Schluss mit den hohen Mieten!

„Es reicht nicht mehr, persönlich anständig durchs Leben zu gehen. Heute muss sich ein guter Mensch einmischen. Die Katastrophe verhindern. Aktiv sein. Das Böse sehen. Das Böse bekämpfen. Demonstrieren.“

Diesem Zitat aus Wolfgang Schorlaus neuem Thriller „Kreuzberg Blues“ (Kiepenheuer & Witsch) stimmt man nach der Lektüre sofort zu. Denn dieses Buch rüttelt auf, macht wütend, und es zeigt: Es muss sich etwas ändern. Sonst geht der Wahnsinn auf dem Wohnungsmarkt weiter, und noch weniger Menschen können sich die extrem schnell steigenden Mieten noch leisten. Wolfgang Schorlau hat aus der aktuellen Debatte um bezahlbaren Wohnraum einen packenden Plot gebastelt, in dem sich Finanzmanager, Bauunternehmer, Kriminelle, Aktivsten, Mietrechtler und Politiker gegenseitig Druck machen.

Im Mittelpunkt des Romans steht der Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler, der diesmal, in seinem zehnten Fall, in Berlin recherchiert. Eigentlich soll er nur klären, ob ein berüchtigter Immobilienmogul seine Mieter mit kriminellen Methoden rausekelt. Doch schon bald ist Dengler klar, dass das Problem weitaus größer ist: Der Wohnungsmarkt ist völlig aus den Fugen geraten. Skrupellose Investoren und raffgierige Bauunternehmer steigern ihre Renditen auf Kosten der Mieter. Zigtausende Wohnungen wurden vom Berliner Senat zu Spottpreisen an dubiose Konzerne verscherbelt. Während auf der einen Seite Milliarden verdient werden, können sich auf der anderen Normalverdiener keine Unterkunft mehr leisten.

Wolfgang Schorlau schreibt schnell und lässig, im Stil einer verdichteten Sozialreportage, über den modernen Berliner Häuserkampf. Er geht auch der Frage nach, warum Menschen rücksichtslos Mieter ausbeuten, warum sie für Geld alles tun und Moral für sie ein Fremdwort ist. Zudem blickt er hinter die Fassade einer nationalistischen Geheimorganisation, die die Diskussionen um Mieten und Corona für ihre Zwecke missbraucht und versucht, die Stimmung in der Bevölkerung in ihrem Sinne zu drehen. Kein Wunder, dass Schorlau die Schauplätze und Protagonisten seines Romans schneller wechselt als Ampeln ihre Farben.

Ein Musterbeispiel für einen hochaktuellen Polit-Thriller, der gesellschaftliche Spannungen aufgreift und Stellung bezieht. Auch als Hörbuch bei Argon erschienen, packend gelesen von Frank Arnold!

Im Nachwort schreibt Schorlau: „In vielen Städten bilden Mieter nun Bürgerbewegungen, die die Rückführung der Wohnungen in öffentliches oder genossenschaftliches Eigentum fahren. Sie haben recht. Ihnen ist dieses Buch gewidmet.“

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.