Der Kiffer, der in ein High-Tech-Abenteuer stolpert

Heute ist die ganze Welt durchdesignt. Hinter erfolgreichen Produkten, sogar hinter Politikern, stecken oft ein Design, eine Kampagne, eine Marketingstrategie. Meist bestehen sie aus Phrasen und Glücksversprechen. Sie sind: perfekte Ablenkungsmanöver. Auch High-Tech-Unternehmen nutzen diese Mittel, um ihre neuen Entwicklungen positiv darzustellen. Und genau das ist der Hintergrund, vor dem dieser brillante neue Roman spielt.

Die Hauptfigur in Alard von Kittlitzs „Sonder“ (Piper) weiß genau, wie man etwas vermarktet. Der Produktdesigner Peter Siebert hat einen siebten Sinn für die Bedürfnisse des Marktes und die Wünsche der Konsumenten. Zunächst arbeitet er noch in Neuseeland für ein Colafirma, doch schon bald wird er von einer neuen Künstliche-Intelligenz-Company im Silicon Valley abgeworben, die ein Gerät zur Steigerung der Gehirnleistung entwickelt. Eine Denkdopingmaschine. Eine Revolution.

Für Peter ist es der Auftrag seines Lebens. Endlich muss er sich nicht mehr mit Zahnbürsten, Drinks, Feinwaschmitteln und Schokoriegeln beschäftigen, sondern mit etwas Großem, Bedeutenden. Sein neuer Boss Drew Itautis gilt als Legende, die Alard von Kittlitz als geheimnisvoll, größenwahnsinnig, genial und unmoralisch beschreibt. Eine schräge Mischung aus Steve Jobs und Elon Musk.

Den Produktdesigner zeichnet von Kittlitz als spleeniges Talent und professionellen Kiffer. Peter Siebert hat zwar großes Talent und einen guten Geschmack, und er wirkt wie ein hipper Playboy. Doch hinter der Erfolgsfassade fühlt er sich oft leer und einsam, ist verunsichert und bindungsunfähig. Also konzentriert er sich voll und ganz auf seinen neuen Auftrag. Mit dem Konzernchef, dessen Sicherheitsberaterin und einem hochrangigen Mitarbeiter jettet Peter nun um die Welt, auf der Suche nach Inspiration, und, klar, des Teamgeists wegen. USA, Japan, Australien, Italien – eine kreative Weltreise in Luxusresorts soll es werden, doch Alard von Kittlitz deutet kommentarhaft und mit liebevoller Ironie an, dass er keine Heldengeschichte geschrieben hat, dass Peter sich nicht täuschen lassen soll, dass sein Epos einem bitterbösen Ende zusteuert. Und so kommt es schließlich auch, was unter anderem damit zusammenhängt, dass sich Peter Hals über Kopf verliebt.

In seinem Romandebüt erweist sich der ZEIT-Redakteur Alard von Kittlitz als charmanter, elegant formulierender Erzähler. Mit feinem Gespür sucht er nach Menschlichkeit inmitten der kühl kalkulierenden Erfolgswelt der Tech-Konzerne und des hochwertigen Designs. Souverän steuert der Autor durch seine turbulente Story. „Sonder“ ist ein in leichtfüßiger, höchst kreativer Prosa verfasstes Werk, in dem zahlreiche skurrile Nebenfiguren auftauchen und große philosophische Fragen angesprochen werden. Ein grandioses Abenteuer, das von Größenwahn, Liebe und dem besten Gras der Welt handelt.

Am 8. August war Alard von Kittlitz zu Gast in meiner Buchsendung auf egoFM vor. Zur Show hier.

 

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