Die perfekte Gesellschaft?

„Die perfekte Gesellschaft. Teilhabe für alle, die perfekt gesund sind und funktionieren. Ist etwas kaputt, wird es ausgetauscht. Spielt die Psyche nicht mit, wird sie repariert. Weg mit den Kranken und Schwachen. Weg mit störenden Föten. Fitte Menschen bis ins höchste Alter, das spart steigende Gesundheits- und Pflegekosten.“

Ja, wer fit ist, hat nichts zu befürchten. Wer hinterfragt, lebt gefährlich und bekommt Abzüge bei seinen Sozialpunkten. Im Deutschland der Zukunft, das Zoë Beck in ihrem unheimlichen, aber nicht unwahrscheinlichen Thriller „Paradise City“ (Suhrkamp) beschreibt, wird alles überwacht und von Algorithmen gesteuert. Jeder Bürger muss immer sein Smartcase mit sich führen – eine Karte, auf der alle personenbezogenen Daten gespeichert sind. Kranke werden von einer Gesundheits-App minutiös kontrolliert, und die Medien verkünden nur noch Staatspropaganda. Nach mehreren Pandemien und Antibiotikaresistenzen ist die Bevölkerung geschrumpft, und die Natur erobert sich teilweise wieder ihren Raum zurück.

Hauptfigur Liina ist eine der letzten unabhängigen Journalist*innen. Gemeinsam mit ihrem Team beschafft sie brisante Daten und Fakten, filmt und fotografiert heimlich. Doch nicht nur deswegen schwebt sie in permanenter Gefahr: Liina hat ein Spenderherz, das allmählich schwächer wird. Die Zeit läuft also gegen die junge Frau. Doch Liina und ihre Kolleg*innen geben nicht auf – sie recherchieren mysteriöse Todesfälle und kommen geheimen Forschungsprojekten auf die Spur. In knappen, klaren Sätzen treibt Zoë Beck ihre Hauptfigur durch den straffen Plot.

Die Berliner Autorin zeichnet ein düsteres Gesellschaftsbild, das vertraut erscheint. Denn viele der beschriebenen Entwicklungen beginnen schon heute. So wird aus diesem spannenden Roman eine eindringliche Warnung: Stoppt den Wahnsinn, bevor es zu spät ist! Geschrieben hat Beck das Manuskript ihres Thrillers übrigens schon lange vor Corona – erstaunlich hellseherisch.

Mein Interview mit Zoë Beck könnt Ihr in meiner Buchsendung auf egoFM vom 11. Juli nachhören – zur Show hier.

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