Spinnen die Finnen?

finniNein. Natürlich spinnen sie nicht. Aber aus deutscher Sicht (Müller, Maier, Huber, Schmidt) haben sie ziemlich verrückte Namen (Kettu, Kyrö, Haasjoki, Rimminen). Na und? Was hat das mit einem Literaturblog zu tun? Viel. Denn Finnland ist dieses Jahr Gastland der Buch- messe Frankfurt. Schon jetzt werden die Finnen überall angekündigt: In den Verlagsprogrammen, auf den Festivals im Herbst, in Handel, im Internet. Bei mir stapeln sich die Rezensionsexemplare. Am 3. November moderiere ich eine finnische Nacht bei „Mord am Hellweg“, dem größten Krimifestival Europas. Mit dabei: Die Autorinnen Leena Lehatolainen, Taavi Soininvaara, Kati Hiekkapelto. Wunderbare Namen, oder? Außerdem bald hier im Blog: Meine Rezension von Rax Rinnekangas Roman „Der Mond flieht“. Rax Rinnekangas. Kein Witz. Danke für diese Namen, Finnland!

Die skurrilsten Werbetexte der Verlage (2)

kauf2In den aktuellen Herbst-Programmen der Verlage wird vor allem eines getan: Gefragt. An Buchhändler und Journalisten richten die Werbe- strategen eine Frage nach der anderen. Offenbar gehen sie davon aus, dass dies anregt. Hier die Höhepunkte:

„Was, wenn das Ende gar nicht das Ende ist?“ Tja. In diesem Fall müssen wir wohl fortfahren. Hiermit: „Bist du bereit für ein Spiel auf Lesen und Tod?“ Lieber nicht, zu gefährlich. Andererseits wüsste ich dann wenigstens die Antwort auf folgende Frage: „Wer bestimmt über das Ende meines Lebens?“ Offensichtlich das Buch, das ich gerade gelesen habe, oder? – Mist, jetzt stelle ich selbst auch schon Fragen. Dabei können das die Verlage viel besser: „Mit welcher Wahrheit können wir leben?“, „Wann ist man bereit für eine Liebe, die nicht sein darf?“ und „Müssen wir Leben neu denken?“ wollen sie wissen. Ich weiß es nicht. Bin aber froh, dass endlich mal gefragt wird: „Jesus – was war er für ein Mensch?“ Ein lesender vermutlich. Bleibt nur noch eines offen: „Kann man einen Menschen mit Worten töten?“ Hmmmm. Ob das der PR-Texter selbstkritisch gemeint hat?

Es geht aufwärts… (klick!)

stats3Manchmal ist das Bloggerleben wunderbar. Etwa dann, wenn einem der morgendliche Blick auf die neuesten Klickzahlen ein breites, lang anhaltendes Lächeln ins Gesicht zaubert. So war´s bei mir heute. Die Statistik-Balken der vergangenen drei Monate zeigen, dass mein Blog immer mehr Besucher anzieht. Bleiben die Zugriffsdaten so hoch wie im April, komme ich innerhalb eines Jahres auf rund 30.000 visits. Das freut mich! Vielen Dank an Euch alle, Ihr Blogger, Kollegen, Verlagsmenschen, Medienleute, Freunde, Leseratten, NSA-Mitarbeiter… Auf Eure Klicks!

Eine Hymne auf den „echten“ Buchhandel

hymnUh, klingt das schrecklich: „Stationärer Buchhandel“. Riecht nach Klinik und Krankheit. Ist es nicht tatsächlich so, dass in dieser digitalen, amazonierten Welt der „echte“ Verkauf ausstirbt? Nein. Über 6.000 Buchhandlungen gibt es in Deutschland. Im vergangenen Jahr haben sie sogar ein kleines Umsatzplus geschafft. Aber darum geht´s mir gar nicht. Sondern um das, was diese Läden bewirken: sie beleben Dörfer und Städte, sorgen für Begegnung, Austausch, Kultur live. Bei meinen Lesungsmoderationen treffe ich ständig auf engagierte Buchhändler(innen), die viel mehr wollen als nur Umsatz. Sie sorgen dafür, dass Leser Autoren treffen (und umgekehrt), dass Literatur lebt, begeistert, anregt, zusammenführt. Das ist wichtig. Genau deswegen sollten wir dort unsere Bücher bestellen, und nicht bei Konzernen. Buchhandlungen zahlen auch jede Menge Steuern – im Gegensatz zu Amazon. Auch das ist wichtig. Eigentlich sollte jemand eine Hymne auf den Buchhandel schreiben – ich fange schon mal mit diesem Text an. Und empfehle einige mir gut bekannte Bücherparadiese, in denen es regelmäßig Lesungen gibt: Leuenhagen und Paris (Hannover), glatteis (München), Dreimann (Olpe), Graff (Braunschweig). Und viele andere. Ihr müsst weiterleben!

 

Leseland Deutschland

mattneuMatt Haig lächelt. Auf meine Frage, was ihm nach ein paar Tagen in Deutschland am meisten auffalle, sagt der englische Autor: „Ob auf der Buchmesse oder auf der lit.Cologne: hier bei euch lassen sich die Leute für Bücher begeistern. Das kenne ich aus England so nicht. Bei uns sind Buchmessen meist langweilige Veranstaltungen, auf denen alte Leute jammern, dass es mit dem Buch bergab geht. Und Lesungen sind oft triste, schlecht besuchte Vortragsabende. Ganz anders in Deutschland! Mir kommt es so vor, als ob ihr Bücher noch richtig als Kulturgut schätzt und Freude daran habt„. Das kann ich nur bestätigen – bei meinen Moderationen in München, Nürnberg, Leipzig und Köln sah ich in den vergangenen 10 Tagen tausende begeisterte Leser. In Leipzig drängten sich die Leute auch spät abends noch in jede Menge Veranstaltungen, etwa rund um die Alte Handesbörse. Gestern in Köln kamen 600 Zuschauer um 21 Uhr auf eine Rheinfähre, um Matt Haig („Ich und die Menschen“, dtv & Hörverlag) und Chrstoph Maria Herbst zu sehen (Herbst spricht auch die Hörbuchfassung). Sieht ganz so aus, als ob Deutschland noch immer ein Leseland ist…

Der unbezwingbare Pre-Messe-Bücherstapel

stapelEr wächst. Schnell. Beängstigend schnell. Und ich weiß: ich kann ihn nicht bezwingen, noch nicht. Den Pre-Messe-Bücherstapel. Am 13. März beginnt die Leipziger Buchmesse – jeder Verlag, der nicht schon in den vergangegen Wochen seine wichtigsten Frühjahres-Bücher veröffentlicht hat, tut dies bis zur Eröffnung. Deswegen wächst der Stapel. In ihml befinden sich u.a. Schätze von Donna Tartt, Sasa Stanisic, Bernhard Aichner, Banana Yoshimoto, Feridun Zaimoglu, Matt Ruff, Friedrich Ani, Michael Connelly, Oliver Bottini und vielen anderen. Sie müssen (noch) warten, leider. Und einige werden im Post-Messe-Stapel landen. Das haben sie zwar nicht verdient, aber so ist das harte Leben als Produkt dieser Branche nun einmal.

Die zerstörerische Kraft des Schnelllesens

helpVerdammt! Schon wieder zu schnell gewesen, zu schnell gelesen. Der Roman ist aus, die Handlung vorbei, die Spannung verflogen. Dabei hätte ich gerne noch weiter mit den Figuren gelitten und gelacht, die Formulierungskünste des Autors bewundert oder mir ausgemalt, wie sich der Plot entwickeln würde. Stattdessen: Schluss. Punkt. Und wer ist schuld daran? Allein ich. Weil ich wieder einmal viel zu schnell gelesen, die Zeilen weggefuttert, die Stimmung des Buches verschlungen habe. Warum ich das tue? Nun, ich bin bekennender Schnellleser. Das hat drei Gründe: 1. Gefällt mir ein Buch, bin ich wie besessen davon und kann nicht aufhören. 2. Gefällt es mir nicht, will ich so schnell wie möglich damit ferig sein. 3. In meinem Büro stapeln sich Romane, die ebenfalls bald gelesen werden möchten. Und täglich kommen neue hinzu. Eigentlich kein Grund zur Klage. Es ist ein Privileg, davon leben zu können, dass man liest, schreibt und spricht. Aber es hat eben auch Nachteile. Denn der Literaturfluss trocknet nie aus. In ihm schwimmen stets neue Romane, die mich anmachen, interessieren, herausfordern. Also schnappe ich sie mir. Und muss sie ganz schnell lesen. Viel zu schnell. Hilfe!

Frauen lesen… (Teil 2 – Virginia Woolf & Shades of Grey)

bollmannAusgerechnet ein Mann weiß am meisten über die weibliche Leseleidenschaft: Stefan Bollmann, Literaturwissenschaftler und Bestsellerautor („Frauen und Bücher“, DVA). Wie angekündigt, hier der zweite Teil meines Interviews:

Wie verschafften sich Frauen früher Zugang zu Büchern? In gebildeteren Häusern, etwa in der Familie von Virginia Woolf, lief das über die Bibliotheken der Männer. Woolf und ihre Schwester durften zwar nicht zur Schule gehen, aber ihr Vater ließ die beiden in seiner gut bestückten Bibliothek lesen, was sie wollten. Noch um 1900 war das die Ausnahme, denn oft wurden bestimmte Bücher vor Frauen versteckt oder sogar weggesperrt. Für Woolf war Literatur ihre Bildung.

Was fasziniert Sie an Woolf? Dass sie ihr Leben lang das Lesen geliebt und gefeiert hat. Obwohl sie selbst oft schwierige Avantgardeliteratur schrieb, verschmähte sie den gewöhnlichen Leser nicht, also uns alle. Kurz nach ihrer Heirat kaufte sie mit ihrem Mann eine handbetriebene Druckmaschine, um nicht der Willkür von Verlegern ausgesetzt zu sein. Vormittags schrieben die beiden, und nachmittags produzierten sie mit der Maschine auf dem Küchentisch ihre eigenen Bücher. Das war mühsam und aufreibend, aber letztlich der Grundstein für ihre Karriere.

Am Ende Ihres Buches fragen Sie anlässlich des Erfolges von „Shades of Grey“: Was ist nur mit den Frauen los? Ja, was denn? Ich meine das ironisch. Denn wie ja bereits Mary Wollstonecraft herausfand, gab es schon immer auch weibliche Schundliteratur. Ich sehe das entspannt. Im Grunde genommen ist „Shades of Grey“ eine moderne Version von „Pamela“ von 1740. Schon damals ging es um eine junge, unschuldige Frau, die einen sadistischen Mann umerzieht. Interessant ist, dass „Shades of Grey“ aus weiblicher Fan Fiction entstanden ist, denn E. L. James schrieb ja ursprünglich einfach nur zum Vergnügen die Vampirromane von Stephanie Meyer weiter. Diese waren jedoch so prüde, dass man darauf wohl zwangsläufig mit jeder Menge Sex antworten musste.

Wie sehen Sie die Zukunft des weiblichen Lesens? Positiv! Ich beobachte eine neue Generation von Leserinnen, die trotz aller anderen Angebote und technischer Entwicklungen an der Literatur festhalten. Schauen Sie mal ins Internet: es gibt unzählige Blogs und Lesekreise, in denen Frauen den Ton angeben und die Literatur feiern. Und ganz im Geiste von Virginia Woolf gründen immer mehr junge Frauen eigene Verlage, auch im E-Book-Bereich.

Danke! Danke! Danke!

dankeWas wäre ein Blog ohne Leser? Ohne andere Blogger? Genau: nichts. Oder eben ein Blog, den keiner liest und keiner braucht. Gähn. Das bleibt mir und meinem Blog zum Glück erspart.

Weil es Euch gibt! Weil Ihr lest, kommentiert, Likes vergebt, mailt, reagiert, abonniert, Feedback gebt. Weil Ihr da seid. Weil Ihr mit dazu beitragt, dass dieser Blog lebt.

Das freut mich. Und ich bin Euch dankbar dafür. Denn genau das war mein Ziel, als ich Ende Januar 2013 diesen Blog startete: ein Forum zu bieten, Reaktionen anzuregen, Literatur noch lebendiger zu machen – kurz: in Interaktion mit Euch zu treten. Dass es auf Anhieb so gut funktioniert hat, ist wunderbar.

Deswegen sage ich laut: Danke!! Und wünsche Euch alles Gute für 2014! 

Meine TOP 10 Romane 2013

topZugegeben: diese Liste ist total subjektiv und kein bisschen repräsentativ.

Unter den gefühlten 500 Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe (tatsächlich dürften es rund 250 gewesen sein), waren viele, die mir gefallen haben. Und diese 10, die ich am besten fand:

Dave Eggers – Hologramm für einen König (Kiepenheuer & Witsch)

Mohsin Hamid – So wirst du stinkreich im boomenden Asien (DuMont)

Marisha Pessl – Die amerikanische Nacht (S. Fischer)

Joel Dicker – Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert (Piper)

Max Scharnigg – Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau (Hoffmann & Campe)

Amy Waldman – Der amerikanische Architekt (Schöffling & Co.)

Kevin Brooks – Bis es dunkel wird (dtv)

Will Wiles – Die nachhaltige Pflege von Holzböden (carl´s books)

Doris Knecht – Besser (Rowohlt)

Kevin Powers – Die Sonne war der ganze Himmel (S. Fischer)