Auf Erden sind wir kurz grandios

Ocean Vuong ist 30 Jahre alt, und er schreibt wie ein Dichter. Er ist auch einer. Vielfach ausgezeichnet, nun wieder hochgelobt für seinen ersten Roman „Auf Erden sind wir kurz grandios“ (Hanser). Vuong erzählt darin eine Variante seines eigenen Lebens: Geboren in Vietnam, im Alter von zwei Jahren mit der Familie in die USA ausgewandert. Seine Verwandten: traumatisiert vom Krieg. Er selbst: als Ausländer und Schwuler gemobbt und auf der Suche nach seiner Identität. Vuongs Alter Ego formuliert seinen Text als Brief an seine Mutter:

„Ich bin achtundzwanzig Jahre alt, 165 cm groß, 50 Kilo schwer. Ich sehe von genau drei Seiten gut aus und ätzend von überall sonst. Ich schreibe dir aus einem Körper heraus, der einmal dir gehörte. Das heißt, ich schreibe als ein Sohn.“

In kurzen Kapiteln, verdichtet und poetisch, radikal und zärtlich, schonungslos und eindringlich, reflektiert der Außenseiter über die Schläge, die ihm seine Mutter verpasst hat. Über die fremde Sprache, die fremde Welt, in der seine Familie landete. Er versucht zu verstehen, wer seine Eltern waren, wer er selbst ist, woher er kommt, wohin er möchte. Große, nachdenkliche Wort-Kunst.

„Ich drückte mich gegen das Fenster und füllte meinen Blick mit der Außenwelt, malvenfarben mit frühmorgendlicher Dunkelheit“

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