Gibt es einen Halt ohne Heimat, eine Zukunft ohne Kunst?

Was passiert, wenn ein gefeierter Künstler sein eigenes Land verlassen muss, wenn er im Exil von vorne anfangen muss? Und was passiert mit der Ehe des Künstlers, wenn die Frau in der Heimat bleibt und der Mann nur eine Wahl hat, nämlich die Flucht aus Nazideutschland?

Diesen Fragen spürt Ulrike Draesner in ihrem Roman „Schwitters“ (Penguin)  kunstvoll nach, am Beispiel von Kurt Schwitters. Der 1887 geborene Maler, Dichter, Raumkünstler und Werbegrafiker entwickelte ein dadaistisches „Gesamtweltbild“ und war ein Star, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Doch dann ging es tragisch bergab.

Draesner hat keine klassische Biografie geschrieben, sondern ein belebendes, ironisches, virtuoses und höchst literarisches Werk. Sie schaut ganz genau hin, wer ist dieser Kunststar? Warum betrügt er seine Frau? Und wer ist diese Frau, die alles für ihn organisiert, die seine Seitensprünge toleriert? Draesner begeistert mit ihrer kreativen Erzähllust und ihrem Grundton der schlauen Schärfe. Sie spürt, hört, riecht und analysiert. Sie folgt Schwitters ins Exil nach Norwegen, dann ins nächste Exil nach Großbritannien.

Gibt es einen Halt ohne Heimat, eine Zukunft ohne Kunst? Das untersucht die Wortakrobatin Ulrike Draesner, und ihr Roman platzt fast vor Geist, Humor und Energie. Ein beeindruckendes Werk, ein großer Auftritt. Ganz aktuell – und zu Recht – ausgezeichnet mit dem Bayerischen Buchpreis 2020.

4 Gedanken zu “Gibt es einen Halt ohne Heimat, eine Zukunft ohne Kunst?

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