Lies das!

Kein einziges überflüssiges Wort steht in diesem erstaunlich kurzen Kriminalroman „Die Stadt, das Geld und der Tod“ (Culturbooks). Frank Göhre protokolliert die Aktivitäten eines rumänischen Clans, der mit Immobiliengeschäften, Bars, Nachtclubs und Drogenhandel in Hamburg ein Vermögen verdient und von besten Verbindungen in die Politik profitiert. Die knappen, harten Sätze wirken wie Mündungsfeuer oder Blitzlichter, und sie geben die Atmosphäre in der Unterwelt perfekt wieder.

Ivo und Nicolai heißen die Anführer der skrupellosen Familie, die zwei gravierende Probleme bekommen: Ivos 16jähriger Sohn stirbt an einer hohen Dosis Amphetamine, und die zugesagten Kredite für ein neues Gastroprojekt bleiben aus. Sind die Tage des Clans etwa gezählt? Ivo und Nicolai kämpfen um die Aufklärung des Todes und den Erhalt ihrer Macht – und sie verfolgen unerbittlich ihr Ziel, sich von protzigen Goldketten zu feinem hanseatischem Tuch zu verbessern.

Frank Göhre ist ein schnörkelloser Chronist, der keine Ermittler im Einsatz beobachtet, sondern ausschließlich Gangster und ihre Komplizen in einer verfilzten und korrupten Stadt. Eine brillant verdichtete Milieustudie auf 160 Seiten, die von Härte und Schärfe lebt. Dem heftigen Milieu-Ton kann man sich kaum entziehen – als ob eine unsichtbare Stimme aus dem Buch ruft: Lies das, verdammt nochmal! Und hör nicht auf, bevor du das Ende kennst!

Die Frau, die sich gegen Cyberstalking wehrt

Alle haben Mitleid mit Ruth. Aber Ruth will einfach nur ihre Ruhe und allein wieder rauskommen aus ihrer Trauer über den Tod ihres Mannes Ludwig. Sie waren 22 Jahre ein Paar, und seit drei Jahren lebt Ruth ohne ihn, mit einem ihrer beiden Söhne und ihrer Stieftochter. Soweit die Ausgangslage von Doris Knechts neuem Roman „Die Nachricht“ (Hanser Berlin).

Irgendwie kriegt Ruth ihr Leben ohne Ludwig schon auf die Reihe, sie schreibt Drehbücher und beginnt eine Beziehung mit Simon, einem charmanten Kinderpsychologen. Das Problem ist nur, dass er sich oft wochenlang nicht meldet. Eine typische fatale On/Off Beziehung, aus der sich Ruth einfach nicht verabschieden kann.

Viel schlimmer ist allerdings, dass Ruth anonyme Nachrichten aufs Handy bekommt. Irgendjemand beschimpft und belästigt sie. Der oder die Täter*in kennen Ruth offenbar ganz genau, denn in den Nachrichten stehen intime Details über Ludwigs frühere Affäre, über Simon, über Ruths Kinder. Als die Nachrichten auch in Ruths Freundeskreis eintreffen, steht alles auf dem Spiel, ihre Eigenständigkeit, ihr komplettes Leben. Wer steckt nur dahinter, wer möchte sie fertigmachen? Ruths Recherchen führen bis kurz vor dem Schluss ins Nichts.

Doris Knecht hat einen starken Roman über Cyberstalking geschrieben, eine raffinierte klischeefreie Geschichte über Verleumdungen und Verdächtigungen, über eine moderne Patchworkfamilie, den Umgang mit Trauer, Schmerz und digitaler Gewalt. Knechts Sprache kommt lässig, bisweilen mit feiner Ironie daher, und sie führt durch ein dichtes, intensives Drama, das in Wien und Umgebung spielt.

P.S. In meiner Literatursendung auf egoFM ist Doris Knecht am 11. September zu Gast. Zur Show hier. 

Nach der Sommerpause…

Sommerpause? Wie bitte? Eine richtige Pause war das sowieso nicht. Es gab nur für ein paar Wochen keine neuen Folgen des Podcasts LONG STORY SHORT und keine neuen Ausgaben der „egoFM Buchhaltung“. Gelesen und recherchiert habe ich allerdings noch mehr als sonst, und, wichtig: viele neue Ideen gesammelt für den Herbst.

Schließlich stehen tolle Veranstaltungen an – ich moderiere Lesungen und Talks mit Judith Hermann, Anthony Doerr, Douglas Stuart, Michael Thode, Jonathan Strout, Karen McManus, Alice Brauner und anderen. Im September moderiere ich zudem einen Abend zum 25. Jubiläum des Mailk-Verlages und im Literaturhaus Herne/Ruhr werde ich im Oktober meine Lieblingsbücher des Herbstes vorstellen. Vorausgesetzt, Corona macht uns nicht zum gefühlt hunderten Mal einen Strich durch die Rechnung.

Ganz aktuell ist eine neue Folge LONG STORY SHORT online auf allen Plattformen. Karla Paul und ich stellen darin unter anderem „Sein Name war Annabel“ von Kathleen Winter und „Das Adressbuch der Dora Maar“ von Brigitte Benkemoun vor (beide btb Verlag). Um unseren Podcast fit für die Zukunft zu machen und Eure Wünsche umzusetzen, haben wir gemeinsam mit Penguin Random House eine kurze Umfrage erstellt – wir freuen uns, wenn Ihr mitmacht! Einfach hier klicken.

Vor ein paar Tagen saß ich bei einer der international erfolgreichsten Bilderbuch-Illustratorinnen daheim auf dem Sofa:

Binette Schroeder erzählte mir wunderbare Anekdoten über ihre Arbeit und die Erfindung ihrer berühmtesten Figur „Lupinchen“ (Nord-Süd Verlag). Dazu gab es Tee und Zwetschgendatschi, serviert von Schroeders Mann Peter Nickl. Aus dem Gespräch bastle ich nun ein großes Interview für das Magazin MÜNCHNER FEUILLETON. Im September erscheint übrigens Binette Schroeders neues Buch „Herr Grau & Frieda Fröhlich“.

Amerikanisch-japanische Annäherung

Ben & Mike. Ein Schwarzer & ein Asiate. Schwul. Ein Paar.

Der Kindergärtner und der Koch aus Bryan Washingtons Roman „Dinge, an die wir nicht glauben“ (Kein & Aber) leben in Houston, Texas. Ben und Mike sind seit vier Jahren zusammen, sie streiten sich oft, und genauso oft haben sie (danach) Sex. Soll das ewig so weitergehen, fragt sich Ben, der sich ohnehin dauernd den Kopf über ihre Beziehung zerbricht, wohingegen Mike einfach drauflos lebt und auch andere Männer vögelt. Als Mike dann auch noch verkündet, dass er für mindestens einen Monat allein nach Japan reisen wird (um seinen schwerkranken Vater zu besuchen) und seine Mutter währenddessen bei Mike einziehen soll, scheint das Paar endgültig am Ende zu sein.

Doch nach dem kühlen ersten Kennenlernen arrangiert sich Ben überraschend gut mit Mikes Mutter Mitsuko. Sie kochen gemeinsam und erlauben sich gegenseitig Einblicke in ihre Leben, ihre Beziehungen, ihre Werte. Bryan Washington erzählt mit trockenem Humor und mit knappen, scharfen Sätzen von dieser amerikanisch-japanischen Annäherung und von der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Ben und Mike. In der ersten Hälfte des stilsicheren Romans nimmt Washington die Perspektive von Ben ein, in der zweiten die von Mike. Heraus kommt dabei ein ausgewogenes, lässiges Porträt eines schwulen Paares und eine lebhafte Geschichte übers Anderssein, Kochen und die Frage, was überhaupt Liebe ist und welche Rolle Sex dabei spielt.

Liebevoll lakonisch

„Irgend jemand hat einmal gesagt, dass es zwei Sorten von Menschen gibt, die unterschiedlich auf das Leiden anderer reagieren: die einen denken: das kann mir auch passieren. Die anderen denken: so etwas wird mir nie passieren. Die einen helfen uns, durch zu halten, die anderen machen uns das Leben zu Hölle.“

Leid. Schmerz. Krankheit. Tod. US-Autorin Sigrid Nunez packt in „Was fehlt dir“ (Aufbau Verlag, übersetzt von Anette Gruber) harte Themen an. Doch sie erzählt davon so leicht und locker, so anekdotisch und humorvoll, dass man beim Lesen nicht selten schmunzeln muss und sich zu neuen Gedanken angeregt fühlt.

Es ist eine kleine, kammerspielartige Geschichte, die weit hinaus führt ins große Ganze, auch in die Welt der Philosophie. Die Rahmenhandlung klingt zunächst einmal traurig: Eine Frau, die Ich-Erzählerin, will ihrer Freundin beim Sterben helfen, denn sie ist unheilbar krank. Die beiden mieten sich in einem schönen Haus auf dem Land ein, wo sie sich auf den Tod vorbereiten wollen.

Doch kann man das eigene Sterben wirklich planen, kann man Schmerz und Trauer, Trost und Mitgefühl organisieren? Die New Yorkerin Sigrid Nunez erzählt liebevoll lakonisch, kommentiert trocken, und sie behandelt in ihrer effizienten Sprache zutiefst menschliche und psychologische Fragen. Nunez macht sich Gedanken übers Heilen und Hoffen, über den Klimawandel und das Altwerden, über Einsamkeit und Trost. Auf diese Weise entsteht ein gehaltvolles, anspruchsvolles Buch, das sich allerdings unangestrengt lesen lässt und völlig ohne Pathos, Kitsch und Gelaber auskommt und in dem zwischendrin auch ein Kater auftaucht, der der Erzählerin von seinem aufregenden Leben berichtet. Ein philosophisches und sehr humanes Meisterwerk, zweifellos.

„Es war das Leben, das war es. Das Leben, das weitergeht, trotz allem. Das chaotisches Leben. Das unfaire Leben. Das Leben, das gelebt werden musste. Mit dem ich leben musste. Denn wenn ich es nicht hat, wer würde es dann tun?“

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung auf egoFM am 24. Juli vorgestellt. Zur Show hier. 

Daniela Krien über Zuneigung, die Risse bekommt

Monatelang stand Daniela Kriens Roman „Die Liebe im Ernstfall“ auf den Spitzenpositionen der Bestsellerlisten und wurde in 25 Sprachen übersetzt – ein Riesenerfolg für die Leipziger Autorin. Und sicher nicht der letzte, wie ihr neuer Roman zeigt. Denn Krien gelingt es erneut, einen Ton anzuschlagen, der von Beginn an neugierig macht, der das Weiterlesen geradezu einfordert. Während in „Die Liebe im Ernstfall“ vier Frauen aus Leipzig im Mittelpunkt standen, ist es nun in „Der Brand“ (Diogenes) ein Ehepaar aus Dresden. Rahel und Peter. Die Psychologin und der Germanistik-Professor sind seit fast 30 Jahren verheiratet, sie haben zwei Kinder großgezogen, und sie sind weitestgehend gesund. In der Mitte ihres Lebens könnten sie also durchaus glücklich sein, doch Daniela Krien zeigt, wie schwierig das ihren Figuren fällt.

Leidenschaft und Erotik sind für Rahel und Peter nur noch eine vage Erinnerung. Sie schlafen in getrennten Zimmern, und sprechen viel zu selten über die beunruhigende Distanz, die seit anderthalb Jahren zwischen ihnen wächst. Umso wichtiger erscheint ihnen der gemeinsame Urlaub in einem Ferienhaus in den Bergen. Kurz vor dem Antritt der Reise werden sie jedoch vom Vermieter informiert, dass das Domizil abgebrannt ist – eine Katastrophe, vor allem für den schweigsamen Peter, der sich auf lange Wanderungen gefreut hatte. Schon kurz darauf ergibt sich eine Alternative: Das Ehepaar hütet den Bauernhof eines befreundeten Paares in der Uckermark. Drei Wochen lang sollen Rahel und Peter die Tiere und den Garten pflegen, während sich Ruth und Viktor, die Besitzer, in einer Rehaklinik an der Ostsee aufhalten.

Im Präsens, in einer feinen, klaren Sprache, erzählt Daniela Krien von kleinen Zurückweisungen und großen Verletzungen, die im Urlaub besonders deutlich werden. Rahel wünscht sich Nähe und Zärtlichkeit von Peter, tiefe Gespräche und neues Vertrauen, wohingegen er fast immer allein sein möchte. Zwar kocht und isst das Paar gemeinsam, es schwimmt im nahegelegenen See, und es verständigt sich über die Versorgung des Pferds, der Katzen und Hühner und des Weißstorchs. Doch Rahel und Peter spüren, wie ihnen die Liebe abhanden gekommen ist, wie sie mit ihren jeweiligen Bedürfnissen voneinander allein gelassen werden. Daniela Krien findet für diese Entfremdung bewegende Momente in angespannter Stille, mit versteckten Tränen und zunehmender Verzweiflung hinter geschlossenen Türen.

Wie gehen zwei anständige, intelligente Menschen damit um, dass nicht nur sie selbst älter werden, sondern auch ihre Zuneigung schmerzvolle Risse bekommt? Wie können sie hoffnungsvoll bleiben in einer Welt, die in Pandemiezeiten noch mehr zu zerfallen zu scheint? Vor dem Hintergrund dieser Fragen setzt Daniela Krien ihren klugen Plot in Szene, und sie beobachtet ihre Figuren wie eine Therapeutin, mit scharfem Blick, aber stets verständnisvoll. Da Krien zügig und authentisch schreibt, folgt man der von ihr souverän geschilderten Paardynamik mit bangen Fragen: Werden Rahel und Peter je wieder zueinander finden? Oder müssen sie ihren nächsten Lebensabschnitt getrennt beginnen?

An der Impffront

Rainer Jund ist einer, der ganz vorne mitkämpft, an der „Impffront“. Der Münchner HNO-Arzt hat ein hochaktuelles Taschenbuch veröffentlicht, in dem er von seinen Impferlebnissen erzählt. Klug, reflektiert und authentisch, in knappen, kompetenten Sätzen. An manchen Stellen gekonnt zugespitzt oder poetisch verdichtet. Jund liefert keine Abrechnung, auch kein Fachbuch, sondern zeigt vielmehr ein umfassendes, realistisches und sehr menschliches Bild der Situation hinter den Türen seiner Praxis.

„Von der Impffront“ (FBV) heißt das schmale Werk, in dem der Arzt wie schon in seinem literarischen Debüt „Tage in Weiß“ (Piper) direkt aus seinem Alltag berichtet – von Stress und Unsicherheit innerhalb seines Teams, von Bauchgefühl und Unwissen bei manchen Patienten, von widersprüchlichen Vorschriften der Politik. Nach der Lektüre wird klar, dass das Impfen in einem Spannungsfeld stattfindet, zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Angstmache und Hoffnung. Jund macht die Erfahrung, dass die meisten seiner Patienten dankbar sind; und einige unbelehrbar. Bemerkenswerte kurze Texte, die viel enthüllen – übers Impfen, über uns und unsere Mitmenschen.

„Gott sei Dank sind es nicht viele, die die Impfung nicht wollen. Die Angst haben. Es erscheint ihnen zu riskant. Die anderen, die sich impfen lassen, akzeptieren das Risiko aber. Und nehmen damit nicht nur potentielle Impfnebenwirkungen in Kauf, sondern tragen auch ganz wesentlich dazu bei, dass Ungeimpfte und Impfgegner durch die Verminderung der Ansteckungswahrscheinlichkeit besser geschützt werden.“

Hoch oben in Südtirol

Hach… ist sie nicht herrlich, die Bergwelt? Grandiose Natur, ein Traum zum Wandern und Skifahren, für einen Kurzurlaub auf einem Bauernhof… Ja, dort oben können wir Stadtmenschen uns so richtig erholen und in Klischees denken.

Doch wie geht es tatsächlich den Leuten, die dort oben wohnen? Die versuchen, ihre Tiere, Felder und Höfe über Generationen hinweg zu pflegen? Die den Spagat zwischen Landwirtschaft und Familienleben wagen? Um diese Fragen hat Jarka Kubsova mit “Bergland” (Wunderraum) einen großartigen Roman gestrickt. Sie erzählt von einer Familie, die im abgelegenen Tiefenthal in Südtirol einen Hof bewirtschaftet. Auf 1650 Metern Höhe. Das ist keine klassische Generationensaga, sondern ein moderner, prägnanter Blick hinter die Fassaden von Tourismus und Tierhaltung.

Im Mittelpunkt stehen Rosa und Franziska, zwei Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts und in der Gegenwart ihren Hof in Schuss halten. Die eine auf traditionelle Art, die andere ganz fortschrittlich – mit allen Vor- und Nachteilen. In einer hellen, wachen Sprache berichtet Jarka von Gastfreundschaft, Rentabilität, Kindererziehung, Gleichberechtigung, und immer wieder von der Faszination der Natur. Ein kurzer, komplexer Roman mit dem Informationsgehalt eines Sachbuchs, der trotzdem mit einer angenehmen Leichtigkeit daherkommt.

Ach ja, und nachhaltig ist dieses Buch sogar auch noch, denn man will es gleich noch einmal lesen oder dem Hörbuch des Hörverlags lauschen.

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung auf egoFM am 24. Juli vorgestellt. Zur Show hier. 

Live aus der Black Community

„Der Notizblock war unser Zauberbuch, beschwor die Urgewalten des Asphalts herauf, ältere Götter, weinende Vorfahren, und sie alle standen hinter mir.“

Eine schwarzer Junge entdeckt das Reimen, den HipHop, das Trommeln auf einer Djembé. Das wird seine Rettung, damals in den Achtzigerjahren in einem von Gewalt und Arbeitslosigkeit geprägten Viertel von Baltimore. Der Zwölfjährige ist Ta-Nehisi Coates, heute einer den wichtigsten Intellektuellen der USA. In seiner temporeichen Mini-Autobiografie „The Beautiful Struggle. Der Sound der Straße“ (Blessing, übersetzt von Bernhard Robben) blickt er zurück.

Coates beschreibt sein früheres Ich als eher linkisch, mittelmäßig und unmotiviert, lange nicht so cool wie die anderen schwarzen Jungs aus den Gangs. Sein Vater, die prägendste Figur in seinem Leben, ist ständig pleite, ein schamloser Casanova, er hat sieben Kinder von vier Frauen, predigt über Schwarze Identität und Malcom X, und er legt viel Wert auf Wissen und Bildung. Wenn seine Söhne sich doof anstellen, schlägt er sie mit seinem Ledergürtel. Fürsorge und Gewalt liegen nah beieinander, und die Schwarzen in der Nachbarschaft beschimpfen sich selbst ständig als „Motherfucker“ oder „Nigger“.

Zum Glück entdeckt Ta-Nehisi irgendwann HipHop, und der Sound der Straße wirkt bewusstseinserweiternd. Endlich kriegt er die Kurve und schlafwandelt nicht länger durch sein Viertel. Er schreibt Reime und liest viel, und jetzt, viele Jahre später, schaut er ehrlich, unverstellt und mit Selbstironie auf sein Erwachsenwerden. Die Kapitelüberschriften stammen übrigens von Klassikern des HipHop, etwa von Eric B & Rakim, A Tribe called Quest oder den Jungle Brothers. Damit ist auch klar: Das ist eine rhythmische, energiegeladene, schnelle Story mit Slang-Vokabular. Fazit: Aufregende Literatur live aus der Black Community über ein Kind unter dem Einfluss von Black Panther, Straßenkriminalität und Bürgerrechtsaktivist*innen.

Ich stelle das Buch am 24. Juli in meiner Literatursendung auf egoFM vor. Zur Show hier. 

Kurz vor der Sommerpause…

…moderiere ich noch die neuesten Folgen meiner Literatursendung „Die egoFM Buchhaltung“ und des Podcasts LONG STORY SHORT mit Karla Paul.

Im Radio empfehle ich heute die neuen Romane von Jarka Kubsova, Ta-Nehisi Coates, Sigrid Nunez und Max Annas. Außerdem gibt´s den neuen Kriminalroman von Tess Gerritsen zu gewinnen und ich spreche mit Tabea vom ecco Verlag über Gleichberechtigung von Autorinnen. Von 14-16 Uhr auf egoFM.de oder ab Montag hier auf der Homepage meiner Show zum Nachhören (ohne Musik).

Im Podcast diskutieren Karla und ich über Nana Oforiatta Ayim, Keigo Higashino, Lena Andersson und Chloe Benjamin. Die 50 bisherigen Folgen hört Ihr auf allen Plattformen oder hier auf der Homepage von LONG STORY SHORT. Am 24. August sind wir mit der nächsten Folge wieder online. Viel Spaß beim Lauschen!

Hier im Blog gebe ich übrigens auch weiterhin Buchtipps, trotz Sommerpause. Ihr kommt also hoffentlich weiterhin ins Grübeln, welche Neuerscheinungen für Euch geeignet sind!