Ruhiges Rentnerleben

„Sein Leben lang hatte er sich bemüht, das Richtige zu tun.“

Kann man 470 Seiten über einen ganz normalen Rentner schreiben, ohne dass es langweilig wird? Der große amerikanische Erzähler Stewart O´Nan kann das. In „Henry, persönlich“ (Rowohlt) porträtiert er das Alltagsleben von Henry Maxwell liebevoll, präzise und feinsinnig.

Dieser Henry ist kein Held und kein Kämpfer, aber einer, der versucht, im altmodischen Sinne anständig zu sein. Er achtet aufs Geld, lädt seine Frau Emily zum Valentinstag in ein nobles Restaurant ein, repariert alle kaputten Gegenstände im Haus, engagiert sich im Kirchenvorstand, spielt Golf mit alten Kollegen – und freut sich auf die Zeit im Sommerhaus am See mit seinen Kindern und Enkeln.

Ein feiner, leiser Ehe- und Familienroman übers Zusammenleben und Zusammenaltwerden, über die Annehmlichkeiten des Vertrauens und das Wissen, dass das Glück befristet ist.

Henry ist friedlich, bescheiden und vernünftig. Stewart O´Nan zeigt ihn in einer stillen Sprache, mit wohlgesonnenem Blick und als aufmerksamer Beobachter. Ein entschleunigter Roman, der realistisch vom ruhigen Rentnerleben erzählt. Eine wunderbare Ergänzung zu O´Nans Bestseller „Emily, allein“, in dem der US-Schriftsteller schon im Jahr 2011 Henrys Frau porträtierte.

 

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