Trip durch Seoul für alle Sinne

Still, mysteriös, umgeben von dunkler Schönheit. So ist sie, diese unkonventionelle Geschichte. Bae Suahs „Weiße Nacht“ (Suhrkamp, übersetzt von Sebastian Bring) spielt im einzigen Hörtheater von Seoul. Die 28-jährige Ayami arbeitet dort als Bürokraft, Bibliothekarin und Kartenverkäuferin. Sie wirkt ein bisschen merkwürdig im positiven Sinn, sie hört etwas in ihrem inneren Flüstern, sie ist aufmerksam und ruhig, beobachtet die wenigen Gäste des Hörtheaters und die Passanten auf der Straße.

Nur noch wenige Tage, dann wird das Hörtheater für immer geschlossen. Während die Sommerhitze Seoul betäubt und matt macht, streift Ayami durch die drückende feuchte Stadt, hat eigentümliche Begegnungen, trifft einen Straßenprediger, eine blinde Eule, besucht eine Ausstellung mit dem Titel „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ – und genau das fragt sie sich auch.

Bae Suah lässt die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum zerfließen. Ihr kurzer Roman besticht durch magische Momente, die an Werke von Yoko Ogawa und Haruki Murakami erinnern. Etwas Metaphysisches schwebt mit, und so liest sich das Buch wie eine Meditation übers Anderssein und anders wahrnehmen – es ist eine tranceartige Geschichte über Außenseiter, die in Seoul auf Reisen gehen, mit allen Sinnen.

Ich habe den Roman in meiner Literatursendung auf egoFM vorgestellt. Zur Show hier. 

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