Archiv

Schlagwort-Archive: Bildband

jrOb Kunst die Welt verändern kann? Gute Frage. Wichtige Frage. Vor allem nach den schrecklichen Anschlägen von Paris. Wenn man den Bildband „Can Art Change the World?“ (Edel/Phaidon) durchblättert, lautet die Antowrt spontan: Ja! Natürlich kann Kunst etwas bewirken, anregen, verändern. Vor allem die Kunst des französischen Street-Art-Stars und Fotografen JR.

Die soeben veröffentlichte Monografie zeigt sein komplettes bisheriges Werk und beschreibt JRs Anfänge als Graffitikünstler in Paris. Schon früh begann er, den öffentlichen Raum zu nutzen – sprayte, klebte, zeichnete auf Häuser, Ruinen, Dächer, Straßen, Wände. Zu Ruhm kam er durch riesige Fotografien von Menschen, die er weltweit plakatierte. In Favelas in Rio de Janeiro, auf der Mauer zwischen Israel und den Palästinensergebieten, auf Slumdächer und Züge in Kenia, auf den Boden des Pariser Pantheon. Und in Berlin, New York, Shanghai. Auf Bussen, Autos, Containerschiffen. Die gigantischen Schwarz-Weiß-Porträts, meist von Menschen aus Randgruppen und der Unterschicht, sorgen für Aufsehen, regen zum Nachdenken an, führen zu mehr Verstädnis. JRs Fotos haben unter anderem dazu beigetragen, dass Moslems, Juden und Christen ihre Gemeinsamkeiten entdeckten (da sie ihre Landsleute auf den Bildern nicht eindeutig einem Glauben zuordnen konnten – genial, diese Aktion).

Ein eindrucksvoller Bildband, von dessen Schnittkanten drei riesige Augenpaare starren. Übrigens: JR ist in der Nachbarschaft der Tatorte vom 13.11. aufgewachsen, inzwischen lebt er in New York. „Mein Herz ist in Paris“ hat er auf seiner Hompage gepostet. 

9783830333401-017bb939Priester, die tanzen und küssen. Frauen, die nach einer wilden Nacht im Vatikan schlafen. Der Maler und Cartoonist Javier Mayoral hat offenbar noch eine Rechnung offen mit der katholischen Kirche. In kurzen, respektlos-schrägen Sätzen nimmt er die klerikale Doppelmoral aufs Korn – dazu komponiert er komische, surreale Bilder im Stil der 50er und 60er Jahre. Soeben ist bei Lappan Art Mayorals erster Bildband erschienen, schlicht „Mayoral“ betitelt. Auf mehr als 120 Seiten entfaltet sich die einzigartige Welt des in Miami lebenden Spaniers: UFOs landen, Unterhosen hängen auf der Leine, Elvis und Heino tauchen auf, Männer streicheln Autos, Frauen testen Bikinis – dazu lakonische Sprüche und eigenwillige Lyrik: Geniale Moderne Kunst, die durchaus in bedeutenden Museen hängen könnte. Stattdessen versteigert Mayoral seine auf kleine Holzplättchen gemalten Bilder auf ebay. Vor wenigen Wochen noch gab´s seine „Original Outsider Folk Art“ für 20-50 US-Dollar pro Stück. Jetzt, durch den Bildband und eine Ausstellung in Kassel, liegen die Preise bei 200-400 US-Dollar. Und wer weiß, vielleicht gilt Mayoral in 10 oder 20 Jahren als neuer Warhol. Sein Stil kann es schon jetzt mit großen Künstlern wie Alex Katz aufnehmen.