Toni Morrison lebt!

„Fiktionale Literatur könnte das letzte Bollwerk gegen den verheerenden Schwund von Gewissen und Gedächtnis sein.“

Toni Morrison, die legendäre Literaturnobelpreisträgerin, spricht wieder zu uns. Obwohl sie vor genau einem Jahr im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Ihr Verlag (Rowohlt) hat nun zahlreiche ihrer Vorträge, Essays und Reden zusammengefasst – „Selbstachtung“ heißt das 540 Seiten starke Buch. Ein Vermächtnis, zweifellos.

Toni Morrison kämpft darin leidenschaftlich für Gerechtigkeit und Menschlichkeit, für Kunst und Kultur. Gegen Rassismus, Ausbeutung und Faschismus. Für Menschenrechte, Freiheit und Gleichberechtigung. Alles, was in der aktuellen Debatte um #BlackLivesMatter diskutiert wird, hat Morrison schon längst gesagt – diese Texte stammen aus den vergangenen 50 Jahren.

Niemand sonst hat eine so klare, überzeugende Stimme und niemand sonst gilt zu Recht so sehr als moralische Instanz im Literaturbetrieb wie die schwarze Schriftstellerin. Sie arbeitete als erste Afroamerikanerin in einem großen US-Verlag als Lektorin, war Professorin an zahlreichen Universitäten und wurde 2012 von Barack Obama mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet.

Morrison schreibt in diesem Band auch über den Preis des Wohlstands und die Kosten des Gemeinwohls, über die Notwendigkeit von Literatur und deren Macht, Sklaverei, Feminismus und das Leben der Künstler als Einzelkämpfer. Sie kritisiert und fordert, mahnt und deckt auf, bleibt jedoch stets konstruktiv und positiv, ihr Ziel: Veränderung. Perspektiven.

Dieses neue, letzte Buch von ihr zeigt, dass ihre Sprache und ihr Einsatz für Gerechtigkeit so lebendig und wichtig sind wie zu ihren Lebzeiten. Mindestens.

„Wenn ihr den Hungrigen nicht zu essen gebt, dann fressen sie euch, und zwar auf vielerlei und sehr wilde Arten. Sie werden euch eure Häuser nehmen, eure Viertel, eure Städte. Sie werden in euren Vorzimmern und Gärten schlafen, auf euren Straßen und Kreuzungen.

Übersetzt von Thomas Piltz, Nikolaus Stingl, Chistiane Buchner, Dirk van Gunsteren, Christine Richter-Nilsson.

Am 8. August stelle ich das Buch in meiner Literatursendung auf egoFM vor. Zur Show hier.

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