Elegant dahingeplaudert

Ich behaupte ganz frech: Heinrich Steinfests „Amsterdamer Novelle“ (Piper) ist ein kurzes kleines Meisterwerk. Eine elegant dahingeplauderte Geschichte mit viel Witz und Fantasie.

Alles beginnt mit einem Foto: Darauf zu sehen ist der 56jährige Kölner Roy Paulsen, wie er auf einem Fahrrad an einer Amsterdamer Gracht entlangradelt. Doch Paulsen war noch nie in Amsterdam – der Mann auf dem Foto ist allerdings eindeutig er. Also fährt er nach Holland und macht sich auf die Suche nach dem Haus, das auf dem Bild zu sehen ist.

Tatsächlich findet Paulsen die Gracht und das Haus, und als er es betritt, gerät er in eine tödliche Auseinandersetzung. Drei Menschen sterben innerhalb weniger Sekunden, Paulsen überlebt jedoch und verliebt sich in die Frau, dessen Bruder unter den Toten ist. Am Schluss dieser ideenreichen, fantasievollen und turbulenten Novelle entsteht wieder ein Foto an der gleichen Gracht, und es zeigt wieder Paulsen auf einem Fahrrad – es ist das gleiche Foto wie zu Beginn, quasi Bild aus der Zukunft. Dazwischen liegen nur hundert Seiten, in denen Heinrich Steinfest gewählt und gewitzt erzählt, mit Anspielungen zu Malerei, Kunst und Kultur. Eine hochwertige Story über ein Foto, das die Realität beeinflusst oder umgekehrt.

Ich habe den Roman am 9. Oktober in meiner Literatursendung auf egoFM vorgestellt. Zur Show hier. 

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