Alles richtig gemacht?

Endlich mal ein Roman, der in Rostock spielt. In den 70er und 80er-Jahren. Zumindest zu Beginn. Später verlegt Gregor Sander den Plot von „Alles richtig gemacht“ (Penguin) nach Berlin, in die wilden Jahre des wiedervereinten Deutschlands, und schließlich in die Gegenwart. Doch egal ob in Rostock oder Berlin, egal ob vor 30, 20 oder 10 Jahren: Sander richtet seine Scheinwerfer immer auf Thomas und Daniel. Und auf ihre Freundinnen, ihre WG-Mitbewohnerinnen, ihre Frauen.

Er erzählt von unterschiedlichen Lebenswegen. Und davon, dass man im Rückblick selten alles richtig gemacht hat. Aber auch nicht alles falsch.

Also: Zwei Jungs, zwei Männer. Früher beste Freunde, heute etwa 50 Jahre alt.

Thomas ist Anwalt, verheiratet, hat zwei Kinder. Von Daniel hat er ewig nichts mehr gehört, bis dieser plötzlich wieder vor seiner Tür steht. Ausgerechnet jetzt, wo Thomas Frau weg ist und seine beiden Töchter mitgenommen hat.

Das überraschende Auftauchen von Daniel konfrontiert Thomas mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Er erinnert sich daran, wie sie als Kinder Fahrrad fuhren, in der Ostsee badeten und als Jugendliche über ihre ersten Erlebnisse mit Mädchen sprachen. Viel aufregender war es Ende der 80er, Anfang der 90er: Thomas und Daniel stürzten sich ins Nachtleben, betrieben eine Bar, betranken sich bis früh morgens in Kneipen, fühlten sich jung und glücklich. Daniel dealte mit Drogen und fädelte ein spektakuläres Kunstfälscher-Geschäft ein.

Und sonst? Am Rande ihres Bewusstseins passierte Weltgeschichte. Der Fall der Mauer, die Wiedervereinigung, die rassistischen Angriffe von Rostock-Lichtenhagen, der 11. September 2001, die Gentrifizierung Berlins. Dann war Thomas verheiratet und trug vor Gericht Anzüge, und Daniel verschwand. Als die alten Kumpels wieder aufeinandertreffen, haben sich kaum etwas zu sagen. Oder doch?

Gregor Sander setzt auf eine klare Sprache, die das Wesentliche prägnant einfängt. Das passt zu Thomas, dem Ich-Erzähler, der zurückblickt. Ein heller Roman, der zeigt, dass die Vergangenheit manchmal bis in die Gegenwart reicht.

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