Buchbranche · Lesungen

Auf Lesereise mit Ken Follett

Vier Tage, vier Städte, zwei Länder. Hamburg, Berlin, München, Wien.

Letzte Woche war ich unterwegs mit Ken Follett. Mr. 160-Millionen-Weltauflage. Follett und sein Team (seine Ehefrau Barbara und zwei Assistenten) wollten diesmal alles ganz anders: keine Moderatoren und keine Schauspieler auf der Bühne, sondern nur den Autor selbst. Und ein moderativ-zusammenfassender Übersetzer in der ersten Reihe – meine Wenigkeit.

Ein völlig neues Lesungskonzept also, und entsprechend gespannt waren alle Beteiligten. Würde es inhaltlich klappen? Technisch? Menschlich?

Es klappte. Sehr gut sogar. Zunächst lief ein 14-minütiges Making-Of des neuen Follett-Bestsellers „Das Fundament der Ewigkeit“ (Lübbe). Darin sah man den 68-jährigen bei der Recherche in London, Paris, Sevilla, Orleans und Amsterdam. Anschließend betrat Follett die Bühne, erzählte aus seiner Kindheit, von Shakespeare und Ian Fleming, von seiner Faszination für historische Stoffe. Ich hielt Augenkontakt zu ihm, wir verständigten uns mit einem Nicken oder Zwinkern, kurze Übersetzung, wieder Englisch, ein fließender Übergang. Höchste Konzentration. Spannend. Präzise. 

Nach etwa 15 Minuten bat Follett sein Publikum, Fragen zu stellen – direkt. Und das taten seine Fans dann auch. Ein munterer Dialog entstand, in den ich wieder als Übersetzer eingebunden wurde. Nach einer guten Stunde war Schluss, zumindest für mich. Ken Follett signierte noch bis zu zwei Stunden lang. Während ich mich freute, ein Teil dieses höchst professionellen, britisch-höflichen Teams gewesen zu sein.

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Lockt Literatur nur die Alten?

Der historische Saal im Alten Rathaus Göttingen, vor ein paar Tagen. Ich sitze mit der türkischen Schriftstellerin und Journalistin Ece Temelkuran auf der Bühne. Wir diskutieren über Erdogan, Trump, inhaftierte Künstler, Populismus, die Einflussmöglichkeiten von Literatur und Temelkurans neuen Roman „Stumme Schwäne“ (Hoffmann und Campe). Eine Lesung, wie ich sie liebe: Aktuell, spannend, politisch, abwechslungsreich.

Im Publikum: überwiegend junge Leute, viele Studenten, höchstens zwanzig Prozent älter als 35 Jahre. Der beste Beweis, dass nicht nur Bildungsbürger 55 plus zu anspruchsvollen Lesungen kommen. Nicht dass ich etwas gegen ältere Zuschauer hätte (die außer bei Festivals tatsächlich oft die Mehrheit stellen) – aber es motiviert mich und alle Beteiligten, wenn sich auch literaturbegeisterter Nachwuchs zeigt. „Wow! Das war außergewöhnlich!“ meinte Ece Temelkuran, die sich bei ihren internationalen Auftritten manchmal wie auf einem Seniorentreff vorkommt. In der Türkei hat sie viele junge Fans, doch dort wird sie länger nicht mehr auftreten, aus Sicherheitsgründen. Die 43-jährige lebt inzwischen in Zagreb im Exil. Mein spannendes Interview mit Ece demnächst hier im Blog…

Ein dickes Dankeschön für diesen Abend an Anja Johannsen vom Literarischen Zentrum Göttingen und ihr Team!

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Warum ich meinen Job liebe

paul mcveigh, lesung, literaturblog, günter keilStille. Absolute Stille. 200 Zuschauer hören gebannt Paul McVeigh zu. Ich sitze neben dem nordirischen Schriftsteller auf der Bühne in Olpe und bin einfach nur dankbar. Für diesen Job. Für dieses Publikum. Für diese Literatur, die live noch lebendiger, greifbarer wird. McVeigh beantwortet meine Fragen nach seiner Kindheit inmitten des Bürgerkriegs in Belfast. Der 48-jährige spricht über die Angst, die er und seine sieben Geschwister hatten, über den Humor, den sie als Schutzschild und Waffe benutzten, über Bomben und Schüsse, die Armut seiner Familie, das Zusammenleben von einem Dutzend Menschen in zwei Zimmern. All dies floss in Pauls Roman „Guter Junge“ ein – ein Buch, mit dem der Ire einer Generation eine Stimme geben will, die unter Alpträumen und Schlaflosigkeit gelitten hat.

Natürlich sprechen wir auch über Whiskey, Irish Dance, Kilts. Und über alles, was das Leben ausmacht. Über Liebe und Leidenschaft, Krankheit und Tod. Ist das nicht wunderbar? Literatur führt Menschen zusammen, bewegt, immer wieder. Besonders dann, wenn Autoren auf Leser treffen. Dass ich diese Abende mit meiner Moderation mitgestalten kann, freut mich jedes Mal aufs Neue.

In den vergangenen zwei Monaten war ich wieder in ganz Deutschland unterwegs – mit Simon Beckett, Arne Dahl, Petros Markaris & Esmahan Aykol, Garry Disher und vielen anderen Künstlern. Und immer gab es einen oder mehrere magische Momente. Vielen Dank an alle, die das möglich machen: Autoren wie Paul McVeigh und ihre Verlage, Veranstalter wie Georg Spielmann von der Dreimann Buchhandlung, Menschen, die sich auf das Live-Abenteuer Lesung einlassen.

Lesungen · Moderation

Der Herbst ist schon da!

arne dahl. sieben minus eins, günter keil, piper, lesung, moderationNein, ich habe nicht die Jahreszeiten verwechselt. Es ist Sommer. Aber für mich ist auch schon Herbst, seit Wochen, irgendwie. Das liegt nicht am Wetter, sondern an den Planungen von Verlagen und Veranstaltern. Wie jeden Herbst werde ich jede Menge Lesungen moderieren. Und wie jedes Jahr werden dafür schon Monate im Voraus Termine festgemacht. Für mich ist das immer wieder aufs Neue ein spannendes Spiel. Denn ein halbes Jahr vorher weiß ich nicht, wann ich wo mit wem auf einer Bühne stehen werde. Doch dann, fünf, vier, drei Monate vorher, kommen immer mehr Anfragen. Manche überschneiden sich (schade!), manche ergänzen sich (genial!). Für mich heißt das: planen, organisieren, vorbereiten. Schon jetzt Bücher lesen, Autoren kontaktieren, Interviews ausdenken, Reisen organisieren.

Was mich in diesem Herbst besonders freut: Ich moderiere fünf Lesungen mit dem Schweden Arne Dahl (Foto). Sein neuer Thriller „Sieben minus eins“ (Piper) erscheint Anfang September, später sind wir in Göttingen (15.9.), Iserlohn (18.9., Festival „Mord am Hellweg“), Köln (19.9. „Crime Cologne“), Leipzig (21.10.) und München (8.11., Krimifestival). Unterstützt werden wir u.a. von den großartigen Schauspielern Christian Berkel und Gerd Köster.

Sehr gespannt bin ich auch auf die israelische Autorin Dorit Rabinyan (28.9., München), den Iren Paul Mc Veigh (15.11., Olpe) und den Briten Philip Kerr (25.11., München). Bei Europas größtem Krimifestival „Mord am Hellweg“ moderiere ich außerdem Veranstaltungen mit Garry Disher, Petros Markaris und der Türkin Esmahan Aykol.

Ach ja, auf der Buchmesse moderiere ich natürlich auch. Und und und… (mehr dann zeitnah)

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Worauf ich mich im Literaturjahr 2016 freue

booksKönnt Ihr mal bitte kurz zur Seite gehen? Oder vielleicht gleich verschwinden? Nein. Letzteres besser nicht. Ich brauche Euch Bücherstapel schließlich auch 2016, egal wie sehr Ihr mir im Weg steht und Druck macht. Ja, ich werde Euch verschlingen, rezensieren!

Die neuen Frühjahres-Romane sind bald da. Von John Irving, Karen Duve, Yann Martel, Heinz Strunk, Michael Connelly, Julie Zeh, Don Winslow, Benedikt Wells, Stuart O´Nan, Gianrico Carofiglio, Castle Freeman, Shida Bazyar, Martha Grimes…

Worauf ich mich noch freue: jede Menge Moderationen. Los geht´s am 14. Januar live auf www.litlounge.tv mit Österreichs Thrillerautor Nr. 1 Bernhard Aichner. Wir werden uns eine Stunde lang unterhalten – über seine internationalen Bestseller „Totenfrau“ und „Totenhaus“. Und über alles, was man über Aichner wissen muss.

Am 13. März eröffnet US-Starautor Don Winslow im Literaturhaus das Krimifestival München. Ich moderiere die Veranstaltung mit Schauspieler Dietmar Wunder und Winslows neuem Roman „Germany“. Anschließend touren wir drei durch Deutschland (Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig, Olpe) – das wird genial!

So. Eigentlich wollte ich es ja kurz machen. Also noch schnell ein paar Termine, auf deren Moderation ich mich ebenfalls freue: Die Verleihung des Stuttgarter Krimipreises, die Eröffnung der Bücherschau Junior in München und diverse Lesungen auf der Buchmesse Leipzig.

Mehr dann hier im Blog. Und immer aktuell auf meiner Facebook-Seite.

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On the road (auf Lesereise)

zugHannover. Immer wieder Hannover. Vor kurzem war ich drei Mal in Hannover. Innerhalb einer Woche. 17 Minuten, 38 Minuten, 21 Stunden. Sowas kommt vor, wenn man kreuz und quer durch Deutschland fährt und fliegt, um Lesungen zu moderieren. In den vergangenen Wochen war ich außerdem in Lüneburg (zwei Mal), Braunschweig (zwei Mal), München, Hamburg, Frankfurt, Haldensleben, Wolfsburg, Köln, Bergheim, Düsseldorf. Auf Festivals, in Buchhandlungen und vor allem: auf Bahnsteigen. Uelzen etwa hat den größten Bahnhof der Republik. Ich kam auf Gleis 304 (!) an und musste auf Gleis 103 (!). Und in Haldensleben bewunderte ich mit den schwedischen Bestsellerautoren Erik Axl Sund ein Retro-Schild (Foto).

Aber das Reisen ist ja nur ein Nebeneffekt der Lesungen. Viel wichtiger: Die Veranstaltungsorte, das Publikum, die Saalbeleuchtung. Und: die Technik. Trotz Soundcheck passieren immer wieder seltsamste Dinge. Mikros rauschen, knacken, sirren oder geben einfach auf. Einmal krachte es während der Lesung so laut wie bei einem Bombenanschlag. Ein anderes Mal fiepte eine Rückkoplung so fies, dass 200 Besucher sich verschreckt die Ohren zuhielten. Doch in aller Regel sind (erfolgreiche) Lesungen schöner als Weihnachten. Denn sie machen alle Beteiligten glücklich: Veranstalter, Buchhändler, Autoren, Verlagsleute, Leser. Und Taxifahrer, Hotelangestellte, Journalisten…

Übrigens: Wenn man oft mit Thrillerautoren unterwegs ist, kann dies die Wahrnehmung verzerren. Nach unserer Lesung mit US-Autorin Karen Rose und Schauspielerin Floriane Daniel beim Krimifestival Braunschweig wollten wir im kleinen Kreis noch etwas essen gehen. Doch Floriane war verschwunden. Ans Handy ging sie nicht, ihr Hotelzimmer war leer. Hatte man sie versehentlich am Veranstaltungsort eingesperrt? Wurde sie entführt? Hielt sie ein Stalker gefangen? Hatte sie einen schlimmen Unfall? Wüste Vermutungen machten die Runde, allesamt angelehnt an den Plot, um den es bei der Lesung ging. Eine Stunde später schickte Floriane eine SMS, sie sei wohlauf und sitze bei einem Glas Wein mit ihrer Tante.

Krimis & Thriller · Lesungen · Neuerscheinung

Warum Eltern ihren Kindern vorlesen sollten und warum es nicht Schopenhauer sein muss

juanJuan Gómez-Jurado ist zwar erst 37 Jahre alt, aber schon einer der erfolgreichsten spanischen Autoren. Seine Bücher, überwiegend Thriller („Zerrissen“, dtv), werden in mehr als 40 Sprachen veröffentlicht. Ich moderierte vor kurzem eine Lesung mit Gómez-Jurado (Foto) und staunte nicht schlecht: Der quirlige Spanier sprüht vor Wortwitz, macht sich über sich selbst und alles andere lustig. Ja, Juan Gómez-Jurado ist: ein begnadeter Erzähler, Unterhalter, Comedian.

Die Ursache dafür liegt auch in seiner Kindheit: „Früher hat mir mein Vater jeden Abend eine Geschichte vorgelesen. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, ging er sofort zu mir ins Zimmer, nahm ein bestimmtes Buch und las mir daraus vor. Ich hörte wie gebannt zu, schlief irgendwann ein und fieberte am nächsten Tag wieder diesem Moment entgegen. Es war immer der gleiche Band, aus dem er mir eine andere Geschichte vorlas. Als ich älter war, sah ich, dass das Buch von Schopenhauer stammte. Aber die Geschichten meines Vaters waren definitiv keine Schopenhauer-Texte. Das heißt, er hatte immer nur so getan, als ob er vorliest. Er erfand die Geschichten! Ich mache das heute ähnlich: Auch meinen beiden Kindern erzähle ich dauernd irgendetwas Erfundenes. Und meine Thriller dürfen sie erst dann lesen, wenn sie 15 sind!“