Die Frau, die sich gegen Cyberstalking wehrt

Alle haben Mitleid mit Ruth. Aber Ruth will einfach nur ihre Ruhe und allein wieder rauskommen aus ihrer Trauer über den Tod ihres Mannes Ludwig. Sie waren 22 Jahre ein Paar, und seit drei Jahren lebt Ruth ohne ihn, mit einem ihrer beiden Söhne und ihrer Stieftochter. Soweit die Ausgangslage von Doris Knechts neuem Roman „Die Nachricht“ (Hanser Berlin).

Irgendwie kriegt Ruth ihr Leben ohne Ludwig schon auf die Reihe, sie schreibt Drehbücher und beginnt eine Beziehung mit Simon, einem charmanten Kinderpsychologen. Das Problem ist nur, dass er sich oft wochenlang nicht meldet. Eine typische fatale On/Off Beziehung, aus der sich Ruth einfach nicht verabschieden kann.

Viel schlimmer ist allerdings, dass Ruth anonyme Nachrichten aufs Handy bekommt. Irgendjemand beschimpft und belästigt sie. Der oder die Täter*in kennen Ruth offenbar ganz genau, denn in den Nachrichten stehen intime Details über Ludwigs frühere Affäre, über Simon, über Ruths Kinder. Als die Nachrichten auch in Ruths Freundeskreis eintreffen, steht alles auf dem Spiel, ihre Eigenständigkeit, ihr komplettes Leben. Wer steckt nur dahinter, wer möchte sie fertigmachen? Ruths Recherchen führen bis kurz vor dem Schluss ins Nichts.

Doris Knecht hat einen starken Roman über Cyberstalking geschrieben, eine raffinierte klischeefreie Geschichte über Verleumdungen und Verdächtigungen, über eine moderne Patchworkfamilie, den Umgang mit Trauer, Schmerz und digitaler Gewalt. Knechts Sprache kommt lässig, bisweilen mit feiner Ironie daher, und sie führt durch ein dichtes, intensives Drama, das in Wien und Umgebung spielt.

P.S. In meiner Literatursendung auf egoFM ist Doris Knecht am 11. September zu Gast. Zur Show hier. 

2 Gedanken zu “Die Frau, die sich gegen Cyberstalking wehrt

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