Writers & Lovers

Lily King, Writers Lovers, C.H. Beck, Rezension, Literaturblog, Günter Keil „Das Einzige, was mir in den letzten sechs Jahren Halt gegeben hat, das Einzige, was in meinem Leben konstant war, ist der Roman, an dem ich geschrieben habe. Er war mein Zuhause, mein Zufluchtsort.“

Lily King erzählt in “Writers & Lovers” (C.H. Beck, Übersetzung Sabine Roth) vom holprigen Weg einer jungen Frau zur Schriftstellerin. Ein vibrierender Roman mit schnellen, pointierten Dialogen und realistischen, erhellenden Einblicken in den Schreibprozess der Hauptfigur. Ein Buch, das glücklich macht, obwohl die Hauptfigur das Glück erst noch finden muss.

Casey ist 31 und fast am Ende. Erschöpft von der Arbeit an ihrem Roman, gefrustet vom Ende ihrer Beziehungen mit Paco und Luke, traurig über den plötzlichen Tod ihrer Mutter. In einem winzigen, modrigen Schuppen in Boston müht sie sich mit den letzten Kapiteln ihres Buches ab. Zudem plagen sie Schulden, die sie durch stressige Doppelschichten in einem Restaurant abzustottern versucht.

Mit der verzweifelten, aber stets zum Schreiben zurückfindenden Casey hat Lily King eine sympathische Identifikationsfigur auf die Buchseiten gezaubert. Casey verbirgt nichts, gibt all ihre Schwächen preis, kommentiert lakonisch und herzlich ihre aussichtslose Situation. Sie trauert, um ihre Mutter und um ihre Männer. Im Zentrum von Kings intelligenter Geschichte entwickeln sich folgende Fragen: Was bleibt in der Realität vom Traum, Schriftstellerin zu werden? Was bleibt, von der Liebe, die alles in einem zum Brennen bringt? Und was ist wichtiger: Schreiben, Leben oder Lieben? Oder bedingt sich das alles?

Casey, deren letzte beiden Beziehungen tragisch zu Bruch gingen und ihren Schreibprozess ins Trudeln brachten, wird ab der Mitte des Romans von zwei Männern umworben: Silas und Oscar, beide ebenfalls Schriftsteller. Diese ungewohnte Situation bringt überraschende Erkenntnisse: „In der Regel bremst ein Mann in meinem Leben mich beim Schreiben, aber zwei Männer, stelle ich fest, geben mir einen Energieschub.“

In klarer, schneller Prosa und mit feinem Humor lotet Lily King aus, was uns antreibt und was uns im Innersten ausmacht. Das Finale gestaltet die US-Autorin unglaublich spannend – man fragt sich pausenlos: Wird Casey ihren Roman fertigstellen und einen Verlag finden? Und für welchen Mann wird sie sich entscheiden? Der in großen Teilen autobiografische Roman ist keine Mainstream-Liebeskomödie, sondern eine vielschichtige Geschichte um Schreibende und Liebende, genau, “Writers & Lovers”.

Am 25.7. spreche ich in meiner Buchsendung auf egoFM mit Lily King über „Writers & Lovers“. Zur Show hier.

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