Von Jasminbüschen, Teigbällchen und der Suche nach Freiheit

„Jetzt stelle ich fest, dass sich ganze Ereignisse aus meiner Kindheit, je intensiver ich mich mit der Zeit beschäftige, die ich beschreibe, neu vor meinen Augen abspielen.“

Das ist ein duftender, spürbarer, poetischer Roman aus Indien. Eine Geschichte, die sich zwar um die radikale Suche nach Freiheit und Glück dreht, auch um Verrat und Verlust, aber es ist eben auch eine Geschichte mit Blütenteppichen, Singvögeln, Teigbällchen, Bambusflöten, Jasminbüschen und Laternenlichtern.

Anuradha Roy entführt uns in „Der Garten meiner Mutter“ (Luchterhand) in einen kleinen Ort unterhalb des Himalaya. Dort wächst Anfang der 1930er-Jahre der kleine Myshkin auf, in einer toleranten, gebildeten Familie. Durch die starren Traditionen auf dem Land fühlt sich seine Mutter Gayatri eingeengt, und eines Tages passiert es: sie verlässt sie ihren Sohn, ihre Familie.

Gemeinsam mit dem deutschen Maler Walter Spies und der Tänzerin Beryl de Zoete zieht Gayatri durch Indien und nach Bali, wo sie als Malerin lebt. Mit ihrem Sohn schreibt sie über viele Jahre Briefe. Fast 60 Jahre später liest Myshkin noch einmal diese Briefe und versucht zu verstehen, was damals passiert ist. Er sagt: „Bilder ziehen wie in Dunkelheit gehüllte Lichtblitze durch meine Erinnerung.“

Ruhig, feinfühlig und besonnen erzählt Anuradha Roy von der Liebe zur verlorenen Mutter und der Liebe zur Natur. Ein Roman, der mich in eine geradezu meditative Aufmerksamkeit versetzt hat.

2 Gedanken zu “Von Jasminbüschen, Teigbällchen und der Suche nach Freiheit

  1. Bislang kannte ich nur „Der Gott der kleinen Dinge“. Ein Roman, den ich mit Interesse und Freude gelesen habe. Danke für den Tipp. Hört sich sehr vielversprechend an.

    • Vorsicht, nicht verwechseln: „Der Gott der kleinen Dinge“ ist von Arundhati Roy, meine Rezension handelt von Anuradha Roy! Die beiden Namen haben schon viele verwechselt. Arundhati schreibt literarischer und eigenwilliger als Anuradha – empfehlen kann ich beide! 😉

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