Kurzgeschichten · Lyrik · Neuerscheinung · Rezension

Lautstärke! Ist! Weiblich!

lautstärke ist weiblich, rezension, blog, günter keilWenn Schlau das neue Schön wäre…“, ja, dann sähe die Welt tatsächlich anders aus. Wie anders, das beschreibt Fee in ihrer smarten Utopie „Wahre Bildung kommt von außen. Oder: wer schlau sein will, muss lesen.“ Fee ist eine von 50 Poetry-Slammerinnen aus der ersten deutschsprachigen Female-Slam-Anthologie.

Wie bitte? Female was?

Lautstärke ist weiblich“ (Satyr Verlag) ist ein bunter, schräger Mix der besten Poetry-Slammerinnen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Texte und Reime zeigen eine riesige Bandbreite, sie sind poetisch, wütend, laut, leise, nachdenklich, witzig, banal und genial. Kaddi Cutz betreibt in „Was ich nicht bin“ eine köstliche Selbstanalyse. Theresa Hahl ersinnt feine kluge Reime über Persönlichkeitsschubladen in „Von Innenmobiliar und Mobiles“. Grundsätzlich drehen sich die Texte um Liebe, Glück, Identität und Mathematik – das Leben eben. Eine starke Anthologie mit einmaligem akustischen Nebeneffekt: QR-Codes und Links führen direkt zur Vertonung der Autorinnen. 

Wir sind alle spitze / Wir sind alle schadenfroh und elitär / Wir sind alle was wert / (…) Wir sind alle, wir sind alle / Dichter“ (Aus dem Vorwort von Mit-Herausgeberin, Lyrikerin und Poetry-Slam-Meisterin Nora Gomringer)

Lyrik · Neuerscheinung

Hochgenuss für Lyrik-Liebhaber

lyrik kabinett, hanser, günter keil, literaturblogEinfach nur anfassen, angucken, drüber streichen, aufblättern. Schon ist man dieser Buchreihe hoffnungslos verfallen. Und lässt sich neugierig auf die Gedichte ein, selbst wenn man sonst nur gelegentlich Lyrik liest. Ja, die Edition Lyrik Kabinett (Hanser) setzt Maßstäbe – in Optik und Haptik, und selbstverständlich auch inhaltlich. Allein die Ausstattung (grauer Karton, eigestanzter Titelaufkleber, farbiger Rücken, hochwertiges Papier) spiegelt den hohen künstlerischen Anspruch wieder, ohne abgehoben zu wirken. Seit 2006 erscheinen zwei bis vier Bände pro Jahr. 

Die beiden jüngsten Veröffentlichungen – Nr. 37 und 38 – stammen von dem italienischen Lyriker Valerio Magrelli („“Vom heimlichen Ehrgeiz ein Bleistift zu sein“) und dem polnischen Poeten Ryszard Krynicki („Sehen wir uns noch?“). Beide Bände versammeln eine breite Auswahl ihres Schaffens aus den letzten Jahrzehnten. Magrelli beschäftigt sich in seinen unkonventionellen Gedichtlyrik kabinett, hanser, günter keil, literaturblogen vor allem mit dem Vorgang des Dichtens, seinem Denken und versetzt sich auch in die Lage eines Bleistifts. Krynickis vielseitige Poesie ähnelt oft Haikus, als Thema wählt er oft die Vergänglichkeit, den Tod. Beide Bände transportieren die Tiefe der Lyrik – für Einsteiger eher anspruchsvoll-herausfordernd, für Liebhaber ein Hochgenuss.

Mehr über das Lyrik Kabinett demnächst hier im Blog und hier.