Baumstark, dieses Werk

Die Welt in 18 Jahren, so wie sie Michael Christie in „Das Flüstern der Bäume“ (Penguin, übersetzt von Stephan Kleiner) sieht:

Der Boden ist ausgetrocknet, die meisten Wälder sind abgestorben, tödliche Staubstürme fegen über die Erde. In einem der letzten urwüchsigen Waldflecken können reiche Touristen auf einer kanadischen Insel die Natur genießen. In diesem exklusiven Resort auf Greenwood Island arbeitet die Botanikerin Jake als Waldführerin.

Eines Tages erfährt sie, dass sie von der Familie abstammt, der die Insel früher gehört hat. Einer Familie, die seit Generationen von Wäldern und vom Holz lebt. Der kanadische Autor Michael Christie springt vom Jahr 2038 zurück in die Vergangenheit der Greenwoods. Auf vier Zeitebenen enthüllt er die Familiengeheimnisse bis zum Jahr 1908 und wandert dann wieder schrittweise bis in die Zukunft.

Michael Christie ist ein grandioser Erzähler, der in klarer, kompetenter Sprache durch sein weit verzweigtes Werk führt. Er berichtet vom skrupellosen Raubbau an Wäldern und dem erfolgreichen Aufbau eines Holzkonzerns. Er zeigt, dass einige Mitglieder der Familie von Macht und Besitz besessen waren, andere von der Liebe zu Wäldern und dem Widerstand gegen das Abholzen. Ein baumstarkes 550 Seiten Werk, das zwar ein paar Längen hat, mich aber trotzdem mitgerissen hat.

„Die Zeit, ist kein Pfeil. Sie ist auch keine Straße. Sie führt in keine bestimmte Richtung. Sie lagert sich nur an – im Körper, in der Welt -, wie Holz es tut. Schicht um Schicht. Hell und dunkel. Jede Schicht baut auf der anderen auf. Kein Jahr kann ohne das vorangegangene existieren. Jeder Triumph und jede Katastrophe sind auf ewig in ihre Struktur eingeschrieben.“

Ich stelle den Roman im Podcast „Long Story Short“ vor. Die Folge heißt „Jesus hatte eine Frau?! Und weitere Entdeckungen“. Einfach hier klicken. 

Ein Gedanke zu “Baumstark, dieses Werk

  1. Interessante Seite hier 🙂

    „Kein Jahr kann ohne das vorangegangene existieren. Jeder Triumph und jede Katastrophe sind auf ewig in ihre Struktur eingeschrieben.“

    Das klingt irgendwie gut; gefällt mir auch besser, als aus dem Leben eine Straße zu machen; denn das Gelebte steckt ja noch immer in uns drin, ist Teil unseres Wesens.
    Danke für den Typ – ich denke, ich hätte hier was für meine Geschenkliste ^^

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