Oh!

Hm… „Oh William!“ (Luchterhand, übersetzt von Sabine Roth), was mag das nur bedeuten? Was meint Elizabeth Strout damit? Das Oh! ist jedenfalls sehr wichtig in diesem Roman, und es steht zu recht im Titel. Denn dieses überhaupt nicht genervte, sondern verständnisvolle Oh fängt die Stimmung der Geschichte wunderbar ein. Es ist ein Oh, das nach Freundschaft und Liebe, Trauer und Schmerz klingt.

In einem persönlichen, unaufgeregten Ton lässt Elizabeth Strout ihre Figur Lucy Barton erzählen. Lucy ist inzwischen eine alte Frau, und sie spricht von William, ihrem ersten Mann. Fast zwanzig Jahre waren sie verheiratet, sie haben zwei Töchter, sind längst geschieden, aber einander verbunden geblieben. In letzter Zeit berichtet Willam Lucy besorgt von seinen Ängsten. Manchmal träumt er von seinen verstorbenen Eltern, und das treibt ihn um. Lucy selbst trauert über ihren verstorbenen zweiten Mann, aber darüber möchte sie nicht weiter reden.

Eigentlich ist dieser Roman eine Collage von gekonnt miteinander verbundenen Erinnerungen. Lucy erzählt wehmütig und empathisch, anekdotenhaft wie unter Freundinnen, und so entsteht eine versöhnliche, kluge Geschichte über das Oh und das Leben, und Elizabeth Strout beweist mal wieder, das sie die Experitin für das Kleine, Alltägliche, Liebevolle und Schmerzhafte ist.

Ich habe den Roman im Podcast LONG STORY SHORT vorgestellt – zum Nachhören auf allen Plattformen. Zudem gibt es eine Rezension in meiner Literatursendung „Die Buchhaltung“ bei egoFM.

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