Warum das Lesen in Gefahr ist – und Leseförderung so wichtig

„Lesen ist wie Fahrrad fahren: Man kann es erst genießen, wenn man nicht mehr über die Technik nachdenken muss. Im Zeitalter der digitalen Revolution brauchen wir die Revolution des Lesens mehr denn je. Kinder brauchen Bücher. Für ihre und für unsere Zukunft. Sorgen wir dafür.“

(Birgit Franz)

Im Rahmen meines VG WORT Stipendiums habe ich mit der Münchner Kommunikations- und Buchwissenschaftlerin Birgit Franz (Fotocredit: Marion Hogl) gesprochen. Sie betreut mit ihrer Agentur Marketing & Texte verschiedenste Projekte in der Buchbranche und engagiert sich seit zwei Jahrzehnten in der Leseförderung, weil für sie Sprache und Lesen die Basis für alles sind: den Erfolg des persönlichen Lebens und unserer Gesellschaft. Franz mahnt, dass das Lesen für heutige Heranwachsende seine Selbstverständlichkeit zu verlieren droht. Was fatal wäre, denn „Lesen ist kein genetisch verankertes Programm, sondern eine erlernte Kulturtechnik.“, sagt Franz.

Sie bezieht sich unter anderem auf die Leseforscherin Maryanne Wolf, die den fundamentalen Unterschied zwischen digitalem und vertieftem Lesen untersucht hat. Letzteres, so Wolf, fördere die Empathie und die Fähigkeit, die Perspektive anderer einzunehmen, »eine unabdingbare Voraussetzung in einer Welt, in der immer mehr Kulturen, immer häufger aufeinandertreffen.« Vertieftes Lesen helfe zudem dabei,

Neues mit vorhandenem Wissen abzugleichen, kritisch zu analysieren und Rückschlüsse zu ziehen – ein Schutz vor leichter Beeinflussbarkeit und Fake News.

Doch nach der IGLU-Studie, die das Leseverhalten von Zehnjährigen prüft, kann fast ein Fünftel der deutschen Schüler*innen nicht gut genug lesen, um bestimmte Texte auch zu verstehen. „Umso mehr wundert es, dass das Quartett aus Eltern, Schulen, Bibliotheken und Buchbranche mit diesem Thema weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Das Engagement der Wirtschaft, die über Azubis klagt, die nicht ordentlich lesen und schreiben können, ist, gelinde gesagt, zurückhaltend. Denn Lesen taugt wenig als PR. Lesen ist eine individuelle Sache und längst nicht so medienwirksam wie Sport, Kunst, Theater oder Tanz. Und nachhaltige Initiativen der Politik fehlen noch immer.“, kritisiert Birgit Franz. In die Bresche sprängen zwar unzählige Leseförderer, kreativ und engagiert, aber ehrenamtlich und fast immer begrenzt durch fehlende finanzielle Mittel. Das muss sich dringend ändern, finde auch ich!

2 Gedanken zu “Warum das Lesen in Gefahr ist – und Leseförderung so wichtig

  1. Lesekompetenz. Beweise für eine verkümmerte Lesekompetenz liefern öfter meine Schüler, die schon den Extrakt in den Klausurtexten nicht finden und die entscheidenden Punkte überlesen oder gar nicht zur Kenntnis nehmen. Berufsausbildung. Es handelt sich dabei um Polizeianwärter – hoffentlich lesen das nicht allzu viele. 😉

  2. Ich hoffe sehr, dass meine Nichte (bald 4) Freude am Lesen haben wird. Wir lesen ihr vor und sie liebt es, ich gehe mit ihr in die Bücherei zu den Lesezwergen und hoffe, sie mit meiner Liebe zu den Büchern anzustecken.

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