Magisch, dieser Migrationsroman

„Ich machte meine Jacke zu und wollte gerade wieder gehen, als die Wände plötzlich leuchtend blau und gelb aufblitzten, als würde ein Eisvogel vorbeischießen.“

In diesem Zitat aus Nhung Dams Roman „Tausend Väter“ (Ullstein) steckt schon vieles, das dieses fantastische Winterbuch zu einem unvergleichlichen Erlebnis macht: Die Natur in Form des Eisvogels, das Übernatürliche, Märchenhafte als bunter Blitz und die Ich-Perspektive eines 11-jährigen Mädchens.

Diese Nhung, das Alter Ego der Autorin, wurde als Tochter von Bootsflüchtlingen in einem unbekannten und eiskalten Land abgesetzt. Alles ist dem Mädchen aus Vietnam fremd, und es ist ihr viel zu kalt. Ihr Vater ist abgehauen, und ihre Mutter zieht sich träge zurück. Die trotzige, aktive Nhung entpuppt sich dagegen als ein Mädchen, das ihre Träume nicht aufgibt. Sie wirkt frei, unschuldig und fantasievoll. Nhung erzählt vom Seemann Amour, spricht mit ihrem Vogel Pirouette, besucht den Wahrsager Onkel Ho und lacht mit ihrer besten Freundin Mose.

Ein magischer Migrationsroman inmitten von Schnee, unendlicher Weite und dem dunklen Ozean. Der niederländischen Autorin Nhung Dam ist damit ein modernes Märchen geglückt, in dem sie die wahre Fluchtgeschichte ihrer Eltern verarbeitet. Mit grandiosen Bildern und einer starken jungen Heldin.

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