Toxische Liebe

Eine junge erfolgreiche Autorin aus Irland – das kann nur die 30jährige Sally Rooney sein, oder? Nein. Es gibt auch noch Megan Nolan, 31, deren beachtliches Debüt „Verzweiflungstaten“ (Blumenbar, übersetzt von Lisa Kögeböhn) vor kurzem auf Deutsch erschienen ist.

Eigentlich ist die junge Frau, die in diesem Roman erzählt, eine verdammt freie, aktive, lässige Person. Sie trinkt, feiert und vögelt wie es ihr gerade passt. Doch dann verliebt sie sich Hals über Kopf in Ciaran, einen coolen, attraktiven Typen. Und schwupps, sind ihre Unabhängigkeit und ihr Selbstbewusstsein verschwunden.

Ciaran lässt seine Stimmungsschwankungen an ihr aus, und seine Kälte, seine Unnahbarkeit, verunsichern seine Freundin. Umso mehr tut sie alles um ihm zu gefallen, um von ihm geliebt zu werden. Obwohl sie eine moderne reflektierte Frau ist, betet sie Ciaran geradezu an und erträgt all das psychische Leid, das er ihr zufügt.

Megan Nolan inszeniert diese toxische Liebe als schonungslose Selbstanalyse. Die Ich-Erzählerin gibt alles, zeigt alles, beichtet alles, offenbart tiefe Einblicke in ihre Gefühle und Gedanken. Eine aufregende Studie über eine obsessive Beziehung und Sex, mit einer Art dunkler Präzision geschrieben, offen, unerschrocken, reflektiert und verletzlich. Ein faszinierender Debütroman aus Dublin.

Ich habe den Roman am 11. September in meiner Literatursendung auf egoFM vorgestellt. Zur Show hier. 

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