Der mysteriöseste Flugzeugentführer der USA

USA, 1971. Unter den Passagieren eines Flugs nach Seattle befindet sich ein Mann mit Sonnenbrille und einem Aktenkoffer. Er nennt sich Cooper, ruft eine Stewardess zu sich und verkündet ihr freundlich, dass er eine Bombe im Koffer habe. Er fordert 200.000 Dollar und vier Fallschirme, dann würde niemandem etwas passieren. Bei einer Zwischenlandung bekommt Cooper das Geld und die Fallschirme, und auf dem anschließenden Flug springt er aus dem Flugzeug. Seitdem hat niemand mehr etwas von dem mysteriösesten Flugzeugentführer der USA gehört.

Ein wahrer Fall, den Jens Eisel nun in seinem Roman „Cooper“ (Piper) fiktionalisiert hat, und von dem der Hamburger Autor mit unheimlicher Ruhe und Präzision erzählt. Er fängt die Gefühle des Kidnappers und die Ängste der Stewardess gekonnt ein. Eisel zeigt Cooper als einen gescheiterten Vietnamveteranen, der durch die Entführung endlich wieder Kontrolle über sein Leben gewinnen will.

Der Kern des Plots umspannt nur wenige Stunden, doch in dieser Zeitspanne passiert unglaublich viel. Alle Beteiligten ahnen, dass die Welt, in die sie zurückkehren würden, nicht mehr die gleiche sein wird wie zuvor. Darüber hinaus gibt es eine raffinierte Rahmenhandlung, in der ein Ermittler noch viele Jahre nach dem Vorfall daran verzweifelt, dass Cooper der Polizei entkommen ist. Ein starkes Stück Literatur!

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung bei egoFM vorgestellt – ihr hört die Show hier im Stream (ohne Musik).

Dschinns

Hüseyin, Ümit, Sevda, Peri, Hakan und Emine. Das sind die Namen der deutsch-türkischen Familie, von der Fatma Aydemir in „Dschinns“ (Hanser) erzählt. Hüseyin, der Patriarch, der 1971 als Gastarbeiter nach Deutschland kam, seine Frau Emine, die nie Deutsch lernte, seine Töchter Sevda und Peri, seine Söhne Ümit und Hakan. Sechs sehr unterschiedliche Persönlichkeiten.

Jedes der Familienmitglieder bekommt in diesem Roman ein eigenes Kapitel, und alle sechs haben Geheimnisse vor den anderen, sie plagen düstere Gedanken, die im Dunkeln zu ihnen kommen. Warum sprechen sie nie Kurdisch, obwohl das die Sprache der Eltern und Großeltern ist? Warum verschweigen sie sich das meiste, und weshalb zeigen sie nie ihren wahren Gefühle?

Der Traum und die Hoffnung, in Deutschland Fuß fassen zu können, entpuppt sich für Hüseyin als Illusion. 30 Jahre schuftet er in Fabriken, und als er endlich in Istanbul seine Rente genießen will, stirbt er. Seine Kinder gehen ganz andere Wege – Sevda macht Karriere, Hakan dealt mit geklauten Autos, Peri will studieren und Ümit hat immer das Gefühl, etwas in ihm sei kaputt. Familie bedeutet ihm alles, aber er will sie so schnell wie möglich verlassen. 

Fatma Aydemir hat einen großen, modernen, hochdramatischen Familienroman geschrieben. Ihre Sprache besitzt unglaubliche Kraft, und aus den sechs Erzählperspektiven entsteht ein vielschichtiges Bild von Herkunft und Heimat, von Migration und Rassismus. Und die Dschinns, die Geister, schweben bedrohlich über der Geschichte und ihren Figuren.

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung bei egoFM vorgestellt – ihr hört die Show hier im Stream (ohne Musik).

Boy meets girl

„Ich hatte doch so viel. Wir waren Freunde. Aber ich wollte mehr. Und ich glaubte zu spüren, er wollte es auch.“

Julia Holbe fragt in ihrem neuen Roman “boy meets girl” (Penguin) indirekt nach: Ist eine echte tiefe Freundschaft zwischen Frauen und Männern möglich? Hat jede Beziehung ein Verfallsdatum? Kann man das Leben drehen, etwas Neues wagen? Und gibt es die eine, einzigartige große Liebe? Ja, diese zeitlosen Fragen sind schon tausende Male in Büchern aufgetaucht, aber Julia Holbe macht daraus einen rundum gelungenen Roman, der sowohl luftig und leichtfüßig ist als auch tiefgründig und melancholisch. Der Plot spielt in Luxemburg und Frankreich.

Ich-Erzählerin Nora spürt, dass sie endlich ihr Leben ändern muss. Denn ihre Ehe ist am Ende, und obwohl sie selbst eine erfolgreiche Paartherapeutin ist, kommt Nora nicht mit ihrem eigenen Liebesleben klar. Sie beginnt eine Affäre mit Gregory, einem Englischlehrer, und sie trifft zufällig Yann wieder, mit dem sie früher einmal ganz kurz ganz eng war. Gregory oder Yann, wer ist der Richtige? Nora ist hin- und hergerissen, sie diskutiert und philosophiert mit ihrer besten Freundin Lou über die Sehnsucht nach einem normalen Beziehungsleben.

Julia Holbe schickt Nora auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, auch weil Noras Eltern älter und kränker werden, die Zeit drängt und der Wunsch zur Veränderung immer stärker wird. Mit Yann führt Nora stundenlange Gespräche, sie spazieren durch die Stadt, fahren ans Meer, alles ist wunderbar, und doch weiß Nora bis kurz vor Schluss nicht, ob er derjenige ist, für den sie alles aufs Spiel setzen soll.

In kurzen, hellen Sätzen schildert Julia Holbe den Anfang und das Ende einer Liebe. Ein Beziehungsroman wie aus dem Bilderbuch: unterhaltsam, spannend, reflektierend und romantisch.

Was die Sportfreunde Stiller mit Literatur zu tun haben

Florian Weber, der Drummer der Sportfreunde Stiller, hat soeben seinen dritten Roman veröffentlicht, und ich habe in meiner Radiosendung ausführlich mit ihm darüber geplaudert (Foto). Im Stream der egoFM Buchhaltung könnt ihr unseren Talk noch einmal hören – wir sprechen auch über das Comeback der Sportfreunde, die Schnittstellen zwischen Literatur und Musik und Florians speziellen Stil.

Die wundersame Ästhetik der Schonhaltung beim Ertrinken (Heyne) ist ein kreatives und verrücktes Vergnügen, und darüber hinaus ein turbulentes, kluges Buch über das Leben, die Liebe und den Tod. Aber jetzt von vorne, denn schon der Anfang erzeugt einen Sog, macht neugierig, wirft Fragen auf.: Ein Mann treibt mitten im Meer, auf einer Kühlbox. Neben ihm sind auch ein ohnmächtiger Clown und ein Lama im Wasser. Was soll das Ganze, und wie kommt er nur in so eine seltsame Situation? Der Mann weiß nicht wer er ist, woher er kommt, was er tut oder bisher getan hat.

Aber Florian Weber weiß es, und er streut raffiniert Erinnerungen in den Plot, aus denen die Rekonstruktion eines Lebens wird, das Leben von Heinrich Pohl. So heißt der Mann, der in seiner Kindheit, das Antiquitätengeschäft des Onkels in München geliebt hat. Später hat er auch Klavier gespielt, eine Reise nach Amerika gemacht, seine große Liebe verloren. Aus diesen Erinnerungen werden neue Geschichten, die wie neue Wellen auftauchen, größer werden, und dann wieder zurück zu dem Mann auf dem Meer führen. Wie in einem fantasievollen modernen Märchen erzählt Florian von den Geschichten hinter Gegenständen, von einer indianischen Friedenspfeife, einem Zirkusdirektor, und wie im Zirkus kommt in diesem Roman nie Langeweile auf, es gibt schnelle Szenenwechsel, Melancholie, Tragikomik, Spannung und noch viel mehr.

Hier geht´s direkt zu unserem Gespräch. Einfach klicken.

Rassismus und Gewalt sind viel näher als wir glauben…

Dirk Kurbjuweit berichtet in „Der Ausflug“ (Penguin) von einer Clique, einer Viererbande: Amalia, Josef, Gero und Bodo, alle um die 30, kennen sich seit ihrer Kindheit, und treffen sich einmal im Jahr zu einem Ausflug. Diesmal fahren sie von Berlin aus zu einer sommerlichen Kanutour.

Der Ausflug von Dirk Kurbjuweit

Doch dort draußen auf dem Land machen ihnen die Leute klar, dass sie nicht willkommen sind. Vor allem Josef, der eine schwarz Hautfarbe hat, wird bedroht und mit dem N-Wort beschimpft. Die vier beschließen, nicht klein beizugeben. Sie verteidigen Josef und paddeln in den nächsten Tagen mit zwei Kanus durch ein Netz von Kanälen. Gute Laune kommt allerdings nicht auf, denn Amalia, Josef, Gero und Bodo spüren, dass sie offenbar auf fremdem Territorium sind, wo andere Regeln gelten. Mitten in Deutschland.

Seltsame Gestalten begegnen ihnen in der Natur: verwahrloste Kinder, zwielichtige Wilderer, ein Priester, der mit seinen fünf Frauen in einer Kolonie lebt. Und dann ist da plötzlich ein geladener Revolver und der Clique wird ein brutales Ultimatum gestellt. Der Ausflug in die Natur entwickelt sich zur tödlichen Falle.

Dirk Kurbjuweit schreibt in Satzfetzen, die wie flüchtige Blicke oder intensive Momentaufnahmen wirken. Von Beginn an schwingt etwas Drohendes, Unheilvolles mit, und tatsächlich: seine brisante psychologische Studie über Fremdenfeindlichkeit und Freundschaft rüttelt auf, macht fassungslos. Ein kurzer radikaler Roman, der zeigt, dass Rassismus und Gewalt viel näher sind als wir glauben.

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung bei egoFM vorgestellt – ihr hört die Show hier im Stream (ohne Musik).

Der dadaistisch-realistische Brenner

„Gerade das Ungeschehene kann man am schwersten ungeschehen machen. Das Ungeschehene hat einen eigenen Willen, das steht wie ein Esel im Tor, bewegt sich nicht vor und nicht zurück und rührt sich nicht von der Stelle.“

Endlich ist er wieder da, nach acht Jahren Pause: Brenner, der berühmte und berüchtigte Ermittler, eine der schrägsten und besten Figuren der europäischen Kriminalliteratur. In Wolf Haas´ „Müll“ (Hoffmann und Campe) arbeitet er bei einem Wertstoffhof in Wien, wo so etwas Mistplatz genannt wird. Und nachdem auf diesem Mistplatz in den Recyclingwannen Leichenteile auftauchen, hat Brenner einen neuen Fall.

Doch eigentlich sind die Ermittlungen völlig egal – Wolf Haas dienen sie nur dazu, saukomisch und hochwertig zu erzählen. Er durchschaut die Menschen in ihrer Liebenswürdigkeit, Boshaftigkeit und Beschränktheit, er philosophiert und fabuliert genial herum und erklärt die Komplexität der modernen Welt. Der Erzähler im Roman ist ein Schlaumeier, der dadaistisch-realistisch daherredet, zum Beispiel über den Unterschied zwischen Faulheit und Trägheit, langfristig aufgestaute Ehewut oder darüber, dass Schuldnerberatung viel leichter ist als Schuldberatung.

Viele Autor*innen haben versucht, den Brenner-Stil zu kopieren, doch das Original bleibt unerreicht: Wolf Haas überzeugt erneut als Satzumbaumeister,  Sprachverdreher und Wortkünstler. Niemand fängt die Absurditäten des österreichischen Alltags so gekonnt ein wie er, und seine scheinbar sinnfreien Dialoge haben mir so viel Spaß gemacht wie schon lange kein anderes Buch mehr.

„Man kann nicht alles gleichzeitig verstehen. Es braucht immer ein Hintereinander bei den Gedanken. Ein Hintereinander und ein Nebeneinander. Aber kein Durcheinander. Und am allerwichtigsten, eine klare gedankliche Unterscheidung.“

Eine Heldin, unterwegs

Doris Dörrie war eine der ersten Prominenten, die öffentlich gegen den Ukraine-Krieg demonstriert hat, vor dem Russischen Generalkonsulat in München. In ihrem neuen Buch „Die Heldin reist“ (Diogenes) erzählt sie vom Unterwegssein, vom Mythos des Helden und der Heldin, der Dramaturgie der sogenannten »Heldenreise«, die mit der Realität kaum etwas zu tun hat, denn echte Held*innen sehen anders aus als in Blockbustern. Zudem reflektiert Dörrie übers Suchen und Finden von Glück. Sehr persönlich, sehr unterhaltsam und immer in einer hochwertigen, vielseitigen Sprache. Anekdoten, Tagebucheinträge, Erinnerungen und ein beständiges Hinterfragen bestimmen die literarischen Linien dieses Werkes, mal humorvoll, mal nachdenklich, und immer lebensklug.

„Dies ist keine runde Story“, schreibt Doris Dörrie an einer Stelle. Stimmt: die Filmemacherin hat keine geschönte oder verklärte Mini-Autobiografie abgeliefert, sondern ein inspirierendes, ehrliches und philosophisches Buch, das sich ganz wunderbar liest. Ich habe mich mit ihr zum Interview in München getroffen (siehe Foto) – hier ein Ausschnitt:

In welchen Momenten Ihres Lebens haben Sie sich als Heldin gefühlt? Nur ein einziges Mal, als ich mein Kind zur Welt gebracht habe. Da dachte ich mir: Wow, das hast du jetzt wirklich geschafft! Ich dachte, ich bin zu blöd dazu.

Was ist mit Ihren großen Erfolgen als Regisseurin und Autorin oder mit Ihrem Entschluss, als junge Frau allein in die USA zu gehen – das waren doch auch heldinnenhafte Taten? Nein. Das Denken in Heldinnen- oder Heldenmaßstäben liegt mir sehr fern. Erfolge sind ein kompliziertes Geflecht aus vielen Faktoren, das liegt nie nur an mir, an einer Person. Ein Held ist oft ein Einzelkämpfer oder tut zumindest so in seinem heldenhaften Gebaren, und so habe ich mich nie gefühlt. In meinem neuen Buch „Die Heldin reist“ versuche ich den Begriff genauer zu umkreisen und zu analysieren, dass der eine strahlende Held gegen den Rest der Welt als Modell überholt ist. Denn wenn einer es allein schafft, ist das das Gegenteil von Gemeinschaft. Wir brauchen aber doch die Gemeinschaft, das Team, die Nachbarn, den „Rest der Welt“ – sonst sind wir aufgeschmissen.

Das heißt, es gibt gar keine echten Helden? Doch, aber oft sind sie es unfreiwillig geworden oder es wird ihnen zugeschrieben, obwohl sie es von sich weisen. Edward Snowden ist ein Held für mich. Einer, der eine hohe Verantwortung auf sich genommen hat und ein enormes Risiko eingegangen ist. Echte Helden werden oft nicht belohnt. Die klassische Heldenreise im Kino hat dagegen oft mit Errettung und Belohnung zu tun. Oder nehmen Sie Schriftsteller*innen und Reporter*innen in Diktaturen – diese Menschen bewundere ich. Oder die, die in Corona Zeiten in Krankenhäusern arbeiten. Ich habe mich oft gefragt, wann ich an ihrer Stelle davon laufen würde.

Das komplette Interview hört ihr hier im Stream meiner Literatursendung bei egoFM und lest ihr in der April-Ausgabe des Playboy.

Kiew, Kurkow und der Krieg

Kiew… Ich erinnere mich gerne an meinen einzigen Besuch, an das Interview mit einem ukrainischen Schriftsteller, den ich sehr schätze: Andrej Kurkow (Photo © Pako Mera/Opale). Vor mehr als zehn Jahren spazierte mit ihm durch „eine der schönsten Städte der Welt“, wie er meinte. Und tatsächlich: Ich war fasziniert vom Höhlenkloster, das im Mittelalter als Weltwunder galt, von Ober- und Fürstenstadt, vom alten Arbeiter- und Händlerviertel Podol, von der Sophienkathedrale und dem Michailkloster.

Klar, ich sah auch heruntergekommene Plattenbauten und hässliche Monumentaldenkmäler, krasse Armut und die Verdrängung der Normalverdiener aus der noblen Innenstadt, schon damals. Andrej Kurkow hat diese Gegensätze in seinen Romanen immer wieder beschrieben, er hat seine Heimat scharf kritisiert und zutiefst geliebt, und er hat mir die Augen und das Herz geöffnet für eine besondere Stadt mit besonderen Menschen, mit herausragender Architektur und europäischer Kultur.

Nun denke ich immer wieder an die Stunden, die ich durch Kiew flanierte, an die Ukrainer und Russen, die jetzt in Kellern und U-Bahnhöfen ausharren, an diejenigen, die flüchten und verzweifeln. Gestern stand ich mit 5.000 anderen Münchnern am Stachus, darunter viele Ukrainer und Russen, und demonstrierte gegen diesen Krieg. Gegen Putin. Gegen deutsche Politiker und Konzerne, denen Geld wichtiger ist als Moral. Für Frieden.

Wir brauchen Empathie und Solidarität, nicht noch mehr Opportunismus und Zynismus, noch billigere Energie und noch günstigere Konsumartikel aus Ländern, in denen den Bürgern die grundlegenden Menschenrechte abgesprochen werden, in denen es keine freie Presse gibt, in denen wir niemals leben wollen würden. Lasst uns konsequent sein und die Werte einfordern und leben, die in unserer Verfassung stehen. Dann können wir wirklich etwas verändern.

Auch ohne Buchmesse genug zu tun

Alles öffnet und lockert, die Berlinale feiert den Film – nur die Leipziger Buchmesse macht dicht. Kein gutes Zeichen und kein gutes Timing, und sehr schade, denn ich hatte mich auf viele interessante Moderationen und Begegnungen gefreut, die nun alle nicht stattfinden. Zum Glück kann ich dennoch auf vielen Kanälen für neue Literatur werben:

Sowohl meine „egoFM Buchhaltung“ als auch mein Podcast mit Karla Paul, „Long Story Short“, laufen wieder alle zwei Wochen mit neuen Folgen. Ich freue mich, wenn ihr reinhört – alle Episoden gibt´s auch als Stream, egal wann ihr Zeit habt. Hier geht´s direkt zum Radio und zum Podcast.

Außerdem freue ich mich auf Moderationen mit Peter Probst (24.2. Literaturhaus München), Sven Gerhardt (2.3. in der Online-Reihe „Debatten für Leseratten“), Nicola Förg (12.3. in Bernried), Ingrid Noll (19.3. Kriminächte Stuttgart) und Gela Allmann (31.3. Globetrotter München). Ein ganz besonderer Termin steht am 10.3. in Ruhrgebiet an: Dort stelle ich im Literaturhaus Herne meine Lieblingsbücher des Frühjahres vor – zusammen mit Verena Geiger.

Wäre schön, wenn wir uns bei einer der Veranstaltungen sehen! Und was Leipzig betrifft: Toll, dass es nun wenigstens die Pop-Up-Messe geben wird!

P.S.: Bald sind auch zwei Buchpräsentationen mit Thrillerautor*innen online, die ich moderiere: Mit Camilla Läckberg & Hernrik Fexeus („Schwarzlicht“, Knaur Verlag) und Arno Strobel („Mörderfinder 2“, S.Fischer).

Anna & Max, ein toxisches Paar

Anna ist 24 und fast immer pleite – sie studiert Operngesang an einem renommierten Londoner Konservatorium und teilt sich mit einer Freundin ein abgefucktes Zimmer. Um die Miete und ihre Ausbildung zahlen zu können, singt sie nachts Jazz in einer Bar, und dort lernt sie Max kennen. Der 38 jährige Banker wirkt zwar kühl und distanziert, aber er hat etwas, das Anna anzieht. So beginnt eine Affäre mit Folgen – sie steht im Fokus von Imogen Crimps Debütroman „Unser wirkliches Leben“ (hanserblau).

Max lädt Anna in noble Restaurants ein, macht ihr teure Geschenke und empfiehlt ihr, das Singen in der Bar aufzugeben, sich auf die große Karriere zu konzentrieren. Er gibt ihr Geld, und Anna wird klar, dass ein paar Tausend Pfund hin oder her für Max keine Rolle spielen. Schritt für Schritt begibt sich in eine gefährliche Abhängigkeit, und deswegen toleriert sie, dass Max oft tage- und wochenlang verreist. Führt er ein Doppelleben? Basiert ihre Beziehung auf Lügen?

Die ungleichen Machtverhältnisse führen zu Konflikten. Leidenschaft und Elend liegen plötzlich ganz nah beieinander, und im Strudel aus Sex, Geld und Liebe vernachlässigt Anna ihr Studium. In ihrem Debütroman fängt Imogen Crimp die Ambivalenzen gekonnt ein, in einer klaren, schnelle Sprache. Heraus kommt dabei eine aufregende Paarstudie voller Dynamik und Energie. Eine psychologisch ausgefeilte, facettenreiche love story, die auch viel über die Gegensätze unserer Zeit aussagt: prekäre Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich, Überfluss im Finanzsektor.

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung auf egoFM vorgestellt. Zur Show hier.