Apokalyptisch

Nichts ist da, nur Wasser. Und tausende Windräder. Irgendwo weit draußen in der Nordsee arbeiten ein Junge und ein alter Mann in einem heruntergekommenen Offshore-Windpark. Der Plot von „Dahinter das offene Meer“ (Liebeskind) spielt in der Zukunft, nachdem große Teile der Welt überschwemmt wurden. Und er handelt in kurzen Kapiteln in der Vergangenheit, als Meere entstanden und sich Landschaften entwickelten. Der Brite Ben Smith erzählt also von dem, was das Wasser erschafft, und was es zerstört.

Der Junge und der alte Mann haben eine sinnlose, unmögliche Aufgabe: Sie sollen alle kaputten Windräder reparieren und den Park in Schuss halten. Täglich fahren sie aufs Meer hinaus, ins trübe Grau, und warten Dinge. Trotzdem verfällt die Anlage zusehends, und niemand scheint es zu kümmern. Die Arbeit ist von Gleichförmigkeit und Gleichgültigkeit geprägt. Ab und zu kommt ein Versorgungsschiff vorbei, bringt Lebensmittel und fährt wieder.

Ben Smith hat ein bildstarkes, verstörendes Szenario entworfen. In ruhigen, teilweise poetischen Sätzen verbreitete er gekonnt eine apokalyptische Stimmung. Vieles bleibt offen: Warum sind die beiden Protagonisten überhaupt in dem Windpark im Einsatz? Was ist mit dem Rest der Welt? Es lohnt sich, selbst darüber nachzudenken und diesen ungewöhnlichen Roman auf sich wirken zu lassen. Smith lehrt übrigens Kreatives Schreiben an der Universität Plymoth und arbeitet dort an mehreren Klimaschutzprojekten – vielleicht möchte er uns einfach nur eine vage Vorstellung von der Welt geben, die uns nach dem Klimawandel erwartet. Als Warnung.

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