Charmante Liebeserklärung ans Theater (und ans Verlieben)

Ich finde ja: Es gibt jede Menge brillanter Gesellschafts- und Kriminalromane. Aber gute Beziehungsgeschichten? Anspruchsvolle und dennoch unterhaltsame Liebesromane? Selten. Vor kurzem ist endlich wieder ein empfehlenswertes Buch aus diesen Genres erschienen:

„Sweet Sorrow“ (Ullstein) von David Nicholls. Der Brite, spätestens seit „Zwei an einem Tag“ weltweit geschätzter Spezialist für dramatische und erbauliche Liebesliteratur, erzählt nun die Geschichte des 16-jährigen Charlie Lewis. Und vor allem erzählt er: Wie Charlie zum Theater findet, zur Literatur, und, zur Schönheit des Lebens.

Der Plot beginnt 1997 in einer Kleinstadt im Südosten Londons. Charlie verliebt sich im Sommer nach seinem Schulabschluss in Fran, und auch sie scheint ihm nicht abgeneigt zu sein. Der Haken an der Sache: Fran zwingt Charlie, wie sie in einer engagierten Theatergruppe mitzumachen, die am Ende des Sommers „Romeo und Julia“ aufführen will. Charlie kann mit Shakespeare gar nichts anfangen, aber Fran zuliebe lernt er seine Texte.

Schließlich gibt Fran ihm Unterricht. Die beiden treffen sich jeden Tag auf einer Wiese, unter einem Baum, und Charlie versucht, seine Angebetete zu beeindrucken. Die Belohnung: Frans Nähe. Und der Wunsch, ein neues, besseres Leben zu führen.

„Wenn ich mit Frank Fischer zusammen sein konnte, wenn sie mich so annehmen konnte, wie ich war, trotz aller Fehler der Vergangenheit, trotz aller Erbärmlichkeit, aller Seltsamkeit und aller Sorgen, dann konnte ich im Gegenzug zu einer besseren Version meiner selbst werden, einer Version von mir die so vorbildlich sein würde, dass sie praktisch ein neuer Mensch war.“

David Nicholls porträtiert Charlie als sympathischen Kerl, der für seine Liebe nahezu alles tut. Mitten im Roman macht Nicholls einen Zeitsprung – 20 Jahre später ist Charlie längst mit einer anderen Frau verheiratet. Was ist mit ihm und Fran passiert? Und was wird passieren, wenn sich die beiden auf dem Jubiläumstreffen der Theatergruppe wiedersehen? Nicholls ist ein Meister darin, seine amüsante Geschichte mit der richtigen Portion Melancholie und Drama anzureichern. Ein wunderbarer Roman übers Verlieben, aber vor allem: eine charmante Liebeserklärung ans Theater.

P.S. Am Montag moderiere ich David Nicholls Lesung im Literaturhaus München. Infos hier.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.