hier kommt Oma“ stellen Stefan Boonen und Melvin die Erwachsenenwelt auf den Kopf. Sie erzählen ein wunderbar knalliges Abenteuer in tiefrot-orangen Farben.

Bilder-/Kinderbuch · Rezension

Umka, der kleine Eisbär

umka, arena, juri jakowlew, irina link, arena, literaturblog, günter keil Menschen – das sind Bären, die die ganze Zeit auf den Hinterpfoten laufen und ihr Fell ausziehen können.“

In dem wunderbaren Bilderbuch „Umka – Die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft“ (Arena) von Juri Jakowlew erklärt eine Eisbärenmutter ihrem Sohn die Welt. Umka heißt der Kleine, und er ist neugierig auf das, was ihn außerhalb seiner Schneehöhle erwartet. Behutsam führt ihn seine Mutter in die Geheimnisse des Nordpolarmeers ein. Der Himmel ist für die Eisbären „das obere Meer“, die Sonne „der glitzernde Fisch“, und die Menschen? Tja. Sonderbare Wesen. Umka möchte zu ihnen, sie kennenlernen, und er hat Glück: eines Tages trifft der kleine Eisbär einen kleinen Jungen. Sie mögen sich, trotz aller Unterschiede, und sie werden Freunde.

Die Illustratorin Irina Link fängt die Weite und Leere im Eis mit zauberhaften Bildern ein. Gemalt hat sie übrigens ganz traditionell, in Acryl auf Leinwand. Ihre sanften Weiß- und Blautöne passen perfekt zu dieser ruhigen, liebevollen Geschichte, die der russische Schriftsteller Juri Jakowlew schon 1969 schrieb. Ein Klassiker also, neu illustriert in einem großformatigen Buch, das seine Leser mit viel Wärme durch die kalte Jahreszeit begleitet.

Bilder-/Kinderbuch · Neuerscheinung · Rezension

Vorsicht! Hier kommt Oma!

Hier kommt Oma, Stefan Boonen, Melvin, Rezension, Literaturblog, Günter KeilNanu? Ein Bilderbuch? Im Literaturblog? Selbstverständlich. Ein- oder zweimal pro Jahr picke ich ein besonders gelungenes Kinderbuch heraus. Diesmal warne ich: Diese Geschichte rumpelt, knallt, stinkt. Ist wild und würzig. Laut und lustig. Ich bin begeistert von „Hier kommt Oma“ (Arena) von Stefan Boonen mit Illustrationen von Melvin.

Die Hauptfigur ist mutiger und verspielter als alle Kinder. Sie macht Blödsinn und pfeift auf Verbote. So eine Großmutter hat die Kinderbuchwelt noch nicht gesehen. Und die Realität erst recht nicht. Ihre zehn Enkel holt die verrückte Oma mit ihrem Klapperbus ab. Dann fährt sie die muntere Bande tief in den Wald, zum Haus des Riesen, in dem sie wohnen wird. Dass die Kinder rülpsen, furzen, schnarchen oder in der Nase popeln, stört Oma überhaupt nicht. Mit Wucht und Lebensfreude sucht die aus dem Niederländischen übersetzte Geschichte den direkten Weg in Kinderherzen. Und findet sie. Die Abenteuer im Wald zeigen Oma & Kids beim Feuertanz, bei der Suche nach dem Waldschwein, beim Sprung vom Wackelbaum. In einer orange-blau illustrierten Welt.

Ab und zu greift Stefan Boonen zur Comicsprache, um den Partycharakter seines Buches zu unterstreichen. Leise Szenen federn Omas enorme Energie ab. „Hier kommt Oma“ ist ein lautes, anarchisches Plädoyer für Freiheit und Freude. Doch hinter seiner grellen Fassade überzeugt es auch mit einem liebe- und verständnisvollen Ton.