Wie man einen Bären kocht

Hier gibt es Moore und Mücken, Berge und Bäche. Natur pur. Mikael Niemis neuer Roman „Wie man einen Bären kocht“ (btb) spielt in einem abgelegenen Dorf in Nordschweden 1852. Doch die vermeintliche Idylle hat eine Kehrseite. Der Umgangston ist rau, das Bildungsniveau niedrig, Gewalt und Armut sind alltäglich. 

Der junge Jussi entflieht seinem Elternhaus und wird von einem protestantischen Geistlichen aufgenommen. Der Erweckungsprediger („Probst“) lehrt dem vernachlässigten samischen Jungen Lesen und Schreiben. Er erklärt Jussi Pflanzen, Blüten und Blätter. Auf ihren Wanderungen sammeln die beiden Gräser und Blumen in einer Botanisiertrommel und legen zu Hause ein Herbrarium an.

Mit Jussi und dem Probst, dem ungleichen Paar, hat Mikael Niemi ein faszinierendes Duo erschaffen. Die glaubwürdigen, sympathischen Protagonisten führen gekonnt in eine zunächst poetisch-herbe, später zunehmend dramatische Geschichte, die phasenweise an den Ton in Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“ erinnert.

Als ein Mädchen tot im Wald gefunden wird, glauben die Dorfbewohner, dass sie Opfer eines Bären geworden ist. Bis auf den Probst und Jussi. Sie inspizieren den Tatort, werten Spuren aus und kommen zu dem Schluss, dass ein Mann der Täter war. Nach dem rätselhaften Tod eines weiteren Mädchens erhärtet sich ihr Verdacht. Doch der Dorfgendarm hält an der Bärenlegende fest. Jussi und der Probst werden als Störenfriede und Lügner bezeichnet, und durch ihre unabhängigen Ermittlungen geraten sie in Lebensgefahr.

In knappen, atmosphärischen Sätzen erzählt Mikael Niemi von einem Jungen, dem sich die Welt öffnet, von einem Mann, der für Menschlichkeit kämpft und einem Dorf, das zwischen Rückständigkeit und Fortschritt schwankt. Kann es Gerechtigkeit geben in einem Umfeld, das von Traditionen geprägt und von ursprünglicher Natur umgeben ist? Der Probst glaubt an das Gute, an Bildung und die Güte Gottes – kann er sich mit dieser Haltung durchsetzen?

Ich stelle diesen Roman auch im Podcast LONG STORY SHORT vor („Versteckte Gefühle und eiskalte Morde“). Direkt zu den Folgen hier auf der Podcast-Homepage.

2 Gedanken zu “Wie man einen Bären kocht

  1. Bei „Ein ganzes halbes Leben“ haben Robert Seethaler („Ein ganzes Leben“) und Jojo Moyes („Ein ganzes halbes Jahr“) gemeinsame Sache gemacht. 😉

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