Bekenntnisse eines Betrügers

Achtung, bitte festhalten! Denn jetzt jagen wir durch Indien, durch eine turbulente, temporeiche Satire. Ironischerweise ist das ein Bildungsroman, aber ganz anders als der Begriff verspricht. Der Ich-Erzähler Ramesh, ein 24jähriger Lebenskünstler, nennt sich „Bildungsberater“. Er verkauft seine eigene Bildung an Leute, die es sich leisten können. Das alles passiert in Rahul Rainas „Bekenntnisse eines Betrügers“ (Kein & Aber, übersetzt von Alexander Wagner).

Ramesh ist zwar nur der Sohn eines armen Teestandinhabers, aber er war immer der beste in Prüfungen. Daraus hat er ein Geschäftsmodell gemacht: Reiche Familien lassen ihn die Prüfungen für ihre dummen Kinder absolvieren – kein Problem im korrupten Indien. Ramesh ist also ein professioneller Prüfungsbetrüger, und nachdem er unter einem falschen Namen bei den nationalen Uni-Aufnahmeprüfungen den ersten Platz belegt hat, läuft alles aus dem Ruder.

Denn offiziell hat nicht Ramesh die Prüfungen bestanden, sondern ein dicker, doofer Nichtsnutz, der 18-jährige Rudi. Rudi wird ein Star, er bekommt Werbeverträge und eine TV-Show, und Ramesh wird sein Diener, Manager und Assistent. Die beiden scheffeln Millionen, aber der Absturz ist nah; zu viel Champagner und Koks und ein fatales Kidnapping schleudern sie aus der Welt der Reichen und Schönen.

Fazit: Eine lässig erzählte, smarte Satire über das korrupte Bildungssystem und den hinduistischen Nationalismus in Indien mit einem charmanten Gauner als Hauptfigur. Großes Kino mit einer Portion „Slumdog Millionaire“.

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung bei egoFM vorgestellt – ihr hört die Show hier im Stream (ohne Musik).

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