DDR-Rassismus

Rassismus und Neonazis in der DDR? Gab es nicht. Durfte es nicht geben. Denn das sozialistische Deutschland versicherte sich gern: Nur drüben im Kapitalismus, dort gibt es Ausländerhass. Eine Lüge, wie man weiß.

Max Annas neuer Kriminalroman „Morduntersuchungskommission“ (Rowohlt) erzählt einen brisanten realen Fall ostdeutscher Geschichte: 1986 wurde ein mosambikanischer Arbeiter an der Bahnstrecke zwischen Ost-Berlin und Dessau tot aufgefunden. Ein Mord durch Neonazis, der erst nach dem Ende der DDR bekannt wurde. Max Annas erzählt nun einen ähnlichen Fall, einen fiktiven.

An der Bahnstrecke südlich von Jena wird 1983 eine entstellte Leiche gefunden. Der Tote: ein junger Mosambikaner, sogenannter Vertragsarbeiter. Oberleutnant Otto Castorp von der Morduntersuchungskommission Gera soll den Fall aufklären. Annas zeigt ihn nicht als coolen Cop, sondern als ziemlich durchschnittlichen, gewissenhaften DDR-Bürger. Castorp befragt Anwohner und Kollegen des Toten, ermittelt in Wohnheimen, und erfährt dabei, dass es immer wieder zu Prügeleien zwischen Ostdeutschen und afrikanischen Arbeitern kommt. Schließlich verdichten sich Hinweise, dass eine Gruppe deutschnationaler Glatzköpfe den aufgefundenen Mosambikaner gequält und getötet hat.

Für seinen Einsatz wird Otto Castorp bestraft. Das Ministerium für Staatssicherheit entzieht ihm den Fall.

Max Annas schreibt klar, fokussiert und objektiv. Er wertet nicht, blickt seiner Hauptfigur gekonnt über die Schulter. So gelingen ihm spannende, authentische Einblicke in den DDR-Alltag. Annas dokumentiert, und er fragt indirekt: Hat die Weigerung des sozialistischen Staates, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, auch etwas mit der heutigen Stimmung in Ostdeutschland zu tun?

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